Di Matteo setzt auf die Jugend - den Schalke-Fans gefällt's

Gute Freunde: die Schalke-Talente Max Meyer (l.) und Leon Goretzka (r.).
Gute Freunde: die Schalke-Talente Max Meyer (l.) und Leon Goretzka (r.).
Foto: imago
Der Trainer der Königsblauen setzte beim 3:1 gegen Hoffenheim Signale für ein Umdenken: er setzte auf Talente und ein modifiziertes Spielsystem.

Gelsenkirchen.. Es war schon in der Schlussphase, als die Preise bereits so gut wie vergeben waren. Schalkes Trainer Roberto Di Matteo bereitete seine letzte Auswechslung vor, Joel Matip sollte noch helfen, den Sieg über die Zeit zu bringen. Die anderen Ersatzspieler, die nicht mehr gebraucht wurden, trotteten zur Auswechselbank zurück: Zunächst Sidney Sam und Leroy Sane. Und, mit weitem Abstand als Letzter hinterher: Kevin-Prince Boateng. Ein Bild mit Symbolkraft. Für den „Prinzen” gab es an diesem Tag keine Verwendung mehr: Schalke 04 hatte in der Fußball-Bundesliga 3:1 gegen 1899 Hoffenheim gewonnen.

Zwei Talente aus der Knappenschmiede standen über 90 Minuten ihren Mann

Statt Boateng, den Schalkes Vereinschef Clemens Tönnies einmal einen „Leuchtturm” genannt hatte, holten andere Spieler die Kohlen aus dem Feuer, das auf Schalke nach der Derby-Schmach eine Woche lang so heftig gelodert hatte. Wie sehr, gab Di Matteo unumwunden zu, als er nun davon sprach, es habe nach dem Spiel in Dortmund eine „beschissene Woche“ hinter ihm gelegen: „Wenn man das so sagen darf, aber es war so.” Bislang hatte der Italiener in bedrängter Lage stets auf erfahrene Kräfte wie Boateng gebaut. Nun aber gab er der Jugend den Vorzug und zeigte damit vielleicht sogar einen Weg auf, wie es weitergehen kann auf Schalke: „RDM” setzte Signale für ein Umdenken. Mit mehr jungen Spielern und einer modifizierten Auslegung seines Sicherheits-Konzepts.

Mit Max Meyer (19) und Kaan Ayhan (20) standen zwei Talente aus dem eigenen Stall über 90 Minuten ihren Mann, die unter Trainer-Vorgänger Jens Keller bereits auf dem Weg zur Stammkraft waren – die aber bei Di Matteo bislang nur die zweite oder dritte Geige spielen durften. Meyer, der auf der Boateng-Position seinen Platz fand, war mit zwei Toren sogar der Matchwinner – beim Derby saß er noch 90 Minuten auf der Bank. Dass ihn dies gewurmt hatte, liegt auf der Hand: „Mein Anspruch ist es, immer zu spielen, auch von Anfang an.” Nun war sein Auftritt so durchschlagskräftig, dass Di Matteo eilig betonte, er habe Meyer immer schon auf der Rechnung gehabt und nun habe der kleine Dribbler auch einmal die Erwartungen erfüllt: „Heute war er überragend und spielentscheidend. Das ist das, was wir von ihm erwarten: Dass er für uns Spiele entscheidet.”

Zugute kam dem gebürtigen Oberhausener bei der Erfüllung dieses hohen Auftrags freilich auch, dass Schalkes Trainer seine Mannschaft diesmal einen Tick offensiver agieren ließ – auch dies war eine Konsequenz aus dem missratenen Derby. Schalke behielt zwar das bisherige 3-5-2-System bei, stand aber nicht ganz so tief in der eigenen Hälfte und attackierte vor allem über die Außenpositionen früher, so dass bei Ballgewinnen der Weg zum Tor nicht mehr so weit war.

Boateng im Schalke-Spiel gegen Real Madrid gesperrt

Dies machte den Schalker Fußball nicht nur effizienter, sondern auch deutlich attraktiver. Auch Max Meyer hob dies hervor, als er sagte: „Man hat heute gesehen, wie sehr das Spiel alle begeistert hat. Dafür sind die Zuschauer im Stadion, sie wollen ein Spektakel sehen.” Ganz schön clever, die Fans bei diesem Plädoyer mit ins Boot zu nehmen. Denn auch Meyer profitiert mit seiner Spielweise von mehr Offensive – dies macht es ihm leichter, vor dem Tor die Spiele zu entscheiden.

Die Zuschauer, die die Mannschaft anfangs noch mit einem „Versager”-Transparent empfangen hatten, waren jedenfalls schnell wieder versöhnt. Und die Art, wie sie Rückkehrer Leon Goretzka (20) nach dessen Einwechslung nach acht Monaten Verletzungspause euphorisch feierten, zeigte einmal mehr, dass junge Spieler beim Schalker Anhang gerne gesehen sind.

Kevin-Prince Boateng (28) wird sich auf die Hinterbeine stellen müssen, wenn er seine exponierte Stellung zurückerobern will. Für das Champions-League-Rückspiel an diesem Dienstag bei Real Madrid stellt sich diese Frage nicht: Dort ist Boateng gelb-gesperrt. Und auch nach dem Spiel gegen Hoffenheim hatte Boateng nur einen Auftritt auf kleiner Bühne: Im La-Ola-Club der Arena durfte er bei einer Talkrunde die VIP’s unterhalten.

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