Essen

Überraschungs-Sieg gegen BVB! Impuls für Rot-Weiss Essen zum richtigen Zeitpunkt

Bestens gelaunt: (v. l.) RWE-Kapitän Benjamin Baier, Kamil Bednarski und Marcel Platzek.
Bestens gelaunt: (v. l.) RWE-Kapitän Benjamin Baier, Kamil Bednarski und Marcel Platzek.
Foto: Revierfoto
  • Die Rot-Weissen hatten zuletzt mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen
  • Der Überraschungssieg gegen Borussia Dortmund sorgt für gute Stimmung

Essen. Oh ja, es war ein außergewöhnlicher Fußballabend an der Hafenstraße, darin waren sich die Fans einig. Und schön war’s, zumindest für diejenigen, die mit den Rot-Weissen sympathisieren. Und das war an diesem Tag – was ebenfalls selten vorkommt an diesem Ort – nicht unbedingt die Mehrheit der 13 500 Zuschauer.

Spaß hoch drei hatten aber nur die Hausherrn aus der 4. Liga, die den Champions-League-Klub völlig überraschend mit 3:2 (2:1) besiegten. Wohin man nach dem Schlusspfiff schaute, die Essener strahlten. Trainer Sven Demandt und Sportdirektor Jürgen Lucas scherzten ausgelassen miteinander auf dem Weg in die Kabine, während die Mannschaft sich bei einer Ehrenrunde feiern ließ. Was sie sich auch mit einer engagierten, couragierten und kompromisslosen Vorstellung verdient hatte.

Heißhunger auf die Saison

Die hoch bezahlten Promis von der Strobelallee spielen normalerweise in einer anderen Galaxy, und der Besuch auf der „Erde“ war auch kein Vergnügen für sie, sondern sie spulten dort mehr schlecht als recht eine Pflichteinheit ab.

Für die Rot-Weissen aber es jedoch möglicherweise ein Impuls zum rechten Zeitpunkt. Irgendwie hatte man vor dieser Partie das Gefühl, dass es zwar Appetit gibt auf die neue Saison, aber keinen Heißhunger. Auch wenn über 4000 verkaufte Dauerkarten einen etwas anderen Eindruck vermitteln.

Die Regionalliga-Konkurrenz hat aufgerüstet, dann der Zoff um Sportdirektor Nachwuchs, Andreas Winkler, und die unglückliche Geschichte mit Neuzugang Daniel Engelbrecht, dessen Herz-OP übrigens gut verlaufen ist. Eine Nachricht, die alle im Stadion mit Applaus begleiteten. All diese Dinge drückten etwas aufs Gemüt, so dass der Coup gegen den BVB durchaus als Stimulator dienen könnte.

Trainer Sven Demandt fordert etwas mehr Gelassenheit

„Aber es war eben auch nur ein Testspiel“, betont Sven Demandt. „Es gibt leider keine drei Extrapunkte dafür, und die Zweite Mannschaft der Dortmunder wird auch gegen uns antreten.“ Der RWE-Cheftrainer wollte keineswegs Spielverderber sein, aber er kennt natürlich die Gefahr, dass man solche Erfolge schnell viel zu hoch jubelt. „4. Liga – keiner weiß warum“, sangen die RWE-Fans vergnügt und immer mit einer Prise Ironie. Zumal sie ja in der Vorsaison Augenzeuge waren für die Gründe. Also, den Ball flachhalten. „Wir sollten alle mit etwas mehr Gelassenheit an die Sache herangehen“, findet Demandt.

Dabei hat seine Mannschaft wirklich gute Ansätze gezeigt in diesem ungleichen Duell, in dem RWE eine Sonderschicht absolvierte mit Schwerpunkt diszipliniertes und konsequentes Abwehrverhalten. Die Rot-Weissen machten das so gut, dass die außergewöhnliche Klasse von Bundesliga-Torschützenkönig Pierre Emerick Aubameyang in Hälfte eins und „Gazelle“ Ousmane Dembele in Hälfte zwei nur aufblitzte. „Wir haben gesehen, was geht, wenn wir als Team gut verteidigen, dann tut sich selbst ein Gegner mit überragenden Einzelkönnern schwer“, so Demandt.

Neuzugang Kai Pröger setzt Akzente auf der rechten Seite

Er war sichtlich zufrieden mit der Leistung, das Ergebnis sei ihm dabei völlig egal. Wichtig war, dass man erkennen konnte, dass sich im Vergleich zur Vorsaison etwas verändert hat. Der neue Offensivmann Kai Pröger beispielsweise bringt das gewünschte Tempo ins Spiel. Der junge Mann war derart motiviert, dass er auch häufiger nach hinten arbeitete, sich den Ball schnappte und einen verdutzten Gelb-Schwarzen zurückließ. „Das macht er normalerweise gar nicht so gerne“, schmunzelte der Chef.

Das Publikum feierte diese Hingabe. Als sich der eingewechselte Youngster Ismael Remmo gegen den „Schrank“ Dan-Axel Zagadou zur Wehr setzte, den Ball sogar keck mit der Hacke mitnahm, freute es den Trainer. „Wir haben es heute aber insgesamt gut gemacht“, lobte dieser aber das Kollektiv.

Youngster Ismael Remmo mit forschem Tackling

Das 1:0 (3.) durch Benjamin Baier löste einen Jubelsturm aus und war der Auftakt zu dieser Testspiel-Party. Das 2:1 (41.) durch den Kapitän wurde durch eine gefühlvolle Flanke von Pröger vorbereitet. Baier leitete schließlich den Konter zum 3:1 über Pröger ein. Einen Freistoß von Kevin Grund nutzte Marcel Platzek (61.), der am langen Pfosten vollendete. Die Dortmunder Defensive hatte schlichtweg geschlafen.

Später in den Katakomben waren die Verhältnisse dann wieder eindeutig. BVB-Trainer Peter Bosz stand inmitten einer großen Traube von Journalisten Rede und Antwort. Ausflüchte suchte er nicht: „Ich bin enttäuscht. Der BVB muss bei einem Viertligisten gewinnen.“

EURE FAVORITEN