RWO-Präsident Hajo Sommers: „Dann brülle ich: Vorstand raus“

Hajo Sommers.
Hajo Sommers.
Foto: Tillmann

Oberhausen.. Er gehört zu Rot-Weiß Oberhausen wie für den Besucher die Bratwurst zum Stadionbesuch: Hajo Sommers ist eine Institution beim Fußball-Regionalligisten, der Theaterleiter, Schauspieler und Kettenraucher leitet seit zwölf Jahren als Präsident die Geschicke des Traditionsvereins. Nun geht der 59-Jährige, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, in seine letzte Saison bei RWO – dabei ist längst nicht alles gesagt.

Herr Sommers, vor drei Jahren haben Sie angekündigt, den Verein 2019 als Präsident zu verlassen. Ist der Abschied noch endgültig?

Hajo Sommers: Der Abschied ist eigentlich definitiv.

Eigentlich?

Hajo Sommers: Sagen wir mal so: Er ist definitiv. Wenn jetzt aber jemand kommt und sagt, er will mit mir spielen und pumpt Geld rein, damit unser Problem verschwindet und wir vielleicht über drei Jahre nochmal was probieren können, dann könnte sich das ändern. Ich mache seit zwölf Jahren Fußball, ich bin käuflich für den Laden hier.

Wie schwer wird Ihnen der mögliche Abschied fallen?

Hajo Sommers: Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Das lachende Auge sagt mir, dass ich Zeit habe für andere Dinge. Denn: So ein Viertligist frisst dich auf, zeitlich macht der dich fertig. Ich würde einfach gern ein paar andere Dinge machen. Es wird aber kein Abschied vom Verein, sondern nur ein Abschied als Präsident, die Verantwortung ist weg. Und dann setze ich mich mit meiner normalen Eintrittskarte auf die Tribüne und mache genau das, was andere jetzt mit uns machen.

Inwiefern?

Hajo Sommers: (lacht) Ich schreie dann herunter: ,Was ist das für eine Scheiße, wer hat die denn eingekauft? Die können ja überhaupt nichts, das habe ich vorher schon gesagt. Das kannst du vergessen. Das fängt ja alles wieder an wie vergangenes Mal.’ Und zwischendurch stehen wir nochmal auf und brüllen: ,Vorstand raus, Vorstand raus!’. Das wird eine echt schöne Saison.

Sie sagen, RWO hat Sie zeitlich aufgefressen. Auch nervlich?

Hajo Sommers: Mich persönlich hat es nervlich nie fertiggemacht, dass wir nach dem Durchmarsch in die Zweite Liga wieder in der Regionalliga gelandet sind. Denn wir spielen immer noch Fußball – nur eben in der falschen Liga. Nur: Du hast keine Mitarbeiter mehr. Wir müssen 2,4 Millionen Euro im Jahr erwirtschaften, um überhaupt überleben zu können. Da rennst du ständig, um irgendwelche Löcher zu stopfen. Du kommst überhaupt nicht mehr dazu, in irgendetwas zu investieren oder zu bauen. Du kannst nicht mehr kreativ sein. Und dann verlierst du den Spaß daran. Ich bin dann einfach auch zu alt dafür und habe auch nicht die Kohle, um selbst Löcher zu stopfen.

Bei Ihrer Abschiedsverkündung haben Sie gesagt, dass Sie den Verein sauber übergeben wollen. Werden Sie dieses Ziel erreichen?

Hajo Sommers: Sauber ist immer relativ. Ein Erstligist wie Bayern München ist sauber bei 240 Millionen Euro Schulden, ein spanischer Meister ist bei 3,4 Milliarden Schulden immer noch sauber. Ein Viertligist kann mit 200 000 Euro Schulden pleite sein, kann aber auch mit zwei Millionen Euro Schulden noch überleben. Was heißt sauber? Wir haben nur gesagt, wir wollen es soweit hinbekommen, ohne es sportlich weiter einzuschränken, dass wir nicht zu viele Altlasten hinterlassen. Angefangen haben wir vor zwölf Jahren mit mehr als vier Millionen Euro minus.

Und wie groß ist das finanzielle Loch aktuell?

Hajo Sommers: Im Augenblick liegen wir so bei 1,2 Millionen Euro.

Sprechen wir über Emotionen. Wie würden Sie die Bedeutung von RWO für Ihr Leben beschreiben?

Hajo Sommers: Für mich bedeutet das einfach ein Stück Oberhausen. Für mich bedeutet einmal die Stadt Oberhausen Heimat, aber auch der lokale Verein. Und dann ist es egal, in welcher Liga der spielt. RWO ist für mich Heimat. Wenn ich Herner wäre, dann wüsste ich, wo ich hingehen würde. Und das mit Recht.

Ist Rot-Weiß Oberhausen auch so etwas wie eine Familie für Sie?

Hajo Sommers: Ich würde es als Familie beschreiben, ohne dass ich jeden meiner Onkel und Tanten gut leiden könnte. Hier die Familie kann man sich wenigstens noch aussuchen. Dass ich aber alle toll finde, das würde ich verneinen. Aber die sind in Ordnung, man kann damit auskommen.

Was trauen Sie der Mannschaft in Ihrer letzten Saison bei RWO zu? Im DFB-Pokal geht’s in der ersten Runde gegen Zweitligist Sandhausen.

Hajo Sommers: Ich rechne mir schon Chancen aus, im Pokal sowieso. Und die vierte Liga ändert sich ja dieses Jahr. Dieses Mal darf ja mal einer aufsteigen ohne Relegation. Und wir werden sicherlich versuchen, Erster zu werden. Allerdings ohne die ganz teuren Spieler. Das geht eher nicht.

Und was planen Sie wirklich für sich in der Zeit nach RWO?

Hajo Sommers: Eigentlich habe ich keine Ahnung. Es wird irgendetwas mit Theater zu tun haben. Oder vielleicht ein Punk-Schuppen. Ich finde, in Oberhausen fehlt ein anständiger Punk-Schuppen. Am liebsten noch so richtig schön verraucht, aber dafür bin ich im falschen Bundesland.

 
 

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