Essen

„Dumm und naiv gespielt“ - RWE-Trainer Sven Demandt wütet nach Ahlen-Enttäuschung

Zweimal getroffen und doch enttäuscht: Roussel Ngankam von Rot-Weiss Essen.
Zweimal getroffen und doch enttäuscht: Roussel Ngankam von Rot-Weiss Essen.
Foto: Thorsten Tillmann
  • Das 2:2 gegen Rot Weiß Ahlen war die nächste Enttäuschung für RWE
  • Das sah auch Trainer Sven Demandt so
  • Nach dem Remis zeigte er sich angefressen

Essen. Es gab spontan Applaus bei der Pressekonferenz im Stadion Essen, was ja ungewöhnlich genug ist bei solchen Anlässen. Aber das Grüppchen der Verbündeten von Ahlens Trainer Erhan Albayrak konnte vor lauter Begeisterung nicht mehr an sich halten.

Ein 2:2 bei Rot-Weiss Essen? „Mensch, das ist doch klasse.“ Und der scheinbar sichere Abstiegskandidat hat mit dem siebten Punkt innerhalb einer Woche nun auch wieder eine echte Perspektive. Da kann man ja nur mehr als zufrieden sein, zumal selbst RWE-Trainer Sven Demandt einräumen musste, dass dieses Unentschieden unterm Strich nicht unverdient sei.

Auf der anderen Seite gab es dafür lange Gesichter. „Wir gehen zweimal in Führung und vergeigen es noch“, meinte RWE-Kapitän Benjamin Baier. „Das darf uns einfach nicht passieren.“

Ist es aber, und das nicht zum ersten Mal. Wieder haben die Kicker in rot ihre Chancen verschleudert. Auf dem Rasen, aber auch die, mit einem überzeugenden Auftritt in der Heimat für sich zu werben und die Fans zu begeistern.

Höhepunkte rar gesät

Der Frust vor allem nach den Auftritten im eigenen Stadion wächst. RWE hat zwar nur drei Heimspiele verloren (5 Siege/ 5 Unentschieden), doch gefühlt hagelte es Enttäuschungen. Wo waren sie bisher, die Höhepunkte, die spannenden, mitreißenden Fights?

Man muss schon lange in den Erinnerungen kramen, um überhaupt etwas zu finden: Das 5:2 gegen Köln II in der Hinrunde vielleicht, das 1:1 gegen Titelanwärter BVB II oder das 1:0 gegen Wuppertal? Die Essener haben zwar bisher in der Rückrunde drei Punkte mehr geholt als zum vergleichbaren Zeitpunkt der Hinserie, doch es fällt nicht weiter auf.

Ausgleich zum 1:1 per Freistoß

Gegen die Ahlener, die sie in der Hinrunde noch souverän mit 3:0 bezwungen hatten, lagen sie gleich zweimal vorn, waren überlegen und hätten in der ersten Halbzeit angesichts Chancenzahl höher führen können, ja müssen.

Die Gäste waren so freundlich und leiteten das 1:0 durch Roussel Ngankam sogar selbst ein. Der Ball fiel im Strafraum nach einem missglückten Abwehrversuch Platzek vor die Füße, der reagierte reaktionsschnell und mit viel Übersicht, passte auf Ngankam, der keine Mühe hatte, aus zehn Metern ins Tor einzuschieben (28.).

Keine Minute später der erste Schock für die Hausherren: Nach einem Freistoß verlängerte der ehemalige Krayer und Rot-Weisse, Emre Yesilova, mit dem Kopf, der Ball sprang an die Unterkante der Latte, Rouven Meschede war zur Stelle und köpfte aus der Nahdistanz ein zum 1:1.

Der erfahrene Torwart Sascha Kirschstein greift daneben

RWE machte weiter Druck. Nach einer flotten Kombination landete die Hereingabe von Dennis Malura wie so häufig an diesem Tag in des Gegners Füßen, die Situation schien geklärt. Doch Kevin Grund flankte erneut in den Ahlener Strafraum.

Sascha Kirschstein, der erfahrene Oldie im Kasten der Gäste, lief weit heraus und kam zu spät. Von Ngankams Kopf kullerte die Kugel an Kirschstein vorbei ins leere Tore zum 2:1. Im Hinspiel war noch Platzek mit einem Doppelpack erfolgreich gewesen.

Verdient war die Führung allemal, zumal Kamil Bednarski noch drei gute Möglichkeiten hatte. (38./ 40.). Direkt nach der Pause hatte Platzek die Riesenchance, zu erhöhen, aber freistehend scheiterte er mit seiner Volleyabnahme aus sechs Metern an Kirschstein (49.).

Zweite Hälfte war das Schlechteste bisher in dieser Saison

Was danach folgte, brachte Demandt auf die Palme. Während der Gegner unbeirrt und taktisch diszipliniert weiterarbeitete, verloren die Essener komplett die Ordnung. „Die zweite Halbzeit war das Schlechteste, was wir in dieser Saison gespielt haben“, nörgelte der Trainer ungewöhnlich offenherzig.

„Wir waren naiv und haben uns dumm angestellt.“ Ahlen würde kontern, das war klar. Der Trainer habe auch darauf hingewiesen, versicherte Kapitän Baier. Doch trotzdem luden er und seine Mitstreiter den Kontrahenten ein.

Ein blitzsauberer Versuch brachte den Ausgleich. RWE verlor den Ball, kam nicht hinterher und Laurenz Wassinger vollendete. Die Ahlener brachten in der Schlussphase noch Hasan Ugur, den 39-jährigen Co-Trainer, weil Trainer Albayrak verletzungsbedingt wechseln musste, aber keine Alternative mehr auf der Bank hatte. Er fiel nicht weiter auf. Schön für Ahlen. Schlimm genug aus Sicht der Gastgeber.

Rot-Weiss Essen - RW Ahlen 2:2 (2:1)

RWE: Heller - Malura, Zeiger, Weber, Grund - Brauer (77. Huckle), Baier, N. Lucas - Ngankam (71. Obst), Platzek, Bednarski.
Schiedsrichter: Schäfer.
Zuschauer: 6477.
Tore: 1:0 Ngankam (28.), 1:1 Meschede (29.), 2:1 Ngankam (34.), 2:2 Wassinger (71.).

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