Rauball gegen Pläne eines eigenen Bundesliga-TV

Marcus Bark
Ohne Gegenstimme wiedergewählt: Reinhard Rauball.
Ohne Gegenstimme wiedergewählt: Reinhard Rauball.
Foto: Knut Vahlensieck

Berlin. Reinhard Rauball bleibt DFL-Präsident. Gestern wurde der BVB-Vorsitzende bei der Generalversammlung in Berlin einstimmig wiedergewählt. Plänen eines Bundesliga-eigenen TV-Senders steht er skeptisch gegenüber.

Wie die Zukunft des Fußballs im Fernsehen aussehen soll, war an Thomas Ernst zu beobachten. In einer Kaffeepause setzte sich der Manager des VfL Bochum eine Spezial-Brille auf und verfolgte ein Bundesligaspiel in drei Dimensionen auf einem hochauflösenden Bildschirm. Was die Medien künftig für die Rechte ausgeben werden, die schönen Bilder senden zu dürfen, das wissen weder Ernst noch seine Kollegen von den anderen 35 deutschen Profiklubs. Sie waren gestern in einem Berliner Hotel zur Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zusammengekommen. Weil Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß seine Kandidatur für den Posten des Ligapräsidenten zurückgezogen hatte, wurde die erneute Wahl von Reinhard Rauball zu einer Formsache. Der Boss wurde einstimmig bestätigt.

Außer dem 63-jährigen Juristen, gleichzeitig Präsident von Borussia Dortmund, wurden auch die Vize-Präsidenten Peter Peters (Schalke 04) und Harald Strutz (FSV Mainz 05) wiedergewählt. Außerdem gehören als Bundesligavertreter Karl Hopfner (Bayern München) und Heribert Bruchhagen (Eintracht Frankfurt) dem Liga-Vorstand an. Die Zweite Liga wird von Helmut Hack (Greuther Fürth) und Ansgar Schwenken (VfL Bochum) vertreten. Ihre Amtszeiten werden 2013 enden, in jenem Jahr also, in dem auch der Fernsehvertrag ausläuft.

„Es wird schwer sein, an den derzeitigen Vertrag heranzukommen“, sagte Rauball. Er nahm damit all denjenigen Wind aus den Segeln, die sich erhebliche Mehreinnahmen versprechen. Derzeit teilen die Profiklubs jährlich etwa 450 Millionen Euro aus der Inlands- und Auslandsvermarktung der Medienrechte unter sich auf.

Seifert ließ eine Hintertür offen

Angesichts der hohen Verluste, die der Bezahl-Sender Sky immer wieder melden muss, gibt es in der Liga latente Sorgen, dass selbst diese Einnahmen in Gefahr sind. Letzte Woche kamen Diskussionen über eine eigene TV-Plattform der Liga auf. Rauball sagte, dies sei nicht geplant. Eine Hintertür ließ DFL-Geschäftsführer Christian Seifert offen: „Wir werden keinen Sender planen, wenn es keine Umstände gibt, die das erforderlich machen.“

Eine Insolvenz von Sky hätte unabsehbare Folgen für die deutschen Profiklubs, die als Gruppe beinahe jedes Jahr neue Rekorde bei Umsätzen und Zuschauerzahlen melden. Doch es gibt Sorgen. „Die Vermögenslage der Lizenzklubs hat sich im letzten Jahr deutlich verschlechtert“, schreibt die DFL bei ihrer Situationsanalyse. Zwar hätten elf Vereine es geschafft, die auferlegten Bedingungen zur Lizenzerteilung zu erfüllen. Allerdings wurden die notwendigen 64 Millionen Euro weitestgehend mit fremdem Kapital finanziert (57 Millionen) – was die Probleme nur aufschiebt.