Pelé wird 70

Foto: AFP

Essen.. Der Brasilianer Pelé wird am Samstag 70 Jahre alt. Er wurde dreimal Weltmeister und zur Legende. Das IOC wählte Pelé 1999 zum „Sportler des Jahrhunderts“.

Wer auch immer versucht, diesen Mann zu würdigen, muss mit irdischen Maßstäben scheitern. Pelé war übergroß, er ist übergroß. Dieser Mann, schrieb der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, habe „die menschliche Dimension überschritten und sogar Kriege gestoppt“. Es sei doch ganz einfach, befand Kissinger: „Pelé buchstabiert sich G - o - t - t.“

Echauffiert hat sich über diese Blasphemie niemand.

An diesem Samstag wird Pelé, der Gott des Fußballs, 70 Jahre alt. Die Glückwünsche werden wieder Bücher füllen, aber Pelé nahm derlei Huldigungen stets mit dem ihm eigenen Selbstbewusstsein hin: „Vielleicht kennen nicht alle auf der Welt Jesus, aber von Pelé haben sie schon gehört.“

Es wäre ermüdend, alle seine Erfolge und Rekorde niederzuschreiben. Sie sind für die Ewigkeit gemacht. Dieser Fußballer, der am 23. Oktober 1940 im Armenviertel der brasilianischen Stadt Tres Coracoes, der Stadt der drei Herzen, geboren wurde, ist mehr als die Summe seiner Tore und seiner Titel.

Die Mehrzahl der derzeit lebenden Menschen dürften noch gar nicht geboren gewesen sein, als Pelé seine großen Erfolge feierte. Sie haben nie mit eigenen Augen gesehen, wie dieser Stürmer die Gegner narrte, traf wie er wollte, mit links, mit rechts, mit dem Kopf. Die brasilianische Nationalelf führte er so zu drei WM-Titeln – 1958, 1962 und 1970. Doch die Frage nach seinem korrekten Namen würde bei Günther Jauch nicht einmal mehr als 8000-Euro-Frage durchgehen. Edson Arantes do Nascimento ist ins kollektive Gedächtnis geträufelt. Das Bild des weinenden 17-Jährigen auf den Schultern seiner Mitspieler nach dem Gewinn der WM 1958 in Schweden wurde zur Chiffre für die Zauberkraft des Fußballs, für den mystischen Part dieses Spiels.

Er faszinierte Politiker ebenso wie die Künstler

Pelé hat alle fasziniert, die Fans und Gegner auf dem Rasen ebenso wie Politiker und Künstler. Seine These des flüchtigen Ruhms, konstatierte etwa Andy Warhol, werde vom Brasilianer widerlegt: „Statt 15 Minuten Ruhm wird er 15 Jahrhunderte haben.“

Daran haben auch seine missglückten Aktionen abseits des grünen Rasens nie etwas geändert. Mehrfach ging Pelé finanziell in die Knie, vertraute er falschen Freunden, vergaloppierte er sich im Privatleben, drohte sich gar lächerlich zu machen, als er – offenkundig in Nöten – Werbung für die Potenzpille Viagra betrieb.

All’ das aber hat nie zurückgewirkt auf den Giganten Pelé, der in den Neunzigern sogar zum Sportminister Brasiliens ernannt wurde. Seine Nummer 10 wurde zum Mythos, Pelé zur Inkarnation des Fußballs. In der Tat gab es wohl bis zum heutigen Tage keinen vollkommeneren Fußballer als diesen Stürmer, der keine Schwäche zu haben schien.

Selbst als er im Alter von fast 37 Jahren am 1. Oktober 1977 mit dem Spiel Cosmos New York gegen den FC Santos seine späte USA-Karriere beendete und endgültig Abschied nahm, huldigten die Fans immer noch dem Fußballer, nicht dem Denkmal Pelé.

Gerne erzählt der Brasilianer die Geschichte, dass sein Vater ihn nach dem Erfinder der Glühbirne – Thomas Alva Edison – benannte, weil jener das Licht auch in die Provinz brachte. Und Pelé wurde schon als Jugendlicher zum Leuchtstern des Fußballs. Mit 15 Jahren kam er zum FC Santos, ein Jahr später debütierte er in der Seleçao, der brasilianischen Nationalelf. Nur ein Jahr später schoss der 17-Jährige sein Land mit sechs Treffern in vier Spielen zum Weltmeister-Titel in Schweden. Als er elf Jahre später, im November 1969, seinen 1000. Treffer erzielte – es war ein schnöder Elfmeter – erklangen in ganz Brasilien die Glocken.

180 000 Fans kamen zum letzten Spiel

Er wurde zum Heiligtum. Er hat diese Rolle angenommen: „Es gab nur einen Beethoven, und es gibt nur einen Pelé.“ Als er schließlich am 18. Juli 1971 sein letztes Länderspiel für die Seleçao bestritt, winkten 180 000 Fans im Maracana-Stadion von Rio de Janeiro mit weißen Taschentüchern und schrien verzweifelt: „Fica, fica! – Bleib, bleib!“ Pelé ging. Und doch ist er geblieben.

 
 

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