Das neue Schalke ist das alte

Peter Müller
Schalke 04 hat Huub Stevens als Nachfolger des zurückgetretenen Trainers Ralf Rangnick verpflichtet. Der Niederländer soll das Werk seines Vorgängers fortführen, doch er hat eine ganze eigene Handschrift. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen. Es gibt 17 relativ normale Fußball-Bundesligisten – und es gibt Schalke 04. Erst der hochemotionale erste Auftritt des verlorenen Sohnes Manuel Neuer im Bayern-Trikot in der Arena, dann der überraschende Rücktritt des erschöpften Trainers Ralf Rangnick, nun die spektakuläre Rückkehr des früheren Erfolgstrainers Huub Stevens: Turbulenzen, die Freiburg oder Mainz in einem Jahr nicht erleben, schütteln Schalke innerhalb von zwei Wochen durch.

Langweilig wird es in diesem Klub jedenfalls nie. Das liegt auch daran, dass auf der Führungsebene oft Bauch und Herz gegenüber dem Kopf Mehrheitsentscheidungen herbeiführen. Clemens Tönnies, als Aufsichtsrats-Chef der starke Mann auf Schalke, favorisierte Huub Stevens, weil der schon einmal eine Ära bei den Königsblauen prägte. „Er passt zu Schalke“, urteilt Tönnies in fester Überzeugung.

Von Kontinuität zeugt die Verpflichtung von Huub Stevens nicht

Mag sein, dass eine kurze Eingewöhnungszeit von Vorteil sein kann. Von Kontinuität aber zeugt die Verpflichtung des 57-jährigen Niederländers keineswegs. Wer nach dem strategischen Erneuerer Ralf Rangnick zuerst bei Hans-Dieter Flick anfragt, dem stillen Tüftler und Assistenten des Bundestrainers Joachim Löw, und dann wegen einer schwer zu bändigenden Mannschaft doch den kantig-knorrigen Huub Stevens holt, der darf es sich schenken, weiterhin von einer neuen Vereinsphilosophie zu reden.