RWO-Torschützenkönig Lothar Kobluhn feiert 75. Geburtstag

Lothar Kobluhn (3. v. l.) freut sich am 3. März 1974 über sein 1:0 gegen SG Wattenscheid
Lothar Kobluhn (3. v. l.) freut sich am 3. März 1974 über sein 1:0 gegen SG Wattenscheid

Oberhausen.. 5. Juni 1971, letzter Spieltag der Fußball-Bundesliga. Rot-Weiß Oberhausen muss bei Eintracht Braunschweig antreten und liegt vor 11 000 Zuschauern zur Pause mit 0:1 zurück. Der Abstieg droht. Doch dann steigt Lothar Kobluhn in der 61. Minute in die Luft und markiert per Kopfball den sportlich überlebenswichtigen Ausgleich. Da die Konkurrenz an diesem Nachmittag mitspielt, schaffen die Kleeblätter den kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Mit einem einzigen Tor Vorsprung vor den Kickers aus Offenbach. Eben durch jenes von „Lo“, der heute seinen 75. Geburtstag feiert.

Es war sein 24. Treffer in dieser Saison. „Und gleichzeitig mein wichtigster“, merkt der gebürtige Oberhausener direkt an. Keiner hatte 70/71 mehr Buden gemacht. Nicht einmal Gerd Müller, der praktisch zu dieser Zeit ein Abonnement auf die Torjägerkanone zu haben schien. „Der hat mich danach keines Blickes mehr gewürdigt“, erinnert sich Kobluhn. Seine Tore erzielte er dabei nicht als Stürmer, sondern aus dem defensiven Mittelfeld heraus.

Über 300 Partien für RWO

Die Liebe zum Fußball war für den Blondschopf dabei praktisch von der Wiege an mitgegeben. Durch seinen Vater und seinen Bruder Friedhelm, Kapitän der Aufstiegstruppe, kam er an die Landwehr zu RWO. Doch zunächst schien der Weg als Fußballer nicht weiter unterm Kleeblatt zu verlaufen. „Präsident Peter Maaßen wollte mir keinen Vertrag geben. Er meinte, es reicht nicht für oben“, berichtet Kobluhn. Erst über den Umweg BV Osterfeld und seine dortigen Leistungen spielte er sich ins Rampenlicht, was RWO dazu bewog, ihn zurückzuholen. Kurz darauf erhielt er einen Vierjahresvertrag.

Diese vier Jahre sollten aber erst der Anfang sein. Bis 1974 absolvierte er über 300 Partien für die Kleeblätter. Eine Sternstunde dabei war vor allem der Bundesliga-Aufstieg 1969 durch ein 0:0 gegen den Freiburger FC vor 35 000 Zuschauern im Stadion Niederrhein. „Der Ball konnte zum Teil gar nicht richtig ins Aus rollen, weil hinter den Toren extra Stuhlreihen platziert wurden.“ Die Erleichterung, vor der großen Kulisse den Aufstieg perfekt gemacht zu haben, war bei allen Akteuren gewaltig. „90 Minuten können verdammt lang sein. Keiner wollte einen Fehler machen und uns so um den Lohn der ganzen harten Arbeit bringen.“

RWO klettert bis an die Tabellenspitze

In der Bundesliga ging der Höhenflug der Kleeblätter zunächst weiter. Nach einem 4:0-Sieg in Braunschweig kletterte die RWO-Elf am vierten Spieltag sogar sensationell an die Tabellenspitze. Kobluhns große Stunde als Goalgetter schlug dann in der zweiten Bundesliga-Saison, in der er einen ungeahnten Torriecher entwickelte. Vor allem per Kopf war der 1,87 Meter große ‘Oberhausener Jung’ erfolgreich. Doch die fällige Torjägerkanone vom „Kicker“ erhielt Kobluhn nicht. Der Grund lag im aufkommenden Bundesligaskandal und einer möglichen Verstrickung von RWO. Zwar wurden die Bestechungsvorwürfe gegen den Verein nie eindeutig geklärt, der Betrugsverdacht lag aber über allen Spielern. „Das ging von Schieber-Rufen bis hin zu Drohanrufen gegen meine Familie. Für uns Spieler war das ganze über vier Jahre ein einziges Auf und Ab: Mal waren wir raus aus der Bundesliga und dann wieder gerettet“, so Kobluhn.

Bis 2007 passierte in Sachen Torjägerkanone nichts. Erst ein Fischhändler und gleichzeitiger Rot-Weiss-Essen-Fan brachte endlich Bewegung in die Angelegenheit. „Auf dem Wochenmarkt in Sterkrade hat er mich darauf angesprochen. Er fand das Ganze genauso ungerecht wie ich und hat dann den Kicker angeschrieben.“ Kurz darauf meldete sich Kicker-Chef Rainer Holzschuh bei ihm und gab grünes Licht für die verspätete Ehrung. Heute steht die Kanone, die er auf den Tag genau vor zehn Jahren feierlich überreicht bekam, in der Vitrine im Wohnzimmer.

Wechsel nach Wattenscheid

Trotz zahlreicher Angebote hielt Kobluhn, der seit 53 Jahren mit seiner Frau Doris verheiratet ist, als Spieler Oberhausen jahrelang die Treue. „Ich hätte auch ins Ausland wechseln können, doch sobald ich schon den Kirchturm von der Sankt Joseph Kirche nicht mehr sah, befiel mich das Heimweh.“ 1974 wechselte er dennoch für zwei Jahre nach Wattenscheid 09. Karl-Heinz Feldkamp hatte ihn am Ende dazu überredet. Es sollten seine letzten beiden Jahre als Profi sein.

INFO: Nie für die Nationalmannschaft aufgelaufen

Für die deutsche Nationalmannschaft kam Lothar Kobluhn trotz seiner Erfolge nie zum Einsatz. Bundestrainer Helmut Schön hatte Oberhausen wohl nicht so wirklich auf dem Radar. Nach seiner Profi-Zeit versuchte er es als Trainer bei der zweiten Amateurmannschaft von Wattenscheid. Langfristig wurde daraus aber nichts. „Das war nicht so mein Ding“, so der 75-Jährige.

 
 

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