Gladbach weckt Erinnerungen bei RWE-Idol Willi Lippens

Ralf Wilhelm
Als die Ente noch dem Terrier davon watschelte: Willi  Lippens und Berti Vogts im Duell.   
Als die Ente noch dem Terrier davon watschelte: Willi Lippens und Berti Vogts im Duell.   

Essen. Rot-Weiss Essen gegen Borussia Mönchengladbach, Flutlichtspiel an der Hafenstraße um 20.45 Uhr (Ja, ist denn etwa Champions League?). Da drückt das eigene Kopfkino unweigerlich die Dauer-Wiederholtaste und bleibt doch immer bei zwei Protagonisten hängen: Willi Lippens und Berti Vogts.

Wir wissen nicht, wie RWE-Coach Sven Demandt am Spieltag seine krassen Außenseiter motiviert, aber ein Besuch der Ente in der Kabine und Dönekes von damals hätten sicher nicht geschadet. Denn Lippens erzählt gerne von seinem Lieblingsgegner. Wie er den Nationalverteidiger bevorzugt vernascht hat, am liebsten mit Beinschüssen. „Der Berti“, feixt das RWE-Idol noch heute, „der hatte schon eine Woche vor unserem Spiel Dünnpfiff, wenn er an die Zweikämpfe dachte.“ Und auf dem Platz ging die Frotzelei weiter: „Hey, Berti, der Weisweiler guckt schon, ich glaube, der nimmt dich gleich runter.“

Gladbacher kommen mit Offensiv-Power

Die Lieblingsszene des Autors: Wie Willi Lippens einmal auf dem Flügel den Ball liegen ließ, weiterlief, und der brave Berti neben ihm herlief – und das Spielgerät gar nicht vermisste. Zum Brüllen komisch. Aber da auch Nostalgie keine Tore schießt, wird es Zeit, sich auf die heutige Partie zu konzen­trieren. Und die Realität der beiden Klubs ist bitter: Heute hätte man schon wieder Druck an der Hafenstraße, wenn nur die Zweitvertretung der F'ohlen zum sogenannten Spitzenspiel aufkreuzen würde. So dermaßen haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben.

Wer soll die geballte Offensivkraft der Borussen stoppen? Und wer soll die kleine Chance effektiv ausnutzen, dass Gladbachs Trainer Dieter Hecking seine komplette Defensive neu strukturieren muss? Die Innenverteidiger Reece Oxford (Probleme im Sprunggelenk) und Mamadou Doucouré (Muskelverletzung im Oberschenkel) fallen ebenso aus wie Rechtsverteidiger Tony Jantschke (muskuläre Probleme). Dazu fehlt der nach einem mehrmaligen Bänderriss im Knie operierte Tobias Strobl.

Jürgen Lucas richtet Appell an die Fans

„Ich glaube nicht, dass man von einer Schwächung sprechen kann, wenn man dafür Jannick Vestergaard und Matthias Ginter in der Innenverteidigung aufbieten kann“, rückt Jürgen Lucas die Verhältnisse wieder zurecht. Der RWE-Sportdirektor freut sich mittlerweile wieder ohne Wenn und Aber auf diesen Pokalfight. Aber der Fan in ihm hatte schon ein paar Tage an der Pleite zu knapsen. „Ich weiß, wie weh eine Niederlage gerade gegen Wuppertal tut, und mir ist klar, dass wir einiges dafür tun müssen, um unsere Fans zurückzugewinnen, aber ich kann versprechen: Wir werden alles reinwerfen. Aber wir schaffen es nicht alleine, dafür brauchen wir alle – auch unsere Fans“, richtet Jürgen Lucas einen Appell an die rot-weisse Fangemeinde.

Unzola brennt auf Pflichtspieleinsatz

Bliebe noch die Frage nach dem passenden Personal. Nachdem Sven Demandt nach dem erfolgreichen Liga-Auftakt in Dortmund keinen Grund sah, die Anfangself gegen den WSV zu verändern, sieht Lucas nun den gegenteiligen Fall. „Bis auf den Torhüter sollten wir alle wechseln“, meinte er – Vorsicht: Ironie – und bricht in Gelächter aus. Im Ernst: Es werden Pokal-Strategen gesucht, und da hat einer wie Timo Brauer schon etliche „Schlachten“ in Rot-Weiss geschlagen. Darum ist eigentlich davon auszugehen, dass er für Nico Lucas oder Jan-Steffen Meier, der bei einem Wuppertaler Tor in der Verlosung war, ins Team rückt. Und auf der linken Seite brennt Hervenogi Unzola auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz. „Ich könnte mir diese Änderungen auch gut vorstellen“, meint Lucas. Aber wichtiger als die Aufstellung wird sicherlich die Einstellung sein.