Essen

Giannikis' Akribie bringt RWE auf Vordermann

Unter Argirios Giannikis hat RWE noch kein Spiel verloren.
Unter Argirios Giannikis hat RWE noch kein Spiel verloren.
Foto: Tillmann

Essen. „Fassen wir also zusammen“, schließt RWE-Pressesprecher Tilmann Radix die mittwochs stattfindende Pressekonferenz bei Rot-Weiss Essen ab: „Agi guckt Sonntags keinen Tatort und denkt noch nicht an Weihnachten.“

Doch der 37-Jährige hat noch mehr Einblicke in seine Arbeit gegeben. Wie akribisch er für den Regionalligisten arbeitet, deutete er bereits vor zwei Wochen an, als er sagte, dass er alle Spiele des damals kommenden Gegners Erndtebrück gesehen habe. Das präzisierte er nun: „Ich schaue mir die letzten fünf Spiele komplett an, um daraus Muster zu erarbeiten und überprüfe die mit den Spielen davor.“ Statt also Sonntags den Tatort zu verfolgen, konzentriert er sich lieber auf die Analyse. Insgesamt gehen dafür zehn bis 15 Stunden drauf. Je nach Gegner. „Das geht mal schneller, mal weniger schnell.“

Seine Frau ist mit dem 16 Monate alten Sohn noch nicht mit ins Ruhrgebiet gezogen. Im März erwartet das Ehepaar das zweite Kind. Bis dahin nutzt er die freie Zeit, um den bisherigen Erfolg weiter auszubauen. „Gerade zu Beginn ist die Zeit sehr intensiv“, sagt Giannikis. „So ist nunmal der Job.“ Dass er bei seinem Fußballlehrer nachgeprüft werden musste, dürfte von daher definitiv nicht an der Gegnervorbereitung gelegen haben.

Giannikis freut sich auf die Arbeit in der Winterpause

Denn gerade mit dieser Akribie hat der Fußballlehrer den Deutschen Meister von 1955 wieder auf Vordermann gebracht. Durch die Erfolge hat Rot-Weiss Essen den Vorsprung auf die Abstiegszone wieder auf sechs Punkte aufgebaut, mit Platz neun ist der Anschluss ans Tabellenmittelfeld hergestellt. Dass die Bergeborbecker eventuell gar wieder auf einem der vorderen Ränge überwintern, scheint – im Gegensatz zu seinem Amtsantritt – nicht mehr unmöglich. Daran werde laut Giannikis, der zu seiner Zeit in Karlsruhe ein Fernstudium der Volkswirtschaftslehre in Mannheim absolviert hatte, aber noch nicht gedacht: „Wir werden jede Woche vor neue Herausforderungen gestellt. Es gilt, jede Woche das zu bestätigen, was uns bisher stark gemacht hat. Wir denken in Entwicklungsschritten.“ Dass er dies könne, sei jedoch auch ein Verdienst seines Vorgängers Sven Demandt: „Ich habe hier eine intakte Mannschaft vorgefunden, anders wäre diese Herangehensweise auch nicht möglich gewesen.“

Nur einen ganz kleinen Blick in Richtung Winterpause lässt er zu. Im Prinzip freue er sich darauf, mit der Mannschaft ohne Wettkampfdruck arbeiten zu können: „Da kann man auch jedem gerecht werden. Im Sommer wäre mir jedoch lieber gewesen, weil es im Winter passieren kann, dass die Vorbereitung ins Leere verlaufen kann.“ Dann nämlich, wenn aufgrund der Witterungsverhältnisse in Deutschland nicht trainiert werden kann. Bezüglich eines Trainingslagers würden die Möglichkeiten geprüft. Und dann muss es letztendlich auch nicht Griechenland sein, auch wenn seine Familie aus Larisa stammt.

Am Freitag steht ohnehin erst einmal das erste Rückrundenspiel gegen die U23 von Borussia Dortmund an. Es ist nicht nur die erste Rückkehr von BVB-Trainer Jan Siewert nach Essen, sondern gleichzeitig auch das erste Flutlichtspiel für Giannikis im eigenen Stadion. „Dortmund will aktiv am Ball sein. Sie haben sehr viel Tempo und Durchschlagskraft im letzten Drittel“, ist der gebürtige Nürnberger gewarnt. Und wenn es einer weiß, dann dürfte es der akribische Arbeiter von der Hafenstraße sein.

Jansen fällt wochenlang aus

Gegen die Reserve der Dortmunder muss Giannikis auf David Jansen verzichten. Der Mittelstürmer hat sich einen Muskelfaserriss zugezogen und wird den Bergeborbeckern wohl zwei bis drei Wochen fehlen. Zudem hat U19-Mittelfeldspieler Simon Skuppin einen Bänderriss im Sprunggelenk erlitten und muss ebenfalls pausieren. Robin Urban ist hingegen nach seinem Muskelfaserriss am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Ob er jedoch für das Dortmund-Spiel wieder eine Option sein könnte, bleibt abzuwarten. Giannikis: "Wir werden sehen, wie der Muskel reagiert und werden das Ganze von Tag zu Tag beurteilen."

Auch ein Einsatz von Kevin Grund ist fraglich. Der Linksverteidiger laboriert an einer Adduktoren-Verhärtung aus dem Düsseldorf-Spiel. Giannikis: "Er probiert mitzutrainieren, aber auch bei ihm müssen wir abwarten."

 

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