Ein perfekter Tag für Schalkes Raúl

Andree Hagel
Es war, mal wieder, ein perfekter Tag für Raúl González Blanco im Trikot des FC Schalke 04. Mit einem Kopfball- und einem Weltklasse-Tor, das bei allen Bewunderern Superlative in Serie auslöste, hatte er beim 3:0-Sieg über Hannover 96 begeistert. Er, der 102-malige Nationalspieler Spaniens, der am 27. Juni 35 Jahre alt wird.

Gelsenkirchen. Nach 71 Minuten musste Raúl, durfte Raúl seinen Platz räumen. Der Applaus von den Rängen in der ausverkauften Veltins-Arena war eine Verneigung vor dem Fußball-Weltstar. Kurz saß er dann auch noch auf der Bank und strahlte, um danach in den Katakomben zu verschwinden und nicht mehr gesehen zu werden. Trainer Huub Stevens hatte Raúl somit viele wieder lästige Fragen über die Zukunft erspart, er sagte nur: „Raúl ist 34 und bringt Super-Leistungen. Wenn es so läuft wie heute, dann kannst du ihn ein paar Minuten schonen.“

Dieses oder ein ähnliches Schonprogramm würden vor allem die Fans der Königsblauen gerne noch zwei weitere Jahre über sich ergehen lassen. „Raúl darf nicht gehen. Er wäre für den Verein und uns Fans ein großer Verlust“, schreibt Friedhelm.w im DerWesten-Forum. „Dieser Spieler hat uns bisher so viel gegeben. Ein absoluter Vollprofi, der seine Passion auslebt, ohne den dicken Max raushängen zu lassen. So einen Weltstar darf man nicht mit einem Jahres-Vertrag abspeisen. Sicher fordert er eine Menge Geld. Aber was bringt Raúl für den Verein? Man bedenke allein den Aspekt des Merchandisings. Es muss doch mit den Fans und dem Millionen-Sponsor Gazprom möglich sein, diesen Ausnahmespieler noch zwei Jahre an den Klub zu binden.“

Zumindest ein Argument, das für Raúl zählen könnte, haben die Schalker dank ihres 3:0-Erfolg über am Ostersonntag schwache Hannoveraner untermauert: Die direkte Qualifikation für die Champions League rückt immer näher. Fünf Spieltage vor Saisonende hat der Bundesliga-Dritte ein Fünf-Punkte-Polster auf Borussia Mönchengladbach und sogar schon 14 Zähler Vorsprung auf den Tabellenfünften VfB Stuttgart, so dass der vierte Rang und damit der Relegationsplatz für die Champions League bereits als sicher abgehakt werden dürfen. „Das ist ein gutes Polster“, sagt zwar auch Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar, der schon seinen 43. Treffer im 42. Pflichtspiel der Saison markierte und nun in der Bundesliga-Torjägerliste einen Treffer hinter Mario Gomez vom FC Bayern München liegt (25). „Aber es gibt noch fünf Spiele. Da kann viel passieren.“

Klar: Auch der 28-jährige Niederländer war vom 2:0-Kunstwerk seines Offensiv-Partners Raúl begeistert. „Ich dachte: Was macht er jetzt?“, sagte Klaas-Jan Huntelaar. „Und schießt den Ball ganz cool rein.“ So cool, dass sogar Hannovers Torwart nichts anderes übrig blieb, als Respekt zu zollen. „Man muss auch anerkennen, wenn ein Stürmer eine großartige Aktion macht“, sagte Ron-Robert Zieler. „Das war Weltklasse!“

Farfán auf Rang drei

Kaum verwundert war Jefferson Farfán, der alle drei Treffer eingeleitet hatte und dessen Vertragsende zum 30. Juni kaum noch ein Thema ist, da ausschließlich über Raúl geredet wird. „Im Training macht er häufig solch verrückte Sachen, deshalb hat mich das Tor eigentlich nicht überrascht“, sagte der 27-jährige Peruaner, der in dieser Saison zwar erst dreimal selbst getroffen, aber schon acht Treffer vorbereitet hat. So liegt er in der Scorer-Liste der Königsblauen mit elf Punkten auf Rang drei – hinter Klaas-Jan Huntelaar (34) und Raúl (19).