Effenberg muss sich in Sachen Trainer-Job auf Schalke noch gedulden

Peter Müller
Auf dem Weg ins große Trainergeschäft hat sich Stefan Effenberg hier schon einmal beim Spiel der Bayern gegen Barcelona mit den richten - der DFB-Trainerriege - umgeben.
Auf dem Weg ins große Trainergeschäft hat sich Stefan Effenberg hier schon einmal beim Spiel der Bayern gegen Barcelona mit den richten - der DFB-Trainerriege - umgeben.
Foto: Getty Images
Der FC Schalke 04 plant in der Trainerfrage zweigleisig. Der Amtsinhaber Jens Keller kann mit einem imposanten Endspurt in den letzten drei Saisonspielen die eigenen Chancen noch deutlich erhöhen, doch ihm fehlt das Charisma, die Gewinnermentalität - Eigenschaften, die Ex-Bayern-Kapitän Stefan Effenberg hat.

Gelsenkirchen. Im März 2009 pfiffen die Spatzen von ostwestfälischen Dächern, dass es in einem Hotel in Rheda-Wiedenbrück ein spektakuläres Treffen gäbe: Clemens Tönnies, der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04, empfing Oliver Kahn, ehemals Torwart-Titan und nun auf der Suche nach einer sinnvollen Anschlussbeschäftigung. So etwas wie: Manager auf Schalke, als Nachfolger für den entlassenen Andreas Müller.

Drei Stunden wurde getagt, dann erklärte Tönnies den wartenden Medienvertretern: „Kahn ist eine Kapazität. Wir haben ein Konzept besprochen, da sind wir total d’accord. Wir haben uns darauf verständigt, in zwei bis drei Wochen noch mal zu telefonieren.“

Ein geniales Ablenkungsmanöver. Denn Tönnies verfolgte einen großen Geheimplan: Er lotste den Meistertrainer des VfL Wolfsburg nach Schalke – Felix Magath kam als Trainer und als Manager.

Unter Berücksichtigung dieser Geschichte muss ein Treffen des ehemaligen FC-Bayern-Kapitäns Stefan Effenberg mit Clemens Tönnies und Manager Horst Heldt mit Maß bewertet werden. Ein Treffen allein ist kein Indiz dafür, dass der 44-Jährige der Top-Kandidat auf den Trainerposten bei den Königsblauen in der nächsten Saison sei.

Schalke hat auch Kontakt zu einem aktuellen Trainer eines Bundesligisten aufgenommen

Nach Informationen dieser Zeitung hat die Schalker Klubführung auch Kontakt zu anderen Kandidaten aufgenommen, darunter ein aktueller Trainer eines Bundesligisten. Und Horst Heldt betont weiterhin, es sei „noch nichts entschieden“. Denn wenn Tönnies und er von einem „klaren Plan in der Trainerfrage“ sprechen, dann meinen sie einen zweigleisigen: Auch Jens Keller ist noch nicht aus dem Rennen. „Jens ist unser erster Ansprechpartner, aber nicht unser einziger“, bestätigt Heldt. Erreicht der frühere B-Jugendtrainer, unter dem Schalke in der Rückrunde immerhin die bisher drittbeste Bilanz aller Bundesligisten aufweist, noch den Champions-League-Qualifikationsrang vier, dann dürfte er sich die Chance auf eine Fortsetzung des Engagements verdient haben.

Für Horst Heldt wäre das wünschenswert, Jens Keller ist sein Mann: Die beiden verstehen sich gut, Heldt schätzt Kellers Arbeit sehr. Der Haken: Auf dem Medienboulevard schleicht Keller zurückhaltend, er stolziert nicht, inszeniert sich nicht wie der charismatische Effenberg. Ein Fehlstart in die neue Saison würde Keller nicht verziehen – ihm fehlt die Lobby.

Effenberg wäre wegen fehlender Erfahrung eine mutige Entscheidung des S04

Für den Fall einer Enttäuschung zum Saisonende wappnen sich Tönnies und Heldt offenbar mit Effenberg, für den die Gewinnermentalität spräche. Doch ob Effenberg, der seit einem Jahr die Fußballlehrer-Lizenz besitzt, ein guter Trainer ist, muss erst noch nachgewiesen werden. Auch dies wäre also eine mutige Entscheidung. „Mut haben wir schon oft bewiesen“, sagt Heldt und lobt Effenberg schon mal vorab als „Trainer der Zukunft“.

Effenberg will unbedingt ins Trainergeschäft einsteigen, deshalb wird er sich auch auf den von Schalke vorgegebenen Deal einlassen, erst das Saisonfazit abwarten zu müssen. Bei gestandenen Trainern dürfte es weitaus schwieriger sein, ein mögliches Engagement mit dem Abschneiden Jens Kellers verknüpfen zu können.