Red Bull nicht schuld an Viertklassigkeit von RWE und RWO

Klaus Wille
Die Fans von RB Leipzig.
Die Fans von RB Leipzig.
Foto: dpa
Die besten Klubs im Land des Weltmeisters bereiten sich auf neue Heldentaten vor. Eine Etage tiefer haben nicht wenige Fans mit dem ersten Zweitligaspiel von RB Leipzig den Untergang des Vereinsfußballs befürchtet. An den Brause-Millionen liegt’s aber nicht, dass sich traditionelle Fußballstandorte nicht weiterentwickeln. Ein Kommentar.

Essem-. Sind wir unter uns? Können wir offen sprechen über ein Wochenende, an dem sich im Land des Weltmeisters der ganz große Fußball erst noch auf neue Heldentaten vorbereitet? Reden wir also über Kleinigkeiten.

Schalke 04 hat zum Beispiel seinen Abwehrspieler Kyriakos Papadopoulos an Bayer Leverkusen ausgeliehen. So eine Kleinigkeit ist das natürlich gar nicht: Am Beispiel des griechischen Nationalspielers lässt sich trefflich nachvollziehen, wie schnell eine Verletzung alle Pläne über den Haufen werfen kann.

Einen wie „Papa“ liebt man auf Schalke, weil er unbändigen Willen zeigt. Oder weil er zwischendurch als Lebensversicherung des Vereins galt, als Spieler, für den man 20 Millionen Euro hereinholen kann. Eine ebenso endlose wie komplizierte Knie-Verletzung später war Papadopoulos abgestempelt als Sportinvalide. Und nun liegt die Wahrheit wieder einmal dazwischen. Ihn nach Leverkusen zu verleihen, lässt allen alle Optionen: Schalke, Bayer, Papadopoulos.

Schalke leiht also Bayer einen Spieler aus. Nicht umgekehrt. Das wiederum ist eine beachtenswerte Kleinigkeit für alle, die für das Wochenende den Untergang des Abendlandes, mindestens des Vereinsfußballs, vorhergesagt hatten.

Man muss die Entwicklung nicht mögen

RB Leipzig hat also sein erstes Spiel in der 2. Fußball-Bundesliga absolviert, mit einem 0:0 gegen den VfR Aalen übrigens äußerst unspektakulär. Niemand muss ein Freund dieses Klubs oder anderer sein, die wie verlängerte Arme eines Wirtschaftsunternehmens wirken, ob sie nun Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg oder TSG Hoffenheim heißen.

Man kann Wettbewerbsverzerrung und seelenlosen Kommerz beklagen, natürlich. Man muss diese Entwicklung bestimmt nicht mögen. Aber zielführend ist das alles nicht. Red Bull trägt keine Schuld daran, dass zum Beispiel Duisburg, Essen und Oberhausen in der Dritt- und Viertklassigkeit stecken. Und was Leipzig angeht: 25 Jahre nach der Einheit darbt der Fußball in ganz Ostdeutschland. Dass der Salzburger Getränke-Konzern, bei allem kühl kalkulierten Erfolgsstreben, dort Profifußball ermöglicht, wird nicht verwerflich, nur weil es andere mit anderen Mitteln nicht schaffen.