0:1 - RWE verliert beim Regionalliga-Meister Lotte

RWE-Trainer Waldemar Wrobel
RWE-Trainer Waldemar Wrobel
Foto: imago
Nach der 0:1-Niederlage von Rot-Weiss Essen beim Regionalliga-Meister Lotte wurde es emotional. Lotte feierte die Teilnahme an den Aufstiegsspielen. RWE-Trainer Wrobel resümierte: "Wenn man einen Außenstehenden gefragt hätte, wer hier aufgestiegen ist, hätte der gesagt: Die Mannschaft in Rot."

Lotte.. Die Sportfreunde Lotte haben mit einem minimalistischen 1:0-Sieg gegen RWE die Meisterschaft eingetütet. Denkwürdig wurde es aber erst nach Spielende. Von der Brisanz, die diese einstmals so x-beliebige Regionalliga-Partie inzwischen zu einem Kracher gemacht hat, war während des Spiels herzlich wenig zu vernehmen. Sportfreunde Lotte gegen Rot-Weiss Essen war über 90 Minuten eben das, was drauf stand: Ein schnödes, ja über weite Phasen regelrecht biederes Viertliga-Spiel. Richtig emotional wurde es erst nach dem knappen 1:0-Sieg der Hausherren. Natürlich, Lotte ist Meister der Regionalliga West. Doch RWE-Coach Waldemar Wrobel bemerkte später spitz: "Wenn man einen Außenstehenden gefragt hätte, wer hier aufgestiegen ist, hätte der gesagt: Die Mannschaft in Rot."

1000 mitgereiste RWE-Fans am Pfingstsonntag

Es war wohl eine Mischung aus Anerkennung, Trotz und Wir-Gefühl, das die knapp 1000 mitgereisten Essener Fans dazu inspirierte, ihre Mannschaft nach Spielende geschlagene 45 Minuten zu feiern. Die hatte sich gegen den Meister tapfer gewehrt, musste letztlich aber die Waffen strecken. Alles egal! Wieder und wieder mussten die geschlagenen Gäste aufs Feld zurück. Roberto Guirino, die nächste Nummer auf der rekordverdächtigen Verletzungsliste, konnte nicht mehr laufen und wurde auf den Händen seiner Mitspieler aus der Kabine getragen. Es waren bemerkenswerte Szenen, die sich Wrobel und der Sportliche Leiter Damian Jamro aus der Distanz aber nicht minder beeindruckt anschauten.

Gleichwohl war es natürlich Lottes Anlass. Und Freude, Erleichterung vor allem wohl auch Genugtuung, waren Maik Walpurgis, der jedes einzelne Teammitglied innig an sich drückte, durchaus abzunehmen. Doch es liegt ein dunkler Schatten auf dieser Meisterschaft. Walpurgis war zwar in Gönnerlaune und meinte: "Von mir aus können sich die Jungs jetzt zwei Tage lang wegknallen." Als Startschuss einer rauschenden Party werden seine Spieler das allerdings wohl nicht wahrnehmen. "Ich kann mich ehrlich gesagt erst richtig freuen, wenn wir den Aufstieg feiern sollten", gestand Lottes Mittelfeldmann Tim Gorschlüter. Und so waren Fans und Spieler der Blau-Weißen auch längst verschwunden, als sich die Essener noch immer nicht von ihrer Mannschaft trennen wollten.

Stimmungsvolle Pressekonferenz in Lotte

Stimmungsvoll ging es auch bei der anschließenden Pressekonferenz zu. Dort hat es der Tecklenburger gern zünftig: Die Nachbereitung des Spiels ist für jedermann und -frau zugänglich. Mit allem, was eine derart basisdemokratische Öffentlichkeitsarbeit nun mal mit sich bringt. So nutzte eine Handvoll RWE-Fans das Forum dazu, den ungeliebten Gegner vermittels nicht jugendfreier Schmähgesänge zu provozieren und den versammelten Lotteraner Anhängern kollektiv die Gesichtszüge entgleiten zu lassen.

In der Hitze der allgemeinen Erregung sah sich ein örtlicher Pressevertreter gar veranlasst, Wrobel indirekt zu einer Entschuldigung für derart ungeniertes Betragen anzuhalten. Von Imageschaden für den Traditionsverein war da die Rede, von Wettbetrug und überhaupt. Das ganze Programm eben. Allen anderen Worten zum Trotz: Die Nachwehen aus dem Vorjahr sind auch nach der Meisterschaft noch nicht vollständig auskuriert.

Wirklich relevant war jedoch vielmehr die sportliche Wegmarke, die Lotte dank des Treffers von Kevin Freiberger (20.) setzen konnte. Zumindest dahingehend konnten die beiden Trainer sogar Einigkeit erzielen. "Jeder, der sich ein bisschen damit beschäftigt, wird zu der Einsicht kommen, dass so eine Regel nichts mit einem sportlichen Event zu tun hat", meinte der Essener Coach. Es ging um die anstehende Relegation.

Lottes Gegner RB Leipzig ist noch ungeschlagen

Natürlich. Wie aufs Stichwort sekundierte Walpurgis: "Wir spielen eine Rekordsaison mit 83, vielleicht sogar 86 Punkten, RB Leipzig hat nicht ein Spiel verloren und dennoch steigt einer von beiden nicht auf. Diese Regelung bringt nur Verlierer hervor." Gerade die schiere Dominanz, mit der die Roten Bullen ihre Liga anführen, könnte Lotte dabei entgegenkommen, sagt niemand anderes als Wrobel. "Lotte muss jede Woche unter Strom stehen, während RB schon seit Monaten gefühlt nicht mehr am Spielbetrieb teilnimmt. Daher glaube ich, dass die Chancen bei 50 zu 50 liegen. Auch, weil die Geschichte mit dem Gallischen Dorf so nicht stimmt. Lotte hat sehr viele Zweit- und Drittliga-erfahrene Spieler in seinen Reihen."

Ganz ohne Spitze ging's nicht aus. Doch angesichts der Temperatur, auf der diese Spiel nachglühte, klang das geradezu versöhnlich.

Lotte trifft auf RB Leipzig - 1860 München II und Holstein Kiel ebenfalls für Aufstiegsspiele qualifiziert

Großes Aufatmen beim Fußball-Traditionsverein Holstein Kiel: Trotz des Abzugs von sechs Punkten durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Ligarivalen FC Oberneuland hat sich der deutsche Meister von 1912 für die Aufstiegsspiele zur 3. Liga qualifiziert.

Die 'Störche' bezwangen den direkten Konkurrenten TSV Havelse im 'Endspiel' 2:1 (2:1) und sicherten sich damit die Meisterschaft in der Regionalliga Nord. Beide Kieler Tore erzielte Marcel Schied (9./42.). Die Kieler hatten bereits durch die Insolvenz des VfB Lübeck drei sportlich gewonnene Punkte wieder verloren.

Die Mannschaft von Trainer Thorsten Gutzeit und Sportdirektor Andreas Bornemann folgt RB Leipzig (Regionalliga Nordost), 1860 München II (Bayern), Hessen Kassel und dem SV Elversberg (beide Südwest) in die Aufstiegsspiele am 29. Mai und 2. Juni. Holstein muss sich gegen den Meister der Regionalliga Südwest behaupten, der erst am 25. Mai zwischen Kassel und Elversberg ermittelt wird. Der sechster Teilnehmer wird der Meister der Regionalliga West, entweder die Sportfreunde Lotte oder Fortuna Köln. (dpa)

 
 

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