Rot-Weiss bleibt spitze bei Zuschauerzahlen

Regionalliga, Rot-Weiss Essen - Fortuna Duesseldorf II 3:1 Guengoer Kaya (RWE) nach seinem Abseitstor. Michael Gohl / WAZ FotoPool
Regionalliga, Rot-Weiss Essen - Fortuna Duesseldorf II 3:1 Guengoer Kaya (RWE) nach seinem Abseitstor. Michael Gohl / WAZ FotoPool
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Von einer famosen NRW-Liga-Saison und der damit verbundenen Aufstiegseuphorie beflügelt, starteten die Rot-Weißen in die Regionalliga-Saison. Gleichwohl hatten die Verantwortlichen ihre Ziele recht bescheiden formuliert. So um Platz neun herum wurde das Ziel abgesteckt. Offenbar eine durchaus realistische Einschätzung, denn nach dem Ende der Hinrunde rangiert RWE auf Platz 13 – lediglich drei Zähler entfernt von Rang neun.
Die Titel-Chancen und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga stehen für Herbstmeister Sportfreunde Lotte auf den ersten Blick sehr gut. Der Verein aus der 13 000-Einwohner-Gemeinde im Großraum Osnabrück hat zur Winterpause 39 Punkte auf dem Konto und nur eine Partie (2:3 gegen den Tabellenzweiten Eintracht Trier) verloren. Der Vorsprung auf die Trierer (37), die außerdem schon eine Partie mehr ausgetragen haben, beträgt zwei Punkte. Als Tabellendritter hält Borussia Mönchengladbach II (35) Anschluss an die Spitze.

Die Statistik spricht eher gegen die Sportfreunde, die bis zum Trier-Spiel saisonübergreifend in 25 Partien ohne Niederlage geblieben waren. Denn seit der Einführung der Regionalliga West in ihrer aktuellen Form (2008/2009) holte noch keine Mannschaft, die zur Winterpause Platz eins belegt hatte, den Titel. „Wir müssen diesen Wintermeister-Fluch brechen“, lautet die Ansage von Lottes Trainer Maik Walpurgis. „Wir haben trotz der Niederlage gegen Trier eine fantastische Halbserie gespielt. Ich erwarte bis zum Ende einen spannenden Dreikampf um den Aufstieg.

Fortuna Köln ist als Tabellenvierter der beste Aufsteiger. Allerdings hatte RWE im letzten Spiel dieses Jahres im direkten Duell mit den Kölnern sogar die Chance mit der Fortuna gleichzuziehen. Die Essener unterlagen aber im Südstadion mit 2:4. Neuling Rot-Weiss (21 Punkte) hatte einen „Hänger“ und blieb neun Partien in Folge ohne Sieg. Es folgten drei Dreier in Serie. Der dritte Aufsteiger Idar-Oberstein (17 Zähler) liegt auf Platz 18. Und der Vorjahres-Drittligist TuS Koblenz gewann nur eine einzige Partie (2:1 gegen Fort. Köln).

Sportfreunde Lotte stellen mit 37 Treffern die beste Offensive und die beste Defensive (14 Gegentreffer). „Unsere starke Abwehr hat uns in einigen engen Partien zum Erfolg verholfen“, sagt Lottes Trainer Walpurgis. Auf seine stabile Hintermannschaft kann sich auch der Tabellenzweite aus Trier verlassen mit bisher 16 Gegentoren. Triers Torhüter André Poggenborg (18 Einsätze) spielte schon zehnmal „zu Null“. Mit Dortmund II und dem Mainz 05 II (beide 21) folgen zwei U 23-Teams. Die Rot-Weißen schossen 22 Tore, nur drei Konkurrenten haben weniger erzielt. Und RWE kassierte 29 Gegentreffer.

Die meisten Strafstöße fanden den Weg ins Tor. Die Schiedsrichter zeigten in insgesamt 170 Partien 49 mal auf den Elfmeter-Punkt. 44 Strafstöße und damit fast 90 Prozent verwandelt. Eintracht Trier bekam gleich fünf Strafstöße zugesprochen, der 1. FC Köln II kassierte bisher sechs Gegentreffer durch Strafstöße.

Vom Elfmeterpunkt war Wuppertals Torjäger Christian Knappmann schon viermal erfolgreich. Mit 16 Saisontoren (in 17 Partien) ist er auch der treffsicherste Spieler der Liga. Die Chancen des 30-Jährigen auf die „Torjäger-Krone“ stehen gut. Denn Marcus Fischer (14 Tore/SF Lotte), der zweitbeste Schütze der Liga, fällt wohl bis zum Saisonende wegen eines Kreuzbandrisses aus. Hinter Fischer folgt Gladbachs U-20-Nationalspieler Elias Kachunga (12).

Allerdings ist WSV-Torjäger Knappmann, der im Spiel beim SC Idar-Oberstein (4:0) innerhalb von nur 24 Minuten einen Hattrick erzielt hatte, fast der „Alleinunterhalter“ bei den Bergischen, denn sein Sturmpartner Jerome Assauer hat lediglich zweimal getroffen. Auf den Gesamtwert von 18 Treffern kommt das Sturmduo des 1. FC Köln II. Thiemo-Jerome Kialka und Mark Uth waren jeweils neunmal erfolgreich. Bei den Rot-Weißen ist bendikt Koep (4 Tore) der erfolgreichste Schütze. Holger Lemke, Güngör Kaya und Lukas Lenz trafen je dreimal.

Den höchsten Sieg bis zur Winterpause landete die U 23 von Borussia Dortmund beim 7:1 in Wiedenbrück. Hinter den Spitzenmannschaften Lotte (37 Tore) und Gladbach II (35) verfügt die BVB-Reserve (34) über die drittbeste Offensivabteilung der Liga. Einen „Dreier“ mit sechs Toren Unterschied schaffte auch Lotte (6:0 gegen Fort. Köln).

Insgesamt konnten die Zuschauer in der Regionalliga West bis zur Winterpause relativ häufig über Tore jubeln. In 170 Partien landete der Ball gleich 480 Mal hinter der Torlinie. Damit fielen fast drei Tore (2,82) pro Spiel. Häufigstes Ergebnis war dabei ein 1:1 (25 mal) vor einem 1:0 (24).

Von den Feldspielern verpassten Thomas Drescher (Trier), Mariusz Rogowski (Wiedenbrück), Markus Heppke (RWE), Denis Linsmayer und Hendrick Zuck (beide 1. FC Kaiserslautern II) sowie Thomas Schlieter (Wuppertal) keine einzige Minute. Bei den Torhütern kamen Wiedenbrücks Marcel Hölscher, Janis Blaswich (Mönchengladbach II), Dennis Lamczyk (RWE) und Kadir Yalcin (Koblenz) auf die komplette Einsatzzeit. Bei den Rot-Weißen waren außerdem Holger Lemke und Benedikt Koep zumindest in allen 18 Spielen am Ball.

Die Zuschauerzahlen sind im Vergleich zur Winterpause der vergangenen Saison deutlich gestiegen. Hatten in der Spielzeit 2010/2011 bis zum Winter lediglich 137 992 Zuschauer (allerdings auch nur in 146 Spielen) die Stadiontore passiert, wurde in diesem Jahr die Marke von 200 000 Besuchern schon in der Hinserie geknackt. 201 384 Besucher kamen zu den 170 Begegnungen. Der Schnitt stieg von 945 auf 1185 Zuschauer pro Spiel.

Das liegt vor allem am Zuschauer-Krösus Rot-Weiss (Schnitt: 6777), aber auch an der TuS Koblenz (2696), die beide neu in die Liga sind. Die meisten Zuschauer sahen die Partie zwischen Essen und Wiedenbrück (7787). Mit Fortuna Köln (1102 Zuschauer) gehört ein weiterer Aufsteiger zu den „Top fünf“ in der Zuschauerstatistik. Keine „Zuschauermagneten“ sind die Zweitvertretungen von Schalke (232), Kaiserslautern (291) und Bochum (303).

Im Vergleich zur vergangenen Runde hat die Zahl der Platzverweise zugenommen. 24 Rote und 18 Gelb-Rote Karte verteilten die Schiedsrichter in 170 Partien. Damit stieg die Zahl von 33 auf 42 an. Als einziger Spieler zweimal vom Platz gestellt wurde Stefan Schwellenbach (Köln II).

Die eifrigsten Kartensammler stellte jedoch Fortuna Düsseldorf II. Die Spieler der Rheinländer handelten sich 38 Gelbe sowie drei Gelb-Rote und zwei Rote Karte ein. Kurios: In der Partie zwischen SV Elversberg und SF Lotte (0:1) wurden gleich zwölf Spieler verwarnt.

Wohl nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass in dieser Saison durch die bevorstehende Regionalliga-Strukturreform aller Voraussicht nach keine Mannschaft absteigen kann, drehte sich das Trainer-Karussell in dieser Saison recht langsam. Nur SV Elversberg und der Wuppertaler SV wechselten die Trainer aus. Die als Aufstiegsfavorit gestarteten Wuppertaler konnten nicht oben angreifen und trennten sich nach acht Spieltagen vom erst im Sommer verpflichteten Karsten Hutwelker. Unter der Regie des neuen Trainers Hans-Günter Bruns (zuvor Rot-Weiß Oberhausen) wurden fünf von neun Partien gewonnen.

Bei den Elversbergern musste Günter Erhardt Anfang Oktober nach einer Negativ-Serie von fünf Partien in Folge ohne Sieg seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger wurde der vorherige Co- und U 23-Trainer Jens Kiefer.haro/MSPW