RWE begibt sich zurück in die Eigenständigkeit

Rolf Hantel
Jubilarehrung, v.l. Vorsitzender Dr. Michael Welling, Ernst Nitz (50 Jahre), Heinz Rohde (50 Jahre), Willy Göken (50 J.) und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Hülsmann. Foto: Michael Gohl/WAZ FotoPool
Jubilarehrung, v.l. Vorsitzender Dr. Michael Welling, Ernst Nitz (50 Jahre), Heinz Rohde (50 Jahre), Willy Göken (50 J.) und Aufsichtsratsvorsitzender Christian Hülsmann. Foto: Michael Gohl/WAZ FotoPool
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Essen. „Hundert Jahre und noch mehr...“ Die 369 Mitglieder von „Rot-Weiss Essen“ wurden schon vor dem Beginn der gestrigen Hauptversammlung im Cinemaxx positiv eingestimmt. Und sie wussten ja bereits, dass alles noch mal gut gegangen ist. Entsprechend gelassen konnten sie der dreieinhalbstündigen Sitzung entgegensehen.

RWE lebt, oder besser formuliert, der Traditionsklub hat die existenzielle Krise mit Insolvenzantrag und Zwangsabstieg in die 5. Liga überlebt. Und ausgerechnet an diesem Sonntag, dem 26. Juni, wurden die Essener vom Insolvenzverwalter wieder in die Eigenständigkeit entlassen. Ein Feiertag, zweifelsohne. Bei dem natürlich bei weitem nicht so euphorisch gejubelt wurde wie exakt vor 56 Jahren, als die Essener am 26. Juni zum ersten und einzigen Mal Deutscher Meister wurden. Übrigens wurde August Gottschalk, der Kapitän und heutige Ehrenspielführer, für 65-jährige Vereinstreue geehrt.

Reibungsloser Ablauf des Planverfahrens

Insolvenzverwalter Frank Kebekus ließ sich – wie schon vor einem Jahr – von seinem Kollegen Marcus Wehler vertreten. Er skizzierte den nahezu reibungslosen Ablauf des Planverfahrens, das am 30. Juni formell beendet ist. Die Quote für die Gläubiger wird sechs Prozent betragen: Für 100 investierte Euro gibt es sechs zurück. Sollte noch eine Forderung (Hochtief) abgelehnt werden, könnte sich die Quote auf bis zu 13 Prozent erhöhen.

Ab dem 1. Juli ist RWE wieder allein handlungs- und entscheidungsfähig. „Aber sie sollten realistisch bleiben und keine übertriebenen Erwartungen haben“, mahnte Wehler. Eine schlechte Saison könne schnell existenzgefährdend werden, weil Fußballvereine extrem krisenanfällig seien. „Diese Mahnung wird unsere Zielvorgabe sein“, nahm der geschäftsführende Vorsitzende Michael Welling den Ball auf und meinte, das Rang neun in der Regionalliga ein „schönes Ziel“ sei. De jure wurde Welling als „Liquidator“ geführt, weil bei einer Insolvenz eine Auflösung zugrunde gelegt wird. Daher mussten die Mitglieder auch für die Fortsetzung des Vereins stimmen.

Sportliche Bilanz positiv

Die sportliche Bilanz fiel natürlich positiv aus, auch wenn nicht alles funktionierte. Die A-Jugend ist nicht in die Bundesliga aufgestiegen, die U23 in die Landesliga abgestiegen. Aber das sei auch „insolvenzbedingt“, wie Welling betonte. Und weil alles ziemlich gut gelaufen ist, wurden auch die Funktionäre entlastet – die vor und beim Insolvenzantrag (Meutsch, Hermes, Grewer, Pietsch sowie der damalige Aufsichtsrat) und die aktuell Verantwortlichen.

Die Zahlen fügten sich nahtlos in die allgemeine Harmonie. 137 000 Euro hat RWE in der erfolgreichen NRW-Liga-Saison erwirtschaftet. Man habe kräftig gespart und das Budget eingedampft. Der Gesamtetat wird in der kommenden Saison von 2,6 auf 3,28 Mio € steigen. 741 000 € entfallen auf die Regionalliga-Spieler, 200 000 € auf das Funktionsteam. Macht 23 Prozent des Gesamtbudgets. Oder 1,4 Mio. weniger als in der Regionalliga-Saison 09/10.