Der Protest auf Schalke geht weiter

Manfred Hendriock
Schalkes Trainer Felix Magath hat auch nach dem Einzug ins Pokalfinale keine Ruhe. Beim 0:1 in Stuttgart formulierten Teile der Fans wieder ihren Protest. Sie forderten auf einem Transparent Magaths Entlassung.

Stuttgart. Felix Magath war ganz schön genervt zum Ende der Pressekonferenz. „Olli, mach Schluss“, flüsterte er dem neben ihm sitzenden Stuttgarter Pressechef Oliver Schraft zu, den er aus gemeinsamen Zeiten beim VfB noch vertrauensvoll schätzt. Ein Journalist hatte Magath eine ganze Weile gepiesackt mit allerhand Fragen bis hin zur Herkunft seiner dunklen Brille, die er gegen eine akute Augenentzündung trägt.

Schalkes Trainer hatte sich bei seiner Analyse nur mit dem beschäftigt, was wirklich relevant für den Ausgang des Spiels war: Mit der Roten Karte gegen Benedikt Höwedes und dem anschließenden Elfmeter, den Zdravko Kuzmanovic in der 15. Minute zum Stuttgarter 1:0-Sieg verwandelte. Weil Schiedsrichter Felix Brych bei dieser Entscheidung falsch lag, konnte man das Spiel, das ansonsten den Charakter eines schmucklosen 0:0 hatte, in der Tat auf diese Begebenheit reduzieren: Im 75-minütigen Unterzahlspiel schaffte es Schalke nicht mehr, die Wende herbeizuführen. Der S04-Trainer jedenfalls sah eine ganz maßgebliche Beeinflussung und schimpfte erbost: „Ich wundere mich, dass ein Unparteiischer solch eine Verantwortungslosigkeit an den Tag legt.“

Vor allem hatte es Brych ignoriert, dass Benedikt Höwedes im eigenen Strafraum nur deshalb zu Fall gekommen war, weil er vom Stuttgarter Stürmer Pavel Pogrebnyak zuvor einfach über den Haufen gerannt worden war. Ob dem Schalker Verteidiger dann beim Abstützen auch noch der Ball gegen den Arm gesprungen ist, ließ sich auch durch verschiedene Fernsehbilder nicht belegen. Höwedes beteuerte auf jeden Fall seine Unschuld: „Eine ganz klare Fehlentscheidung. Ich weiß auch nicht, wie man als Schiedsrichter so daneben liegen kann.“

Schalke war damit, nur drei Tage nach dem Pokaltriumph von München, wieder da angekommen, wo diese Saison ihren Fixpunkt hat: beim Misserfolg in der Bundesliga. Als die Schalker Spieler nach dem Abpfiff in die Kurve zu den Fans gingen, wurde ihnen geradewegs ein Transparent entgegen gehalten, auf dem geschrieben stand: „Magath raus“. Kapitän Manuel Neuer wertete dies als „Reaktion“ darauf, „dass wir verloren haben“. Ob das bereits zuvor angefertigte Plakat im Falle eines Sieges eingerollt geblieben wäre, ist hypothetisch. Auf jeden Fall zeigte sich, dass selbst der Einzug ins Pokalfinale die Gräben der Unzufriedenheit bei einem Teil der Fans nicht zugeschüttet hat.

Magath ließ sich seine Irritation darüber nicht anmerken: „Wenn man Verantwortung trägt, hat man Befürworter und Leute, die das anders sehen. Damit muss ich leben, und ich kann damit leben.“ Freilich ist es zumindest eine skurrile Situation, dass Schalkes Trainer selbst dann keine Ruhe hat, wenn mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale ein vorzeigbarer Erfolg geschafft und in der Champions League noch ein weiterer Höhepunkt zum Greifen nah ist: Am Mittwoch besteht eine gute Chance, im Heimspiel gegen den FC Valencia ins Viertelfinale der Königsklasse einzuziehen – das hat Schalke in der Vereinsgeschichte erst einmal erreicht. Manuel Neuer warnt, dass eine Diskussion um Magath an dieser Stelle wenig dienlich ist: „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen. Es gilt, die volle Konzentration auf die Champions League zu wahren.“ Auf die konkrete Frage zu Magaths Rolle sagte er: „Wir ziehen alle an einem Strang – dazu gehört auch das Trainerteam.“

Doch das Eis, auf dem Schalke sich bewegt, ist dünn. In der Bundesliga ist der Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf fünf Punkte geschrumpft – zwei oder drei Siege wird Schalke in den verbleibenden neun Spielen noch brauchen, um nach hinten abgesichert zu sein. Für Magath ist es keine Frage, dass dies gelingt: „Wenn wir vielleicht mal einen anderen Schiedsrichter haben, reichen solche Leistungen wie in Stuttgart aus, um Punkte zu holen.“

Sorgen macht er sich jedenfalls nicht – auch nicht um seinen Arbeitsplatz. Aber er wirkte schon genervt, als er dazu sagte: „Warum sollte ich?“