Bei Goretzkas Wechsel zu Schalke stehen Zeichen auf Klage

Manfred Hendriock
Unzufrieden: Leon Goretzka würde gern zu Schalke wechseln, doch der VfL Bochum lässt ihn (noch?) nicht.
Unzufrieden: Leon Goretzka würde gern zu Schalke wechseln, doch der VfL Bochum lässt ihn (noch?) nicht.
Foto: dpa
Die Schalker Personalplanungen laufen auf vollen Touren - aber nicht ohne Tücken: Beim geplanten Wechsel von Bochums Jungstar Leon Goretzka nach Schalke muss notfalls das Arbeitsgericht entscheiden. Der Brasilianer Raffael verlässt Schalke in Richtung Mönchengladbach. Sascha Riether soll aus Fulham kommen.

Gelsenkirchen. Erst Abwehrmann Felipe Santana, dann Flügelflitzer Christian Clemens – so langsam füllt sich mit Namen, was Schalke in diesem Sommer auf dem Transfermarkt ausheckt. Manager Horst Heldt kann bisher mit der Umsetzung seiner Pläne einigermaßen zufrieden sein. „Es ist schon viel passiert“, resümiert er am Dienstagmittag, als er an seinem Schreibtisch in der Geschäftsstelle sitzt. Doch im gleichen Atemzug schränkt Heldt ein: „Das Entscheidende steht aber noch aus.“ Nicht nur ein rechter Außenverteidiger und ein Stürmer sollen noch kommen. Sondern, natürlich, vor allem auch der Bochumer Leon Goretzka, bei dessen Wechsel-Streitfall die Fronten aber so verhärtet sind, dass sich dazu derzeit niemand mehr äußern will. Auch nicht Goretzkas Berater Jörg Neubauer, der nur ausrichten lässt: „Momentan lass’ ich die Vereine mal in Ruhe machen…“

Am Dienstagnachmittag kehrte Goretzka beim VfL auf den Trainingsplatz zurück, und Übungsleiter Peter Neururer bemerkte keine Anzeichen für Ungewöhnliches. Doch intern hat der Spieler dem VfL längst seinen Wechsel-Wunsch mitgeteilt, von dem es auch kein Zurück gibt: Der 18-Jährige hat sich zum 1. Juli bereits für fünf Jahre an Schalke gebunden. Zwischen den Vereinen freilich herrscht Stillstand, die Argumente über die Ausstiegsklausel bei 2,8 Millionen Euro sind ausgetauscht – ohne Ergebnis. Und deswegen läuft es nach Informationen dieser Zeitung sogar darauf hinaus, dass Goretzka gegen seinen Heimatverein eine Klage einreicht, um vor dem Arbeitsgericht seine Freigabe für den Wechsel nach Schalke zu erzwingen. Wenn sich die Klubs nicht doch noch einigen sollten.

Während sich der Fall Goretzka also noch in die Länge ziehen kann, will Schalke die anderen Personalien schnellstmöglich abarbeiten. Für den Sturm hat Heldt einen Wunschkandidaten an der Angel, wartet jedoch noch auf die Zustimmung des abgebenden Vereins, der bis dahin um Stillschweigen gebeten hat. Und Top-Kandidat für die Planstelle des rechten Außenverteidigers ist der zweimalige A-Nationalspieler Sascha Riether, der in der vergangenen Saison vom 1. FC Köln an den englischen Premier-League-Klub FC Fulham ausgeliehen war.

Riether soll eine Alternative zu Uchida sein

Weil der 30-Jährige bei dem Londoner Klub zum Leistungsträger avancierte und von den Fans sogar zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde, zog Fulham für 1,4 Millionen Euro die Kaufoption und stattete Riether mit einem Zwei-Jahres-Vertrag aus. Dennoch scheint ein Wechsel möglich, wobei die Engländer bisher eine Summe aufrufen, bei der Heldt erst einmal droht: „Wenn die Forderung zu hoch ist, kommt das nicht zustande.“

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Riether, an dem Schalke vor zwei Jahren schon einmal interessiert war, soll auf der rechten Abwehrseite eine Alternative zu dem in seinen Leistungen zu schwankenden Atsuto Uchida werden. Gleichzeitig lobt Heldt zudem die Einstellung des Ex-Kölners und erklärt: „Wir wollen in Zukunft bei unseren Neuzugängen verstärkt auf die Mentalität achten, um nicht wieder so etwas zu erleben wie bei Ibi Afellay.“ Der hatte sich in der vergangenen Saison, nachdem er sich verletzt hatte, einfach nicht mehr auf Schalke blicken lassen.

Raffael zieht es nach Gladbach

Als Ersatz verpflichtet wurde damals Raffael, von dem sich Schalke nun aber wieder trennen wird: Nach reiflicher Überlegung hat Heldt entschieden, weder die Kaufoption für Raffael zu ziehen, noch das Leihgeschäft mit Dynamo Kiew zu verlängern. „Wir wollen“, begründet der Manager, „unserem Max Meyer in der neuen Saison mehr Spielzeiten geben“ – und das große Talent ist auf der gleichen Position zu Hause wie Raffael.

Der 28-Jährige hat aber schon einen neuen Verein gefunden: Lucien Favre will Raffael zu Borussia Mönchengladbach holen – die Ablösesumme an Dynamo Kiew soll bei fünf Millionen Euro liegen.

28 Spieler stehen auf Schalke für die Saison 2013/2014 unter Vertrag 

Tor: Lars Unnerstall (Vertrag bis 2015), Ralf Fährmann (2015), Timo Hildebrand (2014)

Abwehr: Benedikt Höwedes (2017), Felipe Santana (2016), Joel Matip (2016), Kyriakos Papadopoulos (2016), Christian Fuchs (2015), Sead Kolasinac (2015), Atsuto Uchida (2015), Kaan Ayhan (2015). Dazu kommen die Rückkehrer Sergio Escudero (2014) und Tim Hoogland (2014).

Mittelfeld: Christian Clemens (2017), Julian Draxler (2018), Max Meyer (2017), Jefferson Farfan (2016), Marco Höger (2016), Roman Neustädter (2016), Tranquillo Barnetta (2015), Chinedu Obasi (2015), Jermaine Jones (2014), Michel Bastos (2014). Dazu kommen die Rückkehrer Anthony Annan (2014) und Jose Manuel Jurado (2014).

Sturm: Klaas-Jan Huntelaar (2015), Teemu Pukki (2014). Dazu kommt Rückkehrer Philipp Hofmann (2014).

Trainer: Jens Keller (2015)

Die Schalker Zu- und Abgänge 

Zugänge: Felipe Santana (Borussia Dortmund, 1 Mio Euro), Christian Clemens (1. FC Köln, 2,8 Mio Euro)

Aus der eigenen Jugend stößt hinzu: Kaan Ayhan (Vertrag bis 2015)

Diese ausgeliehenen Spieler kehren zurück: Jose Manuel Jurado (Spartak Moskau), Anthony Annan (CA Osasuna), Tim Hoogland (VfB Stuttgart), Sergio Escudero (FC Getafe), Philipp Hofmann (SC Paderborn)

Abgänge: Raffael (war von Dynamo Kiew ausgeliehen), Ibrahim Afellay (war vom FC Barcelona ausgeliehen), Christoph Moritz (FSV Mainz 05, ablösefrei), Ciprian Marica (Ziel unbekannt), Christoph Metzelder (beendet seine Karriere)

Wer kommen könnte: Leon Goretzka (VfL Bochum, 4 Mio Euro), Rafinha (FC Bayern), Sascha Riether (FC Fulham)

Wer gehen könnte: Kyriakos Papadopoulos (FC Liverpool), Jose Manuel Jurado (Spartak Moskau)

Die Saisonvorbereitung des FC Schalke 04 

Alle Termine der Saisonvorbereitung im Überblick:

  • Donnerstag, 27. Juni 2013: Trainingsauftakt (Uhrzeit noch offen)
  • Freitag, 28. Juni 2013: ERGO Nationalelf – FC Schalke 04 (19 Uhr, Volksbank-Arena, Kleve)
  • Samstag, 29. Juni 2013 – Freitag, 5. Juli 2013: Trainingslager in Donaueschingen
  • Donnerstag, 4. Juli 2013: FC 08 Villingen – FC Schalke 04 (18.30 Uhr, ebm-papst-Stadion)
  • Donnerstag, 11. Juli 2013: Red Bull Salzburg – FC Schalke 04 (19.30 Uhr, Red Bull Arena, Salzburg)
  • Mittwoch, 17. Juli 2013: TuS Koblenz – FC Schalke 04 (19 Uhr, Stadion Oberwerth, Koblenz)
  • Freitag, 19. Juli 2013 – Freitag, 26. Juli 2013: Trainingslager in Klagenfurt
  • Samstag, 27. Juli 2013: Saisoneröffnung rund um die VELTINS-Arena
  • Samstag, 27. Juli 2013: FC Schalke 04 – Al-Sadd (tbd, VELTINS-Arena)