Dreiste Schwalbe nach 19 Sekunden - Timo Werner muss sich bei S04 entschuldigen

Krystian Wozniak
Timo Werner machte sich mit seiner Schwalbe gegen Schalke keine Freunde.
Timo Werner machte sich mit seiner Schwalbe gegen Schalke keine Freunde.
Foto: imago/Picture Point LE
  • Nicht unverdient unterlag Schalke am Samstagabend bei RB Leipzig 1:2
  • Extrem unverdient war dabei aber der Elfmeterpfiff nach 19 Sekunden
  • Nicht nur bei der Schwalbe, sondern auch nach dem Spiel zeigte sich der Youngster wenig sportsmännisch

Leipzig. 19 Sekunden dauerte das Topspiel zwischen RB Leipzig und dem FC Schalke 04 und schon war der Aufreger des Wochenendes perfekt.

Timo Werner setzte gegen Schalke-Keeper Ralf Fährmann zu einer Schwalbe á la Andreas Möller an und legte Schiedsrichter Bastian Dankert mit der unsportlichen Aktion rein. Dankert zeigte nämlich auf den Elfmeterpunkt.

Werner lässt sich für Treffer feiern

Es wird noch dreister oder war er einfach übermütig? Werner schnappte sich den Ball und verwandelte zum 1:0. Dabei wollten auch andere RB-Profis den Elfer schießen. Ex-Schiedsrichter Peter Gagelmann, Experte beim Bezahl-Sender Sky, fand klare Worte: „Eine Schande für den Fußball!“

Recht hat Gagelmann: Das hat mit Fair-Play nichts zu tun. So wurde Werner bei seiner Auswechselung rund zehn Minuten vor Schluss mit einem gellenden Pfeifkonzert von den rund 7.000 Schalkern verabschiedet.

Der Leipziger 2:1-Sieg hatte an diesem Abend einen faden Beigeschmack. Lothar Matthäus brachte es bei Sky auf den Punkt: „Schade, dass es so dazu gekommen ist.“

Fährmann nach dem Spiel auf 180

Schalkes Torwart Ralf Fährmann, der trotz glasklarer Schwalbe obendrauf noch die Gelbe Karte sah, verstand im Interview mit Sky die Welt nicht mehr: „Das ist alles zum Kotzen. Ich muss wirklich aufpassen, was ich jetzt sage. Ich muss aufpassen, dass ich morgen keinen Herpes habe, wenn ich aufwache. Das geht einfach nicht, bei allen Emotionen in diesem Sport. Werner geht zum Schiedsrichter und sagt, dass ich ihn nicht berührt habe. Da muss man Werner loben für seine Fairness, aber da muss der Schiedsrichter handeln.“

Bastian Dankert, Schiedsrichter der Begegnung, sagte: „Nachdem ich die Fernsehbilder gesehen habe, ist natürlich klar, dass es eine Fehlentscheidung war. Das tut mir leid. Dass Timo Werner mit mir gesprochen hätte, muss ich widersprechen. Es gab kein Gespräch zwischen mir und Timo Werner. Erst am Elfmeterpunkt habe ich ihn gefragt, was denn war. Er hat keinen Kommentar abgegeben. Danach habe ich auf Elfmeter entschieden, irgendeine Entscheidung musste ich treffen.“

Werner verteidigt seine Schwalbe

Hauptdarsteller Werner stellte im Gespräch mit Sky seine Sichtweise dar: „Ich komme frei auf das Tor zugelaufen, werde von Naldo gezogen. Es sieht nach einer Schwalbe aus, aber das war nicht meine Intention. Ich habe einen Kontakt von Naldo gespürt. Er hat mich runter gerissen. Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, dass Fährmann mich nicht berührt hat.“

Werner soll nach dem Spiel in der Schalker Kabine gewesen sein und sich entschuldigt haben.

Experten einig: Ganz miese Nummer

Schon in der Halbzeitpause waren sich bei Sky alle Experten einig. Timo Werner hat sich einfach schlecht und unsportlich verhalten.

Christoph Metzelder (Ex-Profi): „Eigentlich müsstest du zum Schiedsrichter gehen und sagen: war nix. Für Werner und Leipzig hätte das ein riesiger Sympathiegewinn sein können. Nach dem Spiel hat er im Interview die letzte Chance, seine Ehre einigermaßen zu retten.“

Peter Gagelmann (Ex-Bundesliga-Schiedsrichter): „Das sind genau die Szenen, die wir nicht sehen wollen. Es ist eine Katastrophe und Schande für den Fußball, wenn der Spieler dann nicht die Courage hat, zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben. Da hätte er ein Riesenzeichen setzen können! Man konnte nicht sehen, ob Dankert ihn gefragt hat. Wenn ja, wäre das Resultat umso fataler. Ich denke, Werner wird jetzt medial geächtet. Es ist eine Tatsachenentscheidung, aber da kann auch der Verein sagen: Wir möchten keinen Spieler, der so etwas macht.“

Lothar Matthäus (Ex-Profi): „Dass er den Elfmeter selbst schießt, zeigt eine gewisse Frechheit, aber auch Selbstbewusstsein. Über alles, was vorher war, brauchen wir kein Wort mehr verlieren, da ist alles gesagt.“

Christian Heidel (Sportvorstand FC Schalke 04): „Was soll ich dazu noch sagen? Ich habe mit dem Schiedsrichter gesprochen, er hat sich entschuldigt. Aber Fehler passieren. Werner schießt den Elfer rein und lässt sich in der Kurve feiern - Sympathien hat er sich dadurch nicht geholt. Ich wäre nicht glücklich, wenn das ein Spieler von uns machen würde.“

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