Rangnick und Klopp vor Supercup harmonisch

Peter Müller

Gelsenkirchen. Die Trainer der beiden Ruhrgebietsklubs Schalke 04 und Borussia Dortmund stimmen sich auf ein interessantes Derby ein und pflegen dabei ein sportliches Miteinander.

Vor den beiden Trainern steht die Trophäe. Sie nennt sich Supercup, ist veredelt mit Sterling-Silber und mit Feingold, oben thront ein Ball aus Chrom. „Sieht besser aus, als ich dachte“, sagt Jürgen Klopp, der Trainer des Deutschen Meisters Borussia Dortmund, der am Samstag ab 20.30 Uhr um diesen Cup gegen DFB-Pokalsieger Schalke 04 spielen wird. Schalkes Arena ist ausverkauft, das ZDF überträgt live, 175 Länder sind angeschlossen. Das Revierderby dient zwei Wochen vor dem Ligastart als idealer Anheizer, Jürgen Klopp spricht sogar von einem „Endspiel“ und versichert: „Die Vorfreude ist riesig!“

Über Nacht ist auch Ralf Rangnick auf die Idee gekommen, den Wert der Partie zu erhöhen. Noch zum Abschluss des Trainingslagers in Österreich hatte Schalkes Trainer den Supercup als „Testspiel unter erhöhten Wettkampfbedingungen“ bezeichnet und zudem bedauert, dass er nicht mehr als drei Spieler auswechseln kann. Jetzt sagt er: „Natürlich ist jedem bei uns klar, dass es nicht nur um diesen Pokal geht, sondern auch um viele Gefühle der Spieler und Fans. Wir werden das Spiel bestreiten, als ob es ein Bundesligaspiel wäre.“ Seine hochmotivierten Profis wollen sich ohnehin nicht aufhalten lassen, von einem Test redet keiner.

Rangnicks ursprüngliche Absicht, die Flamme unter dem Kessel der Emotionen kleiner zu drehen, hat einen durchaus verständlichen Hintergrund. Er weiß, dass eine Heimniederlage seines im Neuaufbau befindlichen Teams gegen diesen homogenen Gegner durchaus möglich ist, er will verhindern, dass die Aufbruchstimmung vor dem Saisonstart auf Kellertemperatur sinken könnte. „Es ist nach knapp drei Wochen schwer einzuschätzen, wo unser maximales Leistungsvermögen liegt“, erklärt er. Für viele seiner Spieler sei die „andere Art von Training“ neu, es werde am Samstag aber nicht reichen, nur 60 Prozent des Einstudierten auf den Platz zu bringen: Gefordert seien bereits „an die hundert Prozent“, meint Rangnick. Und wo steht der BVB? Klopp sieht sein Team noch lange nicht in Topform. „Ich hoffe, dass wir später nicht sagen müssen: Das beste Spiel war der Supercup auf Schalke“, sagt er lachend, und Rangnick lacht mit ihm.

Die beiden müssen Harmonie nicht verkrampft vorspielen, bei aller Revier-Rivalität bevorzugen sie ein entspanntes Miteinander. Schon gegen Ende der vergangenen Saison bezeichnete Rangnick im Interview mit dieser Zeitung das Modell Dortmund und damit auch Klopps Arbeit als vorbildlich, der BVB-Trainer hat sich über ein solches Kompliment ausgerechnet aus dem Mund eines Schalke-Trainers nicht einmal gewundert: „Ralf und ich wertschätzen die Arbeit des Kollegen schon lange, es überrascht mich deshalb nicht so wahnsinnig, wenn er so etwas sagt. Und wenn wir sagen, dass Schalke in der kommenden Saison in oberen Tabellenregionen angesiedelt sein wird, hat das auch etwas mit dem Trainer zu tun.“

Raúl und die Rovers

Erst vor zwei Wochen aber musste sich Rangnick von der Klubführung sagen lassen, dass von ihm geforderte Verstärkungen nur in begrenztem finanziellen Rahmen möglich sind. Darüber war er alles andere als erfreut, inzwischen bewegt er sich aber wieder auf Kurs: „Man muss mit den Mitteln zurechtkommen, die da sind“, sagt er. „Für Transfers, die jetzt noch anstehen, lassen wir uns Zeit, um nichts falsch zu machen.“

Sensibel geht Rangnick auch mit der Personalie Raúl um. Er versucht, die Diskussion um die Position des Weltstars zu entschärfen: „Es gibt keine Veränderung. Er spielt relativ weit vorne, ob mit einer oder zwei Spitzen.“ Englische Medien berichten, dass der reiche indische Klub-Besitzer der Blackburn Rovers den 34-jährigen Spanier auf die Insel locken wolle. „Ich glaube, dass Raúl hier glücklich und zufrieden ist“, sagt Rangnick dazu. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er an einen Wechsel denkt. Deshalb können wir das getrost vergessen.“