Rot-Weiss gegen Alemannia – der verblasste Klassiker

Szene aus dem Spiel von RWE gegen Erndtebrück, das die Rot-Weissen mit 0:1 verloren haben. Rechts Marcel Platzek von RWE.
Szene aus dem Spiel von RWE gegen Erndtebrück, das die Rot-Weissen mit 0:1 verloren haben. Rechts Marcel Platzek von RWE.
Foto: Funke
Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen: Es ist ein gutes Jahr her, da ging es um den Aufstieg. Heute ist Aachen Mittelmaß. Essen droht der Abstieg.

Essen. Sechs Spiele sind es noch für Rot-Weiss Essen in dieser Saison. Und wie es ausschaut, muss der Viertligist von der Hafenstraße wohl bis zum Ende um den Klassenerhalt zittern. Der Druck will einfach nicht sinken, es werden sechs Endspiele. Durch die 0:1-Niederlage unter der Woche gegen den vermeintlich sicheren Absteiger Erndtebrück hat sich die Situation für RWE am Tabellenende weiter zugespitzt. Wieder einmal drei Big Points liegen gelassen, obwohl sie griffbereit da lagen. Gut für die Nerven ist das nicht. Zum Glück, muss man sagen, hat wenigstens Konkurrent Velbert sein Nachholspiel gegen Borussia Dortmund II ebenfalls verloren, sodass sich zumindest an dem Verhältnis dieser beiden Rivalen im Tabellenkeller nichts geändert hat.

Im Vergleich zu Essen befindet sich Alemannia Aachen zumindest vordergründig in einer recht entspannten Lage. Die Aachener haben zehn Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, was doch reichen sollte. Deshalb könnten sie am Sonntag im Stadion Essen (14.45 Uhr, live bei Sport 1) die Aufgabe ohne großartigen Stress angehen. Doch bei den Gästen hängt der Haussegen schief. „Die Mannschaft ist deutlich hinter den eigenen Erwartungen geblieben, es gibt eine deutliche Diskrepanz zwischen den Leistungen im Training und im Wettkampf”, schreibt die Aachener Zeitung. Schon mal gehört? Genau, so in etwa stellt sich auch die Krise in Essen dar. Unzufriedenheit, wohin man schaut.

Alemannia Aachen hat Trainer Christian Benbennek vor die Tür gesetzt und sich vor kurzem auch vom Sportlichen Leiter Alexander Klitzpera getrennt, der den Fans bei der Vorstellung noch als „großer Glücksfall” verkauft worden war. Es gab Vertragsauslösungen in der Winterpause, auch Spieler wurden suspendiert. Alles Indizien dafür, dass es nicht läuft. Was beim kläglichen 2:2 der Aachener gegen Schlusslicht Wegberg-Beeck dann jedem deutlich vor Augen geführt wurde.

Der Kader wurde kernsaniert

Nicht nur, weil RWE ebenfalls nur ein 1:1 auf dem platten Wegberger Land zustande gebracht hat, sind die Parallelen zu Rot-Weiss unübersehbar, wobei die Essener nach einer miserablen Rückrunde in der Vorsaison schon damals ihren Notfallkoffer geöffnet hatten. Sportvorstand Uwe Harttgen weg, Trainer Marc Fascher weg und sein Nachfolger Jan Siewert ist auch schon wieder weg. Zudem wurde der Kader kernsaniert, zum Winter noch einmal aufgefrischt.

Vor 15 Monaten standen beide Teams noch Schulter an Schulter an der Tabellenspitze. Zwei Titelkandidaten. Und heute? Nichts konnte konserviert werden. Die einen dümpeln im Mittelmaß, die anderen strampeln im Abstiegskampf. Wieder eine verschenkte Saison für diese beiden Traditionsklubs, die doch so sehnlichst dem tristen Viertliga-Alltag entfliehen wollen.

Die Rot-Weissen – die Sperren von Tolga Cokkosan (5. gelbe Karte) und Richard Weber (Rot) sind abgelaufen – müssen jedoch zusehen, dass sie die Liga nicht in die andere Richtung verlassen müssen. „Es ist schwierig, klar zu bleiben”, sagt Trainer Sven Demandt, der mit aller Ruhe und Routine nach dem jüngsten Reinfall seinen Jungs wieder neuen Mut einreden muss. „Dieses Spiel in Erndtebrück müssen wir jetzt abhaken und uns voll auf die anstehenden Aufgaben fokussieren.” Selbstvertrauen ist notwendig, Nervenstärke und Abgezocktheit. Auch das ist eine Form von Qualität.

Vieles nach Erndtebrück und manches vor Aachen klingt nach Durchhalteparole, und genau das ist es auch. Aber was soll Trainer Demandt auch anderes sagen? Am Sonntag geht’s gegen Aachen. Zum Druckausgleich müssen Tore, müssen Punkte her – egal wie. Es sind nur noch sechs Spiele.

 
 

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