3:2 - Schalke besiegt Stuttgart dank Hunter-Doppelpack knapp

Manfred Hendriock
Schoss das 1:0 für den FC Schalke: Klaas-Jan Huntelaar.
Schoss das 1:0 für den FC Schalke: Klaas-Jan Huntelaar.
Foto: dpa
Der FC Schalke 04 hat eine Verschärfung der Krise knapp verhindert: Der eingewechselte Kevin-Prince Boateng besorgte S04 den Sieg gegen Stuttgart.

Gelsenkirchen. Mit einem nicht mehr für möglich gehaltenen Schlussspurt riss Schalke gegen den VfB Stuttgart ein fast schon verloren geglaubtes Spiel doch noch aus dem Feuer und landete beim 3:2-Sieg endlich den so dringend benötigten Befreiungsschlag. Der Siegtreffer fiel in der 89. Minute durch ein Eigentor von Florian Klein, der einen Schuss des eingewechselten Kevin-Prince Boateng abfälschte. Schalke hatte zwischendurch mit 1:2 zurückgelegen. Es war ein Nervenspiel, in dem Klaas-Jan Huntelaar mit zwei Toren Schalke die Hoffnung gab. Aber auch die eingewechselten Boateng und Draxler rissen das Ruder herum.

Nach neun Minuten schien der Knoten endlich zerschlagen: Klaas-Jan Huntelaar brachte Schalke mit 1:0 in Führung und beendete damit nach exakt 1197 Minuten seine persönliche Torflaute. Der Ball war dem “Hunter” im Strafraum quasi vor die Füße gefallen: Nach einem eigentlich verunglückten und abgefälschten Zuspiel von Leroy Sane säbelte Stuttgarts Innenverteidiger Georg Niedermeier über den Ball - Huntelaar stand plötzlich frei vor Torwart Sven Ulreich und vollstreckte zur Schalker Führung. Der Torjäger hätte danach am liebsten die ganze Welt umarmt: er lief von Mitspieler zu Mitspieler - so groß war die Erleichterung. Und auch Schalke schien von Zentnerlasten erlöst.

Schalke fängt sich unnötigen Ausgleich

Schalke hatte schwungvoll und engagiert begonnen und wollte nachlegen: Die beste Chance zum zweiten Treffer hatte Leroy Sane, der in der 15. Minute an Ulreich scheiterte. Der junge Stürmer war von der Mittellinie steil geschickt worden und spielte dabei seine enorme Schnelligkeit aus - im Gegensatz zu seinem Treffer zuletzt in Wolfsburg hatte er diesmal aber im Abschluss kein Glück. Doch nach dieser Szene verpasste es Schalke, den Schwung der Führung weiter mitzunehmen und fing sich in der 22. Minute völlig unnötig den 1:1-Ausgleich ein.

Torschütze war der von Schalke umworbene Martin Harnik, der ein direktes Zuspiel von Daniel Ginczek mit einem gekonnten Heber über Ralf Fährmann abschloss. Doch Schalke hatte sich in dieser Szene in der Rückwärtsbewegung viel zu leicht überrumpeln lassen (Aogo!). Auch in der Folgezeit ein Manko, dass das Umschaltspiel nach hinten nicht funktionierte. Aogo hatte als Linksverteidiger den Vorzug vor Kolasinac erhalten, zudem rückte Goretzka in die Start-Elf. Meyer und Boateng blieben zunächst wieder draußen und wurden später eingewechselt.

In Minute 51 passierte dem FC Schalke, was nicht passieren durfte

Nach dem Ausgleich waren die guten Ansätze, mit denen Schalke in die Partie gestartet war, wieder wie weggeblasen. Stuttgart hätte durch Kostic sogar schon vior der Pause in Führung gehen können, doch Höwedes rettete auf der Linie (24.). Schalke hatte zwar bis zur Halbzeit noch Chancen durch Huntelaar (25.) und Farfan (28.), aber es zeichnete sich schon da ab, dass es ein Nervenspiel werden sollte. Die Souveränität war dahin.

Und in der 51. Minute passierte tatsächlich das, was nicht passieren durfte: Schalke fing sich den 1:2-Rückstand ein. Wieder waren die Blauen nach einem Ballverlust in der Offensive (Choupo-Moting) in der Rückwärtsbewegung vogelwild - Filip Kostic nutzte die Konfusion zum 1:2. Es war eine Unordnung auf dem Platz, wie man sie bisweilen in der Endphase unter Jens Keller in den Schalker Reihen gesehen hatte. Und das unter Roberto Di Matteo, der eigentlich die Defensive stabilisieren wollte.

Schalke-Fans wurden gegen Stuttgart immer ungeduldiger

Nach dem Rückstand brachte Di Matteo mit Julian Draxler, Kevin-Prince Boateng und schließlich auch Max Meyer neue Offensivkräfte für den noch angeschlagenen Farfan, den abermals enttäuschenden Choupo-Moting und den entkräfteten Goretzka.

Das Publikum, das bis dahin viel Geduld bewiesen hatte, wurde unruhig - verständlich. Nach 70 Minuten kamen erste Huub-Stevens-Rufe und der Eurofighter-Hit “Wir schlugen Roda” - eine schallende Ohrfeige für das aktuelle Schalke. Zeitweise wandten die Fans in der Nordkurve dem Spiel sogar den Rücken zu.

Stuttgarter Klein fälscht Boatengs Schuss zum Sieg für Schalke 04 ab

Es war eine knappe halbe Stunde des Grauens, ehe die Blauen in der 78. Minute doch noch einmal aufwachten: Klaas-Jan Huntelaar drückte den Ball nach einer scharfen Hereingabe des sehr engagierten Boateng zum 2:2-Ausgleich über die Linie. Kurz darauf sah Huntelaar, der wenigstens richtig kämpfte, seine 5. Gelbe Karte - er fehlt nun beim nächsten Spiel in Köln.

Und in der 89. Minute riss Schalke das schon verloren geglaubte Spiel tatsächlich noch aus dem Feuer: Nach einer scharfen Flanke von Aogo kam Boateng an den Ball - und dessen Schuss fälschte Klein per Eigentor zum 3:2-Siegtor für Schalke ab. Aufatmen - endlich wieder ein Sieg.

  • Die Startaufstellungen:

Schalke: Fährmann - Höwedes, Matip, Nastasic, Aogo - Neustädter, Goretzka - Farfan, Sané, Choupo-Moting - Huntelaar

Stuttgart: Ulreich - Klein, Baumgartl, Niedermeier, Schwaab - Dié, Gentner - Harnik, Maxim, Kostic - Ginczek

  • Der Live-Ticker zum Nachlesen:
FC Schalke - VfB Stuttgart 3:2 (1:1)