Das Spiel gegen Schalke ist für Teningen das Spiel des Lebens

Die kleine Gemeinde Teningen fiebert dem Pokalspiel gegen Schalke mit Stars wie Raul und Huntelaar entgegen. Im Ort leben weniger Menschen, als ins Freiburger Stadion hineinpassen, in dem das Spiel ausgetragen wird.

Gelsenkirchen. Claus Kraskovic hat in diesen Tagen ein nettes, kleines Problem: Ständig klingelt bei ihm das Telefon. Als neulich eine freundliche Dame vom Fernseh-Sender Sky anrief, da fürchtete er zunächst, dass irgendetwas mit seinem Pay-TV-Abo nicht in Ordnung sei. Doch der Grund des Anrufs war ein anderer: Die Dame vom Fernsehen bat um ein Interview.

Denn Claus Kraskovic ist der Trainer des FC Teningen, der in der ersten DFB-Pokalrunde das große Los gezogen hat: Am Sonntag (17.30 Uhr) geht es gegen den Pokalverteidiger Schalke 04. Was für die Königsblauen eine Pflichtaufgabe ist, ist für den Siebtligisten aus dem Badischen das Spiel des Lebens. Seit Wochen gibt es in der Gemeinde nur das Thema Schalke. „Die Auslosung war schon phänomenal“, erzählt Claus Kraskovic, „aber jetzt freuen wir uns abnormal auf dieses Event.“

Die Begeisterung ist so groß, dass Teningen dafür viel zu klein ist. Deswegen findet die Partie gegen Schalke am Sonntag auch im rund 20 Kilometer entfernten Bundesliga-Stadion des SC Freiburg statt, und nicht im üblichen Friedrich-Meyer-Stadion des FC Teningen. Hier lag der Zuschauer-Schnitt in der vergangenen Saison bei 235 Besuchern – für das große Spiel gegen Schalke wurden schon im Vorverkauf über 16.000 Karten abgesetzt. 16.000 Menschen – das ist mehr, als die Gemeinde Teningen Einwohner hat. Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker zählt normalerweise 11 700 Häupter in seiner Gemeinde.

"Sechs Ligen sind ein wenig viel"

Teningen verzichtet auf den Heimvorteil, weil man wenigstens einmal im Leben in einem großen Stadion große Kasse machen will – eine sportliche Chance rechnet man sich gegen Schalke ohnehin nicht aus. „Ein, zwei Ligen Unterschied sind immer machbar, aber sechs ist doch ein wenig viel“, glaubt Kraskovic. Er hat vielmehr die Befürchtung, dass seine Spieler vor Ehrfurcht erstarren werden, wenn sie im Bundesliga-Stadion des SC Freiburg den großen Schalker Namen wie Raul oder Huntelaar gegenüberstehen werden.

Diese Angst muss er wohl vor allem bei seinem Stürmer Pascal Stadelmann haben: Denn der 23-Jährige ist ein glühender Schalke-Fan – er geht mit den Königsblauen sogar auf Reisen und war u.a. im April dabei, als Schalke in der Champions League in Mailand mit 5:2 triumphierte. Jetzt trifft Schalke-Fan Stadelmann seine Idole auf dem Platz wieder. Schalke ist überhaupt sehr beliebt in Teningen – besonders Raul steht ganz hoch im Kurs. Fast jeder Spieler des südbadischen Pokalsiegers ist scharf darauf, mit Raul nach dem Spiel das Trikot zu tauschen. „Raul kann gar nicht genügend Trikots mitbringen“, sagt Kraskovic.

Zum dritten Mal im Pokal dabei

Für Teningen ist es wirklich das Spiel des Lebens, obwohl der Klub schon zum dritten Mal in der ersten DFB-Pokalrunde dabei ist: 2000/2001 gab es ein 0:3 gegen den Zweitligisten MSV Duisburg und 2004/2005 ein knappes 1:2 gegen den Bundesligisten 1. FC Nürnberg – damals führten die Amateure sogar bis zur 65. Minute.

Und Schalke, der amtierende Champion, der im Mai den Pokal gegen den MSV Duisburg gewonnen hat und ihn nun verteidigen will? „Man sollte jeden Gegner ernst nehmen“, sagt Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann stellvertretend für seine Kollegen, „aber wenn nicht alles schief läuft, werden wir eine Runde weiterkommen.“ Eine Pflichtaufgabe gegen ein Team, das das Spiel des Lebens bestreitet.