Di Matteo hat eine Meisterprämie im Schalke-Vertrag verankert

Manfred Hendriock
Roberto Di Matteo fordert im Training auch die Busfahrer.
Roberto Di Matteo fordert im Training auch die Busfahrer.
Foto: dpa
Die ersten elf Tage des Trainers Roberto Di Matteo auf Schalke: Der Busfahrer packt mit an, der Manager ist zufrieden, und die Stars passen gut auf. Gegen Hertha BSC wartet am Samstag die erste öffentliche Prüfung auf den Keller-Nachfolger.

Gelsenkirchen. Roberto Di Matteo ist ein Mann, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist und es weit gebracht hat: Seine Eltern waren als italienische Gastarbeiter in die Schweiz gekommen, wo der Vater Arbeit als Kranführer fand. Wer so heranwächst, der lernt früh, dass jeder mit anpacken muss, und so hält es Roberto Di Matteo auch heute noch als Trainer.

Wenn er mit den Spielern des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 auf dem Trainingsplatz arbeitet, ist sogar die Hilfe des Busfahrers gefragt. Lars Laser (40), ein kräftiger Mann, muss mit anpacken, auf dem Rasen die Hütchen und Stangen umzustellen, damit es zwischen den einzelnen Übungen keine allzu langen Pausen gibt. Aus seiner Zeit beim FC Chelsea ist es Roberto Di Matteo gewohnt, die Trainingseinheiten auf zwei Fußballfeldern zugleich durchzuführen, doch das ist auf Schalke aus räumlichen Gründen nicht möglich. „Wir müssen das so organisieren, damit es auf einem Platz klappt“, erklärt Di Matteo, und weil der Busfahrer bisher während der Trainingseinheiten nichts zu tun hatte, steht er nun eben mit auf dem Platz.

Das Spiel am Samstag gegen Hertha

Es ist eine neue Zeitrechnung angebrochen auf Schalke, seit der Italiener Di Matteo vor elf Tagen Jens Keller als Trainer abgelöst hat, und an diesem Samstag (18.30 Uhr) steht mit dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC Berlin die erste öffentliche Prüfung an. Sehr zur Freude von Di Matteo, der seinen neuen Verein inzwischen ein wenig kennengelernt hat und auch von den Fans dabei viel Wärme erfahren hat: „Die Leute haben mir alle viel Glück gewünscht. Sie sind voller Hoffnung, dass wir jetzt etwas umändern.“

Diese Erwartung verbindet sich mit jedem Trainerwechsel, und gerade auf Schalke haben sie da ja viel Erfahrung: Mit „RDM“, so sein Kürzel, das auf seinem Trainingsanzug aufgedruckt ist, versucht sich gerade zum 26. Mal in den vergangenen 25 Jahren ein neuer Mann an diesem Verein. Aber diesmal hat man den Eindruck, dass mehr dahinter steckt als nur die Hoffnung. Selten hat es einen neuen Übungsleiter auf Schalke gegeben, der den Verein in so kurzer Zeit so sehr hinter sich gebracht hat.

Das liegt an seiner Art, die sehr vieles ausstrahlt: Zum Beispiel hohes Fachwissen, natürliche Autorität, akribische Arbeit und große Begeisterung, aber auch einen gesunden Blick für die Realitäten. Den von Schalke in eine exorbitante Position gestellten Julian Draxler etwa nennt Di Matteo lediglich einen „sehr talentierten Spieler“, der noch lernen müsse, Verantwortung auch zu teilen. So kann man es auch ausdrücken, wenn man den Eindruck hat, dass ein junger Spieler in der Vergangenheit mit Erwartungen überfrachtet wurde.

In den ersten Tagen hat sich „RDM“ besonders mit Benedikt Höwedes und Kevin-Prince Boateng arrangiert – den Führungsspielern, die, so das Schalker Glück, auch während der Länderspielpause in Gelsenkirchen waren. Auf dem Trainingsplatz hat sich Boateng merklich aufmerksamer gezeigt, wie überhaupt zu erkennen ist, „dass Zug drin ist“, wie es Manager Horst Heldt ausdrückt.

"Veränderungen werden langsam kommen"

Freilich glaubt Di Matteo selbst nicht daran, dass beim Spiel gegen Berlin schon viel mehr als frischer Wind von seinem Wirken zu erkennen sein wird: „Die Veränderungen werden langsam kommen. Wir müssen kleine Schritte vornehmen, damit die Mannschaft Sicherheit hat.“ Er setzt eher darauf, dass die Spieler aus eigenem Antrieb „eine Reaktion“ auf den bisherigen Saisonverlauf zeigen wollen. Seine Aussagen über seinen Spielstil lassen aber erahnen, was er für diese Mannschaft als notwendig erachtet: „Um Spiele zu gewinnen, muss man versuchen, aus einer guten Defensive offensiv zu spielen.“ Das Ziel sei es, „wenn möglich zu null zu spielen“.

Zumindest diese Aussage erinnert dann doch ein wenig an Huub Stevens, mit dem Schalke in dessen erster Amtszeit fast sechs Jahre zusammenarbeitete. Di Matteo hat einen Vertrag über knapp drei Jahre bis 2017, in dem alles genau fixiert ist – sogar eine Prämie für den Gewinn der deutschen Meisterschaft. „Wer Meister wird, bekommt eine Prämie“, hat Vereinschef Clemens Tönnies bestätigt, zugleich aber auch gesagt: „Da Roberto Di Matteo klug ist, wird er auch weiterhin nicht von der Meisterschaft sprechen.“

Er hat genug anderes zu tun. Sonntagfrüh ist wieder Training. Der Busfahrer sollte sich bereithalten.