Gelsenkirchen

Denkwürdige 82 Sekunden bringen Schalke den Sieg gegen Stuttgart

Schalke jubelt: Goretzka (v. links), Naldo, Burgstaller.
Schalke jubelt: Goretzka (v. links), Naldo, Burgstaller.
Foto: firo

Gelsenkirchen. Sechs Punkte nach drei Spielen – Schalke 04 ist im Gegensatz zum Vorjahr, als man mit fünf Pleiten in die Saison startete, diesmal in der Spitzengruppe dabei. Nach dem 3:1 (1:1)-Erfolg vor 61098 Zuschauern über den VfB Stuttgart liegen die Königsblauen auf einem Europa-League-Platz.

Doch bis der Erfolg über die Schwaben festgezurrt war, musste ein hartes Stück Arbeit erledigt werden.

Und rund um die Partie herrschte längst nicht die pure Harmonie. Sportvorstand Christian Heidel musste sich wegen seiner Transferpolitik erstmals kritische Transparante gefallen lassen („Vom Autohändler zum Identifikationsschänder“ - „70 Millionen ausgegeben und dabei 70 Prozent der Identität verloren“). Zur Halbzeit gab es deutliche Pfiffe wegen der bis dahin dürftigen Schalker Heimspiel-Vorstellung.

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Videobeweis beschert Schalke 04 Elfmeter

Dabei begann die Partie für die Königsblauen mit einem frühen Tor, so wie man sich das allgemein gegen tief stehende Gegner wünscht. Neuzugang Amine Harit wurde von Stuttgarts Orel Mangala am Fuß erwischt und krümmte sich im Strafraum vor Schmerzen. Schiedsrichter Frank Willenborg ließ die Partie zunächst weiterlaufen, bekam dann aber den Hinweis aus der Videobeweis-Zentrale in Köln, dass ein elfmeterreifes Vergehen vorlag.

Schalkes Mittelfeld-Antreiber Nabil Bentaleb übernahm die Verantwortung, hatte aber bei seinem Strafstoß Glück, dass VfB-Torwart Ron-Robert Zieler den Ball zwar mit der Hand erwischte, ihn aber unter dem Körper zum 1:0 ins Netz durchrutschen ließ (4.).

Stuttgart gleicht noch vor der Pause aus

Wer gedacht hatte, dass die Königsblauen den Aufsteiger mit breiter Brust dominieren würden, sah sich getäuscht. Gerade im Spielaufbau von hinten heraus und beim Balltransport im Mittelfeld schlichen sich immer wieder Fehler ein, die unnötig Kraft kosteten. Stuttgart wurde gegen Mitte der ersten Halbzeit mutiger.

Zunächst zielte Stürmer Simon Terodde zu hoch (37.), aber kurz darauf glückte den Gästen der Ausgleich. Chadrac Akolo traf mit einer Direktabnahme auf Hereingabe von Josip Brekalo ins untere Eck. S04-Torwart Ralf Fährmann hatte keine Chance, aber Verteidiger Thilo Kehrer sah beim Stellungsspiel nicht ganz so glücklich aus.

Kehrer war wenige Minuten vor dem 1:1 erst von der rechten Mittelfeld-Außenbahn in die Abwehrkette beordert worden. Dafür rückte Benjamin Stambouli aus der Verteidigung auf die Sechser-Position. Ein Wechsel-Spiel, das Trainer Tedesco per Zettel einleitete und dass zumindest bis zur Halbzeit nicht den erhofften Effekt herbeiführte.

Zwei Tore in 82 Sekunden

Zur Pause brachte Domenico Tedesco mit Daniel Caligiuri und Guido Burgstaller zwei frische Kräfte und lag damit genau richtig. Zunächst traf Abwehr-Routinier Naldo, der am Sonntag seinen 35. Geburtstag feierte, per Kopf auf Freistoß-Flanke von Bastian Oczipka zum 2:1 (47.). Der VfB hatte sich kaum zum Anstoß aufgemacht, da konnten sich die Schwaben den Ball wieder am Mittelkreis zurecht legen.

Nach feinem Doppelpass mit Amine Harit vollendete Burgstaller freistehend vor Zieler zum 3:1 (48.). Durch den Tor-Doppelpack in 82 Sekunden bekamen die Hausherren das Spiel unter Kontrolle, wirkten insgesamt sicherer, abgeklärter und griffiger.

Guido Burgstaller hatte sogar das 4:1 auf dem Fuß, überlegte aber nach dem Ausspielen von Torwart Zieler zu lange, so dass sich Stuttgarts Schlussmann doch noch auf den Ball werfen und Schlimmeres verhindern konnte (57.). Leon Goretzka (60.) und Amine Harit (61.) probierten es anschließend jeweils aus der Distanz, zielten aber jeweils zu hoch.

Burgstaller tankte sich in der Endphase in den Stuttgarter Strafraum, wurde aber erneut von Zieler gestoppt (77.). Naldo stand binnen weniger Sekunden zweimal im Blickpunkt. Erst feuerte er einen Freistoß knapp über das VfB-Gehäuse (78.), dann verhinderte er mit einer Rettungsaktion kurz vor der eigenen Torlinie das zweite Stuttgarter Tor (79.).

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