Boateng schmiedet eine Allianz der Schalker Anführer

Manfred Hendriock
Verbreitet gute Laune im Schalker Trainingslager: Kevin-Prince Boateng.
Verbreitet gute Laune im Schalker Trainingslager: Kevin-Prince Boateng.
Foto: imago
Kevin-Prince Boateng sieht sich beim FC Schalke 04 in einer zentralen Rolle. Der Mittelfeld-Star sehnt die Rückkehr der Spieler herbei, die mehr Verantwortung übernehmen, als nur nebenher zu laufen. Damit meint er vor allem Kyriakos Papadopoulos und Klaas-Jan Huntelaar.

Doha. Kevin-Prince Boateng muss selbst über sich lachen – er weiß, wie komisch sich das anhört, aber er kann es nun mal nicht ändern: Wenn in diesem Jahr im Hause Boateng Nachwuchs erwartet wird, dann wird das Baby in einem blau-weißen Zimmer aufwachen. Mit Schalke hat das aber nichts zu tun, betont er gleich. „Wir“, sagt er und meint sich und seine Verlobte Melissa, „wir finden die Farben einfach schön.“ Und schaden kann’s ja sicher nicht…

Es wurde an der Zeit, dass mal jemand die Stimmung im Schalker Trainingslager in Doha ein wenig auflockert. Tagelang war über die vielen Verletzten diskutiert worden, über die Trainer-Frage und wie Jens Keller das königsblaue Schiff wieder richtig auf Kurs bekommen kann. Natürlich sind das auch Dinge, die Boateng beschäftigen. Aber der Prince bringt, kraft seiner Ausstrahlung, einen Schuss mehr Überzeugung mit. Vielleicht auch, weil er als Typ eben lockerer drauf ist. Einem einheimischen Reporter, der ihn auf Englisch nach seinen Favoriten für die diesjährige Champions League fragt, sagt Boateng mal eben: „Der Traum ist, dass wir ins Finale gehen. Das ist der Traum.“ Jens Keller wäre für eine solche Aussage vermutlich wegen Größenwahn angeklagt worden. Bei Boateng ist es eben: der Prince.

Ein knappes halbes Jahr ist der 26-Jährige jetzt auf Schalke. Einiges hat sich erfüllt, was man mit seinem Zehn-Millionen-Transfer bezwecken wollte, anderes blieb hinter den Erwartungen zurück. Auch, weil es immer wieder diese Kniegeschichte gab, die ihn zurückgeworfen und behindert hat. Boateng selbst hängt sie bei weitem nicht so hoch wie die meisten Beobachter, die im Training mehr auf sein Knie achten als auf die taktischen Übungen, die Keller einstudieren lässt. Unterm Strich bleibt festzuhalten: Boateng hatte in der Hinrunde viel mehr Einsätze, als es die Anzahl der Berichte über sein Knie vermuten lässt. Allerdings ist auch klar: Im Vollbesitz seiner Kräfte war er viel zu selten. Allein kann er’s ganz sicher nicht richten, dass Schalke wieder in die Champions League kommt.

Papadopoulos ist für Boateng "ein verrückter Typ"

Deswegen sehnt auch der Mittelfeld-Star die Rückkehr der Spieler herbei, die mehr Verantwortung übernehmen, als nur nebenher zu laufen. Die Rückkehr eines Kyriakos Papadopoulos, der im Training hier schon wieder so viel Freude macht: „Papa ist sehr wichtig – ein verrückter Typ für die Mannschaft.“ Und, vor allem, die Rückkehr eines Klaas-Jan Huntelaar, mit dem es bei der Reha zu Hause wirklich gut vorwärts gehen soll: „Wir wissen alle, was wir an dem Hunter haben. Wenn er wieder dabei ist, werden wir noch torgefährlicher. Und außerdem ist er ein Typ Leader für die Mannschaft.“ Boateng, so scheint es, schmiedet eine Art Allianz der Anführer.

In der Hinrunde hatte sich gezeigt, dass die beiden deutschen Nationalspieler Benedikt Höwedes und Julian Draxler zu oft mit sich selbst zu tun hatten, als dass sie der Mannschaft in kritischen Phasen einen festen Halt geben konnten. Dabei hat Schalke, zumindest wenn alle dabei sind, eigentlich einen Spieler-Stamm, mit dem mehr drin sein muss als ein Hinterherlaufen beim Kampf um Platz vier. So sieht’s auch Boateng, wenn er das Team für die geplante Aufholjagd in der Rückrunde in die Pflicht nimmt und sagt: „Wir selbst sind unser größter Konkurrent. Wir müssen es schaffen, Konstanz reinzubringen.“

Boateng fühlt sich hinter der Schalker Spitze am wohlsten

Sich selbst sieht er dabei in zentraler Rolle: Als Anführer auf der Zehn. In der Hinrunde hatte Boateng zwischen dem defensiven Mittelfeld und dem Not-Stürmer alle Rollen übernommen („für mich nicht immer ganz einfach“), aber die größte Wirkung verspricht er, wenn er einen festen Platz gefunden hat: „Natürlich am liebsten hinter der Spitze, weil ich mich da am wohlsten fühle und der Mannschaft am besten helfen kann.“