Emotionen und Provokationen bestimmen das Derby

Foto: imago sportfotodienst

Dortmund. Schalke gewinnt 1:0 in Dortmund, jubelt aber fragwürdig und zieht sich deshalb den Zorn der Borussen zu. Doch am Sonntagabend entlasstete ein Video des WDR Schalkes Torwart Manuel Neuer, der unter Verdacht stand Dortmund Kevin Großkreutz geschlagen zu haben.

Manuel Neuer hatte gar nicht groß nachgedacht, war einfach seinem Instinkt gefolgt und freute sich vor der Südtribüne der BVB-Fans. Er hob die Trinkflasche vom Boden auf, rannte 15, 20 Meter weit zurück, und baute sich erneut vor dem Zentrum der BVB-Anhänger auf: Wie ein Hampelmann rotierte der Schalker Torwart mit Armen und Beinen. BVB-Trainer Jürgen Klopp zürnte: „Alle reden vor dem Spiel von Deeskalation und dann so etwas.”

Dann soll Neuer – so der Vorwurf einiger Dortmunder Spieler – Borussias Kevin Großkreutz sogar mit dem Ellbogen auf die Nase geschlagen haben. Eine unverzeihliche Tat – wenn es stimmt. Wenn es nicht stimmt, eine ungeheuerliche Anklage. Doch am Sonntagabend präsentierte der WDR Fernsehbilder, die Neuer zweifelsfrei entlasteten.

Emotionen und Provokationen

Emotionen und Provokationen nach dem 134. Revierderby zwischen Borussia und Schalke, bei dem Schiedsrichter Wolfgang Stark mit einer einzigen Gelben Karte ausgekommen war – bei dem es aber trotzdem richtig heiß her ging. Dortmunder Profis stellten Neuer noch auf dem Platz zur Rede. „Ich habe ihm gesagt, er soll das vor unserer Südtribüne lassen”, berichtete Großkreutz und klagte den Schalker dann heftig an: „Er hat mich an der Nase erwischt. Die ist jetzt auch ein bisschen schief.” Nuri Sahin und Marcel Schmelzer wollten alles genau beobachtet haben und unterstellten Neuer Absicht.

Borussia kochte. Nur: Schalke war sich gar keines solchen Vergehens bewusst.

Manuel Neuer hatte von Anfang an steif und fest behauptet, dass es kein Gefecht mit Großkreutz gegeben habe. In einem WDR-2-Interview wurde der Nationaltorwart noch deutlicher: „Ich hoffe, dass die Zähne bei Kevin Großkreutz noch alle drin sind. Ich habe ihn jedenfalls nicht getroffen.”

Auch Felix Magath sah seinen Torwart zu Unrecht auf der Anklagebank. Zwar sagte Schalkes Trainer bei der Pressekonferenz, es sei „nicht in Ordnung, dass einige Spieler beim Jubeln die Seiten verwechselt haben und nicht vor unseren Fans gefeiert haben”. Doch damit bezog er sich auf die Freude nach dem entscheidenden Tor durch Jefferson Farfan in der 31. Minute. Da hatten sich Farfan, Rafinha und Kenia triumphierend vor den BVB-Fans aufgebaut, insbesondere Rafinha ließ seiner Genugtuung freien Lauf. „Darüber wird zu reden sein”, sagte Magath. Im Gespräch mit dieser Zeitung versicherte er jedoch, dass er bei Neuer nichts Verwerfliches habe erkennen können: Weder eine Tätlichkeit noch einen Jubel vor der falschen Kurve. „Dass unser Torwart sich über den Sieg freut, halte ich für normal.” Schließlich hatte Schalke ja, wie Magath sagte, „in der Höhle des Löwen” gewonnen.

Ein typisches Derby

Hitzig war es dort, auch schon während der 90 Minuten. Im Eifer des Gefechts wähnte sich die Borussia mitsamt Anhang einige Male im Nachteil: So beim doppelten „Wembley-Tor” durch Lucas Barrios (26.), dessen abgefälschter Schuss von der Unterkante der Latte gleich zweimal auf dem Boden aufsprang – aber eben nicht mit vollem Umfang hinter der Linie. Darüber wurde kräftig diskutiert, bis die TV-Bilder für Aufklärung sorgten. Aber das Gerangel bei den Strafraumszenen? Bei Farfans Einsatz gegen Schmelzer vor dem Tor? Beim Tackling von Pliatsikas gegen Großkreutz? Schalkes Halil Altintop fiel dazu nur ein: „Wenn man im eigenen Stadion verliert, sucht man nach Gründen. Die Dortmunder Spieler haben sich doch nur aufgeregt, weil wir die Punkte mitgenommen haben”. Auch der Extremjubel von Neuer sei „keine Provokation” gewesen.

Irgendwann war Manuel Neuer nach den ganzen Tumulten dann doch auf der anderen Seite des Spielfeldes angekommen – da, wo die Schalker Fans feierten. Mittendrin präsentierten sie schwarz-gelbe Stoffstücke – vermutlich die selben, die schon beim letzten Derby für Ärger gesorgt hatten, weil sie aus dem Besitz der Borussen stammten. Auch das erfüllte zweifelsfrei erneut den Tatbestand der Provokation.

Ein typisches Derby, mit allem Drum und Dran. BVB-Torwart Roman Weidenfeller befand, dass sich Schwarz-Gelb und Königsblau eben nun mal nicht grün sind, weil es bei Schalke stets „ein paar Kandidaten” gebe, „die immer das eine oder andere Spektakel veranstalten und dann hinterher nicht schuldig sein wollen”. Ähnliches, freilich, haben sie in Schalke auch schon über Weidenfeller gesagt.

 
 

EURE FAVORITEN