Essen

Rot-Weiss Essen ist enttäuscht: „Wir haben uns selbst geschlagen“

Timo Becker (Essen, links) gegen Günter Mabanza (Bonn).
Timo Becker (Essen, links) gegen Günter Mabanza (Bonn).
Foto: Thorsten Tillmann

Essen. Wer sich Marcus Uhlig nach der 0:1-Heimpleite gegen den Bonner SC anschaute, musste nicht lange rätseln, wie sich dieser Mann gerade fühlte. „So eine Niederlage tut richtig weh“, stellte der RWE-Vorsitzende mit versteinerter Miene fest und lieferte auch gleich die Begründung: „Es war ein Spiel, bei dem wir nicht über die Qualität sprechen müssen, sondern wir hatten diesmal so viele Chancen, dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen.“

Falsch ist diese Kurzanalyse nicht -- und sicherlich zutreffender, als das banale Fazit von Bonns Trainer Daniel Zillken: „Wir schießen ein Tor mehr als Rot-Weiss Essen, deshalb haben wir verdient gewonnen.“ Die Gastgeber kontrollierten die Partie und hätten tatsächlich während der starken 20 Minuten vor der Pause in Führung gehen müssen. Doch Bonns Torhüter Alexander Monath war auf dem Posten, reagierte bei den Essener Versuchen stets gut und hatte die Hand am Ball.

„Wir haben es verpasst, zum strategischen wichtigen Zeitpunkt das 1:0 zu machen“, fand RWE-Trainer Argirios Giannikis. So flott und präzise, wie der Fußballlehrer auf der Pressekonferenz sein Statement ablieferte, hätte man sich die Rot-Weissen zuvor auf dem Rasen gewünscht. Der Coach zählte in seinem Redefluss sogar die exakten Zeitpunkte der Chancen auf, die sein Team ausgelassen hatte: „28., 30., 35., 37., 39.“ Doch damit hatte der Gastgeber schon fast sein Pulver verschossen. „In der zweiten Hälfte waren wir zu passiv und unsauber im finalen Pass. Da hat uns die Durchschlagskraft gefehlt.“ Das korrekte Fazit: „Wir haben uns heute selbst geschlagen.“

In der ersten Hälfte hatten die Bonner eine Riesenchance nach einem groben Schnitzer von Kai Pröger (14.), doch Marcel Kaiser vergab sie kläglich. Danach war nichts mehr. Das goldene Tor wurde den harmlosen Gästen auf einem Tablett serviert, es war ein generöses Geschenk an den Abstiegskandidaten. Kaiser flankte aus dem Halbfeld nicht gerade scharf, RWE-Youngster Timo Becker duckte sich weg, anstatt zu klären, hatte möglicherweise Torhüter Robin Heller hinter sich vermutet. Ein Blackout. Es war Bonns Daniel Somuah, der mühelos zum 1:0 traf (71.).

Eher ideenlos

Die Rot-Weissen versuchten es noch einmal, doch das Ganze wirkte eher ideenlos und wenig gefährlich gegen einen kampfstarken und kompakten Gegner, der sich beherzt in die Schüsse warf. In der Vorbereitung hatten die RWE-Verantwortlichen noch versichert, dass sich das Team spielerisch entwickelt und auch beim Herausarbeiten von Chancen verbessert habe. Aber im Abschluss? Die Ergebnisse waren zwar positiv, aber von konsequenter Chancenverwertung zeugen die Testspiel-Resultate gegen die unterklassigen FC Brünninghausen (1:0), 1. FC Kaan Marienborn (1:0) und TuS 05 Sinsen (1:0) auch nicht.

Dass die offensiven und technisch versierten Kamil Bednarski und Kevin Grund im Aufgebot fehlten, bremste den Offensivdrang vor allem auf der linken Seite beträchtlich. Tolga Cokkosan und Nico Lucas konnten diese Lücke nicht schließen. Cokkosan fiel nicht weiter auf, Lucas indes hatte im Mittelfeld gute Szenen, auch bei Standards, doch für Wirbel auf Außen sorgt er nicht. „Er hat es ordentlich gemacht“, meinte Giannikis, der dem jungen Lucas Luft nach oben attestierte. „Es war okay.“

Der Essener Trainer hatte Bednarksi und Grund nicht etwa aussortiert, wie vor dem Anpfiff gemunkelt wurde. Giannikis war stattdessen der Meinung, dass der Fitnesszustand der beiden noch nicht wieder bei 100 Prozent liegt, nachdem sie während der Vorbereitung wegen Krankheit beziehungsweise Verletzung gefehlt hatten. Natürlich werden solche Entscheidungen in diesen Tagen ganz besonders kritisch beäugt. Und Giannikis schien es zu spüren und betonte indirekt, dass es nur diesen Grund gegeben habe, auf sie zu verzichten: „Kamil Bednarski, den ich sehr schätze und der Fähigkeiten hat, die wir gut gebrauchen können, hat in der Vorbereitung nur zwei Wochen trainiert. Bei Kevin Grund war es ähnlich.“

 

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