Veröffentlicht inFussball

Neues aus der Glaskugel – So läuft der Tag des Champions-League-Finales

SammerBlick.jpg
Foto: Imago
Am 25. Mai steigt das große Champions-League-Finale zwischen dem BVB und den Bayern. Wir wissen schon jetzt, wie der Tag in London abläuft. Matthias sucht vergeblich nach Ausreden, Mario ist froh, dass es seine Mama gibt, und Tommy, der Pubbesitzer hat die Deutschen unterschätzt. Ein Blick in unsere Glaskugel.

Essen. 

Es ist ein wunderschöner Morgen in London. Die Sonne geht gerade auf, kaum eine Wolke am Himmel. Ein Fußballtag aus dem Katalog. Und einer, der als einer der wenigen schon wach ist in der Stadt des Champions-League-Finales, ist schon stinksauer.

5.10 Uhr: Matthias hatte diese Aufgabe tagelang vor sich her geschoben. Ihm fällt aber immer noch nichts ein. Wie zum Teufel soll er den Menschen erklären, dass die Saison für den FC Bayern doch was wert war, wenn seine Mannschaft nachher verliert? Wie erklären, dass das gegen den BVB gar nicht außergewöhnlich ärgerlich sei? Dieser blöde BVB, der ihn mit der Meldung von Marios Ausfall bestimmt nur ärgern wollte. Nach einer halben Stunde knallt er sein Notebook zu. Jerome im Nebenzimmer hört, wie etwas ganz feste gegen die Wand fliegt.

5.22 Uhr: Tommy fällt halbtot ins Bett. Normalerweise kann er seinen Pub samstagmorgens gegen 2 Uhr abschließen. Aber diese deutschen Fußballfans….

8.30 Uhr: Marios Handy klingelt. Das tut es seit dem Viertelfinale jeden Tag um diese Zeit. „Junge, mach dir keinen Kopf. Du musstest so viel Geld annehmen. Und München ist doch auch ganz schön. Und bestimmt spielst du da auch ganz viel. Und bestimmt ist der Matthias gar nicht so sauer, wie alle immer sagen.“ Mario grübelt. Das tut er seit dem Viertelfinale immer um diese Uhrzeit. „Meinst du wirklich, Mama?“ „Junge, ist doch erst mal egal. Heute spielst du doch noch für Dortmund.“

9.15 Uhr: Matthias ist sauer. Auf den Mann am Frühstücksbuffet. Das Spiegelei ist ihm für ein Frühstück des FC Bayern zu labbrig. Er diskutiert mit dem Hotel-Manager. Über das Spiegelei. Während es kalt wird.

9.20 Uhr: Das Spiegelei schmeckt Mario hervorragend. Er sitzt mit Marco, Kevin und Mats am Tisch. Die Stimmung ist super. Sie lachen sich tot darüber, dass alle denken, dass Mario nicht spielen könnte. Dann aber fragt Kevin: „Mats, warum hast du Barcelona eigentlich abgesagt?“ Mats lacht. „Wer geht denn freiwillig weg von der Südtribüne?“ Mats stockt. „Oh. Sorry Mario.“ Mario ruft schnell seine Mutter an.

12 Uhr: Tommy haut noch schnell ein Stück Butter zu seinem Spiegelei in die Pfanne. Etwas Fettiges muss jetzt her. Er dachte immer, die Deutschen könnten nicht feiern. Und gestern war ja erst der Tag vor dem Finale. Er haut noch ein bisschen Speck in die Pfanne. Und noch mehr Butter.

12.30 Uhr: Matthias ist sauer. Auf Manuel und Rafinha. Die beiden haben an der Playstation ein Spiel verloren. Mit Bayern. Gegen Dortmund. Auf Schwierigkeitsgrad Amateur. So ginge das nicht beim FC Bayern, sagt Matthias, kassiert die Playstation ein und geht in sein Zimmer. Er spielt er so lange, bis er einmal gegen Dortmund gewonnen hat.

14 Uhr: Mario hat Mitleid. Mit Leonardo. Der hatte bei der lockeren Laufeinheit auf einmal angefangen zu weinen. Was denn los sei, will Mario wissen. „In Hannover haben die sogar noch `ne Laufbahn um das Spielfeld. Ich will nicht weg von der Südtribüne!“ Mario wird übel. Jürgen hat Mitleid. Mit Leonardo und Mario.

15 Uhr: Tommy geht von seiner Wohnung eine Etage runter in seinen Pub. In zwei Stunden will er öffnen. Vor der Eingangstür stehen die ersten Menschen. 20 in Schwarz-Gelb. Zwei in Rot.

16 Uhr: Matthias ist sauer. Auf Uli Hoeneß. Der steht am Münchener Flughafen und wird nicht in den Flieger gelassen. Er hat seinen Personalausweis nicht dabei. Hoeneß sagt, er habe auf ein Einreiseabkommen mit Großbritannien gesetzt.

16.10 Uhr: Marios Handy klingelt. Der Makler aus München ist dran und nennt ihm ein paar Zahlen. Mario wird schlecht.

16.20 Uhr: Tommy schließt seinen Pub auf. Mittlerweile stehen gut 50 Leute vor seinem Laden. Das Geschäft kann er sich nicht entgehen lassen, denkt er. Die Schwarz-Gelben singen ihm ein Lied. Die fünf Roten sind erst einmal ruhig.

17 Uhr: Matthias hat an der Playstation endlich ein Spiel gewonnen. Es klopft an der Tür. Jupp bittet ihn zum Bus. „Es warten schon alle.“ Matthias ist sauer auf Jupp. Matthias: „Du hättest mich auch mal früher holen können.“ Jupp: „Ich wollte dich lieber in Ruhe lassen. Manuel hat gesagt, du wärst sauer.“

18 Uhr: Mario betritt mit seinen Teamkollegen den Rasen in Wembley. Aus der BVB-Ecke schallen „Nur der BVB“, dann „Heja BVB“, dann noch ein paar Lieder. Aus der Bayern-Ecke schallt das Bayern-Lied. Immer wieder das Bayern-Lied.

18.40 Uhr: Tommy schickt die zehn Menschen in Rot in den hinteren Raum seines Pubs. Er kann ihr Lied nicht mehr hören. Immer wieder dieses eine Lied. Ob die sich nicht mal ein zweites einfallen lassen können, fragt er sich. Jetzt hat er auch Bock auf das Finale.

19.30 Uhr: Matthias ist sauer. Auf Jessica. Sky habe viel zu viel über diesen, ach, so großen Druck für die Bayern berichtet. „Also ist er gar nicht so groß?“, fragt Jessica. „Natürlich nicht.“, sagt Matthias. Seine Halsschlagader verrät was anderes.

20.30 Uhr: Mario geht im Spielertunnel an Manuel vorbei. Der erzählt Philipp gerade, wie sauer Matthias vorhin war. Mario wackeln kurz die Knie. Es geht raus aufs Spielfeld. Draußen hört er aus der BVB-Ecke „Maaaaario Gö – tze“. Er hat ein gutes Gefühl.