Neid beklagt "katastrophalen Zustand" der DFB-Frauen vor WM

Silvia Neid sieht die Schuld für den verpassten WM-Titel auch bei den Vereinen ihrer Spielerinnen.
Silvia Neid sieht die Schuld für den verpassten WM-Titel auch bei den Vereinen ihrer Spielerinnen.
Foto: Carmen Jaspersen
Die DFB-Frauen enttäuschen bei der bei der WM auch im Spiel um Platz 3. Bundestrainerin Silvia Neid sieht Handlungsbedarf bei den Bundesligaklubs.

Edmonton.. Das Bild ist unvergessen. Silvia Neid auf der Ehrentribüne der Frankfurter Arena. Und Beifall klatschend für die Japanerinnen. Damals am 17. Juli 2011 leistete die Bundestrainerin Beistand für den Außenseiter, als dieser im Finale der Frauen-WM den Favoriten USA aufs Kreuz legte. Zuvor war die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im Viertelfinale an den Asiatinnen gescheitert, und die Parteinahme hat ihr speziell in Amerika einigen Kredit gekostet. Vielleicht ist es ganz gut, dass der 51-Jährigen beim Finale der Frauen-WM 2015 ihre Anwesenheit bei der Neuauflage des Finals von 2011 erspart blieb.

Denn am Sonntag ist es zu dem kuriosen Umstand gekommen, dass die von Edmonton nach Vancouver geflogene deutsche Delegation im Terminal von Vancouver auf ihre zwei Weiterflüge wartete – der eine Linienflug (LH 493) soll am Montag um 10.55 Uhr in Frankfurt, der andere (LH 477) um 13.55 in München landen – während im BC Place das Finale USA - Japan (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) stattfand. Es wäre nur eine kurze Autofahrt über die Cambie Street gewesen, um dorthin zu gelangen. Aber für wen hätte Neid sein sollen? Etwa für die US-Girls, die diesmal im Halbfinale den deutschen Titeltraum platzen ließen?

DFB-Frauen erzielen wieder kein Tor

Deutschland hat rückblickend alle Ansprüche auf die finale Bühne verspielt. Nachdem das zur Versöhnung gedachte Spiel um Platz drei gegen England – einen Gegner, gegen den die DFB-Auswahl noch nie verloren hatte – mit einer 0:1-Niederlage nach Verlängerung unschön endete, staute sich im Commonwealth Stadium von Edmonton unendlich viel Frust an.

„Wir machen das verflixte Tor nicht und kriegen dann wieder ein Eierding rein. Jetzt fahren wir mit einem Kack-Gefühl nach Hause“, drückte Deutschlands Fußballerin des Jahres, Alexandra Popp, ihre Gefühle aus. Und es flossen vor Ort viele Tränen. Als vor den Augen von Simone Laudehr sich der Gegner die bronzenen Plaketten abholte, legte sich die hemmungslos weinende Dauerläuferin bäuchlings aufs Plastikgras und befeuchte den künstlichen Untergrund ausgiebiger als die kleinen Tankwagen.

Tränen statt Trostpreis.

Bundestrainerin Neid kontert Kritik

Auch das selbst ernannte Kampfschwein vom rechten Flügel kam ab dem Viertelfinale kaum noch durch, geschweige denn zum Abschluss. Überall waren von Frankreich, USA und nun auch vom eigentlich limitierten Team England imaginäre Stoppschilder auf dem Feld aufgestellt worden. Eine spielerische Lösung dafür? Fehlanzeige. „Je besser der Gegner wird, desto schwerer haben wir uns getan“, räumte Silvia Neid ein. Nach ihrem Dafürhalten sind aber nicht das Spielsystem oder die Einstellung, sondern die Ausbildung und die Qualität der Spielerinnen dafür verantwortlich.

Deshalb rollte die Fußballlehrerin aus dem Odenwald den Ball nach umfassender Kritik aus der Liga direkt an die Vereinstrainer zurück. „Man muss auch dafür sorgen, dass die Spielerinnen sich weiterentwickeln.“ In den Klubs solle bitteschön ein besserer Spielaufbau, eine gepflegtere Ballbehandlung einstudiert werden. Sie habe aus dem Ende Mai in der Schweiz eingetroffenen Spielerinnen gar nicht mehr machen können. „Wir hatten sie zehn Tage in der WM-Vorbereitung und das war eine Regeneration, weil die Spielerinnen in einem katastrophalen Zustand zu uns kamen. Wir mussten erst mal schauen, dass wir die Blessuren hinkriegen. Dafür können wir froh sein, dass wir so weit gekommen sind.“

Im weiblichen Segment ist das Ping-Pong-Spiel damit in vollem Gange, wer die Schuld am Abschneiden trägt. Auf die gemeinsame Analyse mit Silvia Neid, die das Team bis zu den Olympischen Spielen 2016 trainieren wird, müssen die Kritiker indes noch warten. Die Chefin will ihrer Trainercrew, die in aller Ruhe die Lehren aus dieser WM ziehen soll, nicht vorgreifen.

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