Der große Schalke- und BVB-Check: Wer gewinnt das Derby?

Szene aus dem verrückten Hinspiel: Nuri Sahin (vorne) gegen Weston McKennie.
Szene aus dem verrückten Hinspiel: Nuri Sahin (vorne) gegen Weston McKennie.
Foto: firo

Gelsenkirchen/Dortmund.  Peter Stöger hat schon vieles erlebt, das aber noch nicht: „Ich bekomme sehr viele gute Ratschläge, wie es funktionieren könnte“, erzählt Borussia Dortmunds Trainer.

Da ergeht es ihm wie Domenico Tedesco. Schalkes Trainer hatte in dieser Woche daheim in Herten einen Wasserrohrbruch. Als die Monteure kamen und ihn erkannten, gab ihm einer von ihnen mit auf den Weg, dass er diesmal „schon ein 1:0 mitnehmen“ würde.

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Es ist Derbyzeit. Schalke 04 gegen Borussia Dortmund, der Zweite gegen den Dritten, Gerangel um die Champions-League-Plätze – und um die Fußball-Vorherrschaft im Revier. Die Rivalen vor dem Derby am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) im großen Vergleich.

Leidenschaft: Welcher Trainer lebt das Derby mehr?
Bei der Premiere einen eigenen Mythos zu schaffen, gelingt auch nicht jedem. Domenico Tedesco hat genau das im Hinspiel geschafft. Der Schalker Trainer kniete sich in der Halbzeit des Hinspiels beim Stande von 0:4 vor die Mannschaft und schwor sie auf die zweite Hälfte ein. Der Rest war Emotion, ist Legende.

Vor dem Rückspiel wirkt er gelassen. „Meine Bilanz bei Heimspiel-Derbys ist nicht so schlecht – ich hab noch keins verloren“, sagt er lachend. „Zusätzliche Emotionalität“, meint er, sei nicht nötig. Von seinen Spielern fordert Tedes­co, dass sie „einen klaren Kopf“ behalten sollen.

Ob Peter Stöger ein ähnliches Debüt gelingt? Für ihn ist es das erste Revier-Derby als Trainer. Mut macht ihm: Keiner der aktuellen Bundesligatrainer, die mehr als einmal in Gelsenkirchen antraten, hat eine derart makellose Bilanz: Mit Köln gelangen ihm drei Siege und ein Unentschieden. „Wir erhalten viel Zuspruch, dass wir an Schalke vorbeiziehen. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt Stöger.


Kampfgeist: Welches Team schlägt öfter zurück?
Schalke gelang die Aufholjagd der Saison, Pardon, des Jahrzehnts, Quatsch, des Jahrhunderts: 4:4 nach 0:4 zur Halbzeit. Kein Einzelfall. In Frankfurt holten die Königsblauen einen 0:2-Rückstand auf. Chapeau! Ansonsten gewinnen sie ihre Spiele eher schmucklos und solide. Schwarz-Gelb hingegen rettete in der Liga fünf Mal nach einem Rückstand noch mindestens einen Punkt. Mehr als ein Tor holte der BVB aber nie auf.

Sturm-Warnung: Wie sind die Torjäger in Form?
Historisch gut. Dortmunds Michy Batshuayi erzielte gegen Stuttgart im neunten Bundesligaspiel seinen siebten Treffer. So früh schaffte das für den BVB zuvor nur Manfred Burgsmüller 1976/77.

Guido Burgstaller ist bei Schalke der Mann der späten Tore: Acht seiner zehn Saisontreffer erzielte er in der zweiten Halbzeit. „Er ist authentisch, bescheiden, ehrlich und gibt immer Vollgas. Das hat ihn zum Fanliebling gemacht“, sagt Kapitän Ralf Fährmann.

Ruhrpott-Gen: Welcher Kader hat mehr davon?
Als Ruhrpottler qua Geburt dürfen Leon Goretzka (Bochum) und Max Meyer (Oberhausen) gelten. Thilo Kehrer durchlief die Schalker Jugend ebenso wie der gebürtige Chemnitzer Ralf Fährmann, der aber mittlerweile als Vorzeige-Schalker gilt. In seinem Garten hat er eine Zisterne mit Schalke-Logo. Und Hummeln haben gerüchteweise Flugverbot.

Dortmunder Jungs, wir sind alle Dortmunder Jungs – singen die BVB-Fans gern. Aber mit Marco Reus (gebürtiger Dortmunder) und Nuri Sahin sowie Mario Götze (beide durchliefen fast alle Jugend-Mannschaften) erschöpft sich die Liste schon.

Einstimmung: Wie bereiten sich die Klubs ab jetzt aufs Derby vor?
Der FC Schalke bittet an diesem Samstag ab 15.30 Uhr zum öffentlichen Abschlusstraining. Fans? Ausdrücklich erwünscht! „Wir haben vor der Saison versprochen, dass wir nur einmal pro Woche nicht öffentlich trainieren“, sagt Trainer Tedesco. „Also halten wir uns daran. Das ist ja Schalke.“

Der BVB handhabt das schon aus Routine anders: Er schottet sich ab, seit Dienstag haben Fans und Journalisten das Training nicht mehr gesehen. Trainer Stöger: „Wir freuen uns über jegliche Unterstützung, aber es ist nicht so, dass wir ein öffentliches Training brauchen, um aufgeheizt zu werden.“

Standards: Wer trifft häufiger?
Nicht ganz unwichtige Rubrik. Beleg: das Hinspiel, als Naldo nach einem Eckstoß zum 4:4 traf. 21 Treffer nach ruhenden Bällen weist die Datenbank opta für Schalke aus – Liga-Höchstwert. Der BVB kommt auf 13. Interessant: Beide Teams haben je zehn Gegentore nach Standards kassiert. Nur die Bayern sind da besser (8).

Rückhalt: Ist auf die Torhüter Verlass?
Schalkes Ralf Fährmann erarbeitet sich derzeit den Ruf des Elfmetertöters. In der laufenden Saison hielt er zwei von sechs Versuchen. Roman Bürki hatte drei Elfmeter gegen sich, alle landeten im Tor. Der BVB-Torhüter hat sich nach wackliger Vorrunde stabilisiert. Bei Fährmann war es eher andersherum: In der Rückrunde zeigte er auch mal ungewohnte Schwächen.

Anekdote: Was hat ein Kaufhof-Friseur mit dem Derby zu tun?
Aberglaube ist im Liga-Betrieb weit verbreitet – auch bei Schalke-Manager Christian Heidel, der wie vor dem Hinspiel noch seinen Glücks-Friseur im Kaufhof Gelsenkirchen aufsuchen wollte (Waschen, Schneiden, Föhnen: 20 Euro). „Katas­tro­phen-Meldung”, musste er dann kurze Zeit später mit gespielter Verzweiflung gestehen: „Der Friseur kann nicht.” Sollte er doch noch Zeit finden, wird das Spiel sicherlich 4:4 ausgehen.

 
 

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