Sieben Pott-Klubs - die Regionalliga wird zur Revierliga

Revierduelle - wie hier zwischen RWE und RWO im Niederrheinpokal-Finale - gibt es in der nächsten Regionalliga-Spielzeit zu hauf.
Revierduelle - wie hier zwischen RWE und RWO im Niederrheinpokal-Finale - gibt es in der nächsten Regionalliga-Spielzeit zu hauf.
Foto: imago
Rege Ruhrpott-Beteiligung garantiert die kommenden Regionalliga-West-Saison. Doch nur zwei Revierklubs haben ernsthafte Chancen auf die Meisterschaft.

Hagen. Wenn am Freitag, 31. Juli, die ehemaligen Zweitligisten Rot-Weiß Ahlen und Alemannia Aachen die neue Saison in der Fußball-Regionalliga eröffnen, hat es Spielleiter Reinhold Spohn nicht einfach gehabt, bei seiner Auswahl keinen Verein aus dem Ruhrgebiet zu beteiligen. Denn für die Spielzeit 2015/16 gilt mehr denn je: Die Liga Vier spricht den Ruhrpott-Slang! Mit Drittliga-Absteiger Borussia Dortmund U23 und dem Aufsteiger aus der Oberliga Niederrhein, der SSVg Velbert, ist die Armada der Revierklubs auf sieben Vereine angewachsen: RW Essen, FC Kray, RW Oberhausen, SG Wattenscheid 09 und die U23 des FC Schalke tummeln sich auf engstem Gebiet, so dass man im Zeitalter von E-Bikes die Vereine bequem per Fahrrad erreichen könnte.

Eine Reise durch NRW wird für die Westvereine da die Fahrt zum anderen Aufsteiger ins Wittgensteiner Land: Der TuS Erndtebrück schaffte erstmals in seiner Geschichte den Aufstieg aus der Oberliga Westfalen. Dritter Neuling ist der FC Wegberg-Beeck, der aus der Mittelrheinliga dazustieß.

RWE und RWO sind die Meisterschaftskandidaten aus dem Revier

Am Modus hat sich auch in der neuen Saison nichts geändert, der DFB ist am Aufstreben seiner ranghöchsten Amateurvereine nicht wirklich interessiert. Zu viele Traditionsklubs wollen durch den winzigen Spalt Richtung Profifußball schlüpfen, der es nur dem Meister am Ende einer knüppelharten Saison ermöglicht, aufzusteigen. Doch auf der anderen Seite des Zauns wartet noch die Aufstiegsrunde, was nach der vergangenen Saison die U23 von Borussia Mönchengladbach leidvoll erfahren musste und gegen den Nachwuchs von Werder Bremen denkbar knapp scheiterte. Am Ende wurde nur Gladbachs Trainer Sven Demandt in die Dritte Liga befördert – als neuer Trainer des SV Wehen, der Fohlen-Nachwuchs galoppiert weiter in der Regionalliga und wird sich erneut am Hauen und Stechen um Rang eins mit den üblichen Verdächtigen streiten.

Bei den Revierklubs gibt es dagegen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Nur RWE und RWO wird ernsthaft zugetraut, in den Meisterschaftskampf einzugreifen. Der BVB hat nach dem Abstieg einen zweistelligen Aderlass im Personalbereich zu verzeichnen, Trainer David Wagner ist selbst gespannt, wie sich sein „jüngster Kader aller Zeiten“ in der neuen Umgebung behaupten wird.

Schalke II will Zittersaison vermeiden 

Auch beim Dortmunder Nachbarn FC Schalke 04, der weiterhin in Wanne-Eickel und Bottrop antreten wird, weil das Parkstadion trotz gegenteiliger Pläne noch nicht umgebaut ist, will man eine Zittersaison wie zuletzt unbedingt vermeiden. Das Personal hat wieder eifrig gewechselt, auf der Kommandobrücke präsentieren sich die prominentesten königsblauen Namen: Chefcoach Jürgen Luginger bekommt mit Assistent Jörg Böhme und Torwarttrainer Christian Wetklo bundesligaerfahrene Leute zur Seite gestellt.

Ganz anders handhaben es die Top-Favoriten der Liga mit ihren Chefs: Die Hauptverantwortlichen von Viktoria Köln, Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen dürften nur wirklichen Insidern etwas sagen: Tomasz Kaczmarek (30), Christian Benbennek (42) und Jan Siewert (32) haben noch keine großen Namen, aber ein klares Konzept. Besonders Siewert ist energiegeladen und will das alte Hafenstraßen-Feeling bei RWE wieder einziehen lassen: Kompakt verteidigen, schnell angreifen, den Heimnimbus wahren.

RWE trifft erst am 18. Spieltag auf Kray

Der Stachel aus den zurückliegenden Duellen mit dem kleinen gallischen Dorf in der Stadt, dem FC Kray, der beide Partien im Stadion Essen gewann, er sitzt noch tief im rot-weißen Fleisch.

Auf die Revanche müssen die Fans beider Lager lange warten: Erst am 18. Spieltag kommt es am 28./29. November zum Stadtderby. Es sind die Wochen der Wahrheit für RWE, am Spieltag zuvor muss man zum „Kanal-Derby“ bei RWO antreten. Nicht minder reizvoll, haben doch mit Kai Nakowitsch und Tim Hermes aus Essener Sicht zwei Akteure „Fahnenflucht“ begangen und sind beim Nachbarn untergeschlüpft.

Aachen hat bereits 2000 Dauerkarten verkauft

Das Interesse bei den Publikumsmagneten ist ungebrochen: Am Aachener Tivoli ist bereits die 2000. Dauerkarte verkauft, doppelt so viele sind es zum jetzigen Zeitpunkt gar an der Hafenstraße, beflügelt vom Vorverkaufsrecht für das DFB-Pokalspiel gegen den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf.

 
 

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