Niersbach - ein Teamplayer als Kapitän

Reinhard Schüssler
Der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erfährt in der Fußball-Szene eine hohe Akzeptanz. Anders als Vorgänger Theo Zwanziger, dessen Verdienste um,die gesellschaftspolitische Positionierung des Fußballs unbestritten sind, läuft er kaum Gefahr, Opfer seiner Eitelkeit zu werden. Ein Kommentar.

Frankfurt. Der Wechsel in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes mag weniger Aufsehen als jener im Schloss Bellevue erregen, unterschätzen sollte man den Machtwechsel an der Spitze des größten Einzel-Sportverbandes der Welt dennoch nicht.

Um Theo Zwanzigers Stellenwert in der Geschichte der DFB-Präsidenten zu würdigen, ist es hilfreich an seinen Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder zu erinnern, der nicht erst gegen Ende seiner Amtszeit schwer zu ertragen war. Zwanziger hatte die mit ihm verbundenen Hoffnungen zunächst erfüllt, indem er den Fußball gesellschaftspolitisch neu positionierte. Sein Krisenmanagement dagegen wurde von Fall zu Fall schlechter. Was auch damit zusammenhing, dass er – wie viele Führungskräfte – irgendwann dem Irrtum aufsaß, der Star sei nicht die Mannschaft, sondern der Präsident.

Die Gefahr, die eigene Bedeutung zu überschätzen und Opfer seiner Eitelkeit zu werden, ist bei Zwanzigers Nachfolger vergleichsweise gering. Wolfgang Niersbach nimmt man die Rolle des Teamplayers ab. Ungeachtet des bei Verabschiedungen und Inthronisierungen offenbar unvermeidlichen Gesülzes bleibt die hohe Akzeptanz, die der neue Präsident in der Fußball-Szene findet, bemerkenswert.

Niersbach bisher eher im Hintergrund

Der 61-jährige Düsseldorfer, der bisher eher im Hintergrund auf Ballhöhe blieb, ist seit Jahren in der Branche bestens vernetzt, hat es dabei aber geschafft, nicht dem herkömmlichen Bild des Funktionärs zu entsprechen. Dass er als langjähriger, von den Kollegen geschätzter Journalist mit den Medien-Mechanismen bestens vertraut ist, wird ihm bei seiner neuen Aufgabe, die ihn schlagartig in den Fokus rückt, auch nicht gerade zum Nachteil gereichen.