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Niersbach ist der logische Präsident

02.03.2012 | 19:08 Uhr
Niersbach ist der logische Präsident
Für die Einheit des Fußballs: Wolfgang Niersbach, der neue Präsident des DFB.Foto: Alex Grimm/Getty Images

Frankfurt.   Der neue DFB-Chef Wolfgang Niersbach gilt als bestens vernetzter Pragmatiker. Und als freundlicher Mensch. Er betont, dass er kein Revoluzzer sei. Der DFB-Bundestag im Frankfurter Steigenberger-Hotel war als großes Fest der Fußball-Familie inszeniert worden.

Zum Schluss gelang Wolfgang Niersbach noch ein kleiner Witz: Er würde sich ganz bestimmt nicht verändern, weiter mit den gleichen Freunden in den Urlaub nach Fuerteventura fahren und dort auf den Tennisplatz gehen. „Aber vielleicht spielen wir jetzt um den Präsidenten-Cup.“ Niersbach lachte. Nicht affektiert, nicht gekünstelt. Nur freundlich. Er war wie immer. Dabei ist er nun doch auch irgendwie ein anderer.

Kurz zuvor war der 61-jährige Düsseldorfer von den 260 Delegierten wie erwartet als Nachfolger von Theo Zwanziger einstimmig zum elften Präsidenten des Deutschen Fußball Bundes gewählt worden.

Der DFB-Bundestag, „außerordentlich wie außergewöhnlich“ (Niersbach), im Frankfurter Steigenberger-Hotel war wieder als großes Fest der Fußball-Familie inszeniert worden. Von den 54er-Weltmeistern Horst Eckel und Hans Schäfer über den Fast-Alles-Weltmeister Franz Beckenbauer bis hin zu Bundestrainer Joachim Löw (noch nicht Weltmeister) waren die Granden des Fußball gekommen, um der Wachablösung beizuwohnen.

Zwanziger am Ende zermürbt

Der scheidende Präsident Theo Zwanziger, am Ende auch zermürbt von der Kritik an seinem Krisenmanagement in diversen Situationen, vom lauter werdenden Unbehagen über seine Art des Umgangs, begründete seinen vorzeitigen Abschied stiekum: „Man muss wissen, wann es Zeit ist zu gehen“, formulierte der 66-Jährige gewohnt groß und fügte hinzu: „Ich scheide aus dem Amt, aber nicht von den Leuten.“

Jene unter den Leuten, die am Freitag eine Einladung hatten, verabschiedeten den Juristen aus Altendiez mit den anlassüblich warmen Worten und reichlich Girlanden, der Verband benannte die DFB-Kulturstiftung nach ihm, Bundeskanzlerin Merkel sendete eine Videobotschaft, und am Ende heftete ihm der Innenminister gleich noch das Bundesverdienstkreuz an.

Kommentar
Niersbach muss Zwanzigers Leistungen fortführen

Theo Zwanziger war ein schwieriger Präsident des DFB, der sich schnell ungerecht behandelt fühlte. Zwanzigers Themen waren aber die richtigen und wichtigen. Wolfgang Niersbach ist ein Streichler der Seele und ausgezeichnet vernetzt. Er muss die Leistungen Zwanzigers aber fortführen. Ein Kommentar.

Zwanziger sei ein „Anwalt des Amateursports“ gewesen, würdigte Ligapräsident und Profi-Vertreter Reinhard Rauball und erinnerte an das unbestreitbare Verdienst Zwanzigers, die gesellschaftspolitische Bedeutung des Fußballs betont zu haben mit seinem Engagement für den Frauenfußball, den Einsatz gegen Diskriminierung, für Toleranz und Integration. „Die großen Leistungen stehen weit über dem. was man dir als Fehler ankreiden kann“, urteilte Rauball.

Wolfgang Niersbach wird dereinst wohl kaum als Vorreiter für derlei Themen gepriesen, die vor allem viel öffentliches Renommee erzeugen; der frühere Sportjournalist und langjährige DFB-Generalsekretär ist vielmehr ein offener, durchaus jovialer, international erfahrener Funktionär mit einem imposanten Netzwerk, der – gestählt durch 24 Jahre beim Verband – bei den Verantwortlichen in Sport und Politik als verlässlichste aller Größen gilt; der logische Präsident.

Er wolle „den Fußball in den Mittelpunkt stellen“, sagte Niersbach so vage wie hintergründig. Er sei „kein Revoluzzer“ und wolle den DFB nicht revolutionieren, sondern „als Dienstleister und Service-Anbieter“ weiterentwickeln. Das rhetorische Pathos seines Vorgängers geht ihm ab, die Vision des Weltfriedens, gestiftet von Männern und natürlich Frauen in kurzen Hosen, ist bei ihm nicht zu erwarten; er ist ein überaus menschlicher Praktiker, schlau genug, nicht in das funktionierende Räderwerk zu greifen, aber ab und an zu ölen.

Fixstern Nationalelf

So zerstreute Niersbach die anfänglich im Amateurlager durchaus vorhandene Befürchtung, der Quereinsteiger ohne den Stallgeruch des verdienten Ehrenamtlers könne die Basis der Sports, das Amateurlager, vernachlässigen: „Wir brauchen die Einheit des Fußballs, die Einheit von Spitze und Breite.“

Seine Leidenschaft aber, kein Zweifel, gilt der Nationalmannschaft, dem „Fixstern“ des deutschen Fußballs, wie ihn Niersbach nannte. Mehr als 400 Länderspiele hat der einstige DFB-Pressechef gesehen, es sind Franz, Günter, Kalle, Rudi und Lothar, die ihn prägten. Die DFB-Auswahl ist für Niersbach die Lokomotive, und „je besser wir das Kerngeschäft im Griff haben, desto überzeugender und glaubwürdiger können wir für andere Themen eintreten“. Dafür muss er nicht ‘mal ein anderer Mensch werden.

Dirk Graalmann


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