BVB gegen Schalke - das Wiedersehen zwischen Tuchel und Heidel

Da arbeiteten sie noch zusammen: TRainer Thomas Tuchel (l.) und Sportvorstand Christian Heidel in Mainz.
Da arbeiteten sie noch zusammen: TRainer Thomas Tuchel (l.) und Sportvorstand Christian Heidel in Mainz.
Foto: firo Sportphoto
Im Prestigeduell zwischen Dortmund und Schalke trifft BVB-Trainer Tuchel auf seinen Förderer Heidel. Für den S04-Sportvorstand ist es das erste Derby.

Dortmund/Gelsenkirchen. Thomas Tuchel ist ein Trainer, der jede Gelegenheit nutzt, dazuzulernen. Das gilt für Athletik, Technik, Taktik, Ernährung und sämtliche andere Aspekte der Fußballlehre – als Trainer von Borussia Dortmund aber ist auch das Fach „Derbykunde“ ein wichtiges. „Letztes Jahr habe ich gesagt: Es fühlt sich an wie ein Pokalhalbfinale“, sagt Tuchel vor dem spannungsgeladenen Aufeinandertreffen mit dem FC Schalke 04 am Samstag (18.30 Uhr/Sky). „Jetzt würde ich das noch steigern, weil ich jetzt auch weiß, wie sich ein Pokalfinale anfühlt.“ Wie ein Derby eben. Mit dichter Atmosphäre auf den Rängen und in der Kabine, besonderer Anspannung bei Spielern und Trainern, der Möglichkeit, mit einem einzigen Spiel den Fans eine riesengroße Freude zu bereiten. „Es gibt nur diese eine Chance und dann erst wieder ein Jahr später“, erklärt Tuchel. „Und so lange musst du dann mit dem Ergebnis leben. Es fühlt sich an wie ein K.o.-Spiel.“

Es ist eine Erfahrung, die er Christian Heidel voraus hat, dem neuen Schalker Sportvorstand. „Beim Lokalderby Mainz-Gonsenheim gegen Mainz-Finthen ging es auch immer hoch her“, sagt der, als er nach seiner Derby-Erfahrung gefragt wird, schiebt dann etwas ernster die Duelle mit Mainz 05 gegen Eintracht Frankfurt und den 1. FC Kaiserslautern hinterher – und ergänzt: „Das ist mit der Situation vor dem Derby Dortmund gegen Schalke nicht zu vergleichen. Ich habe das in der Art noch nicht erlebt. Das ist vielleicht sogar europaweit die Mutter aller Derbys.“

Die Beförderung des Jugend-Trainers

Um die 149. Ausgabe dieses Traditionsduells ranken sich gewohnt viele Geschichten – und eine, die es so noch nie gab: das Aufeinandertreffen zwischen dem Trainer Tuchel und seinem Förderer Heidel.

Im August 2009 installierte Heidel als Manager von Mainz 05 den völlig unbekannten Tuchel, damals A-Jugend-Trainer der Mainzer. „Er hat sich zwei Wochen Bedenkzeit erbeten“, erinnert sich Heidel. „Ich habe ihm gesagt, er soll eine Nacht drüber schlafen und sich dann entscheiden.“ Tuchel sagte zu.

„Ihn zum Chefcoach zu machen, war damals eine Verstands-Entscheidung“, sagt Heidel. Die viele überraschte: „Wie heißt der?“, war eine der vielen Fragen, die Heidel beantworten musste. „Unsere Entscheidung hatte damals etwas mit Mut zu tun“, sagt er nun. „Ich habe Thomas Tuchel kennengelernt, bevor er bei Mainz U19-Trainer werden sollte. Da habe ich nach dem Gespräch gedacht: So einen habe ich noch nie erlebt.“

Vor seiner Beförderung wollte der gebürtige Schwabe Tuchel sogar weg vom FSV und ein Angebot der TSG Hoffenheim annehmen. „Thomas hat das als letzte Stufe des Lernens betrachtet. Ich habe ihm gesagt: Du bist hier perfekt zum Lehren“, so Heidel. Irgendwann bedankte sich der Trainer beim Sportvorstand per E-Mail, dass der ihm den Wechsel ausgeredet hatte.

Ein Dank per Mail – es ist eines von vielen Zeichen, dass das Verhältnis eher professionell als herzlich war. Tuchels Abschied aus Mainz im Sommer 2014 verlief nicht ohne Spannungen. „Wir hatten zum Abschluss seiner Tätigkeit in Mainz Differenzen, die für mich schon lange abgehakt sind“, sagt Heidel im Rückblick.

Tuchel reagiert nicht eben emotional, wenn man ihn auf seinen früheren Chef anspricht. Besonders sei dieses Wiedersehen nur in der alten Heimat Mainz gewesen. „Das wird es dieses Jahr auch wieder werden, wenn wir gleich zu Beginn der Rückrunde nach Mainz fahren“, sagt Tuchel. „Christian und ich haben das Wiedersehen hinter uns, zweimal schon – das spielt gar keine Rolle mehr.“

Der Respekt vor den Fähigkeiten des Anderen aber ist nach wie vor groß: „Thomas ist ein sehr spezieller Typ“, sagt Heidel. „Es ist zweifelsohne so, dass er Mannschaften zum Meistertitel führen kann.“ In der laufenden Saison dürfte das schwierig werden, der Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München beträgt schon sechs Punkte.

Und Heidel wird am Samstag darauf aus sein, dass weitere hinzukommen.

 
 

EURE FAVORITEN