Nach Trikotwurf: Bayerns Franck Ribéry rechtfertigt sich

Franck Ribéry vom FC Bayern war mit seiner Auswechslung nicht einverstanden.
Franck Ribéry vom FC Bayern war mit seiner Auswechslung nicht einverstanden.
Foto: Getty Images

München.. Es gab nach all den irritierenden und disharmonischen Eindrücken beim FC Bayern tatsächlich auch jemanden, der ziemlich vergnügt Bilanz zog. Der weitgehend schleppende 3:0-Auftaktsieg in der Champions League gegen den RSC Anderlecht, der nach der Roten Karte gegen Sven Kums in der elften Minute fast das gesamte Spiel in Unterzahl agieren musste? Franck Ribérys wütender Trikotwurf nach seiner Auswechselung, nach der er vom üblichen Handschlag mit Trainer Carlo Ancelotti absah? Die scharfe Kritik Arjen Robbens an der uninspirierten und lethargischen Spielweise? All das spielte für Niklas Süle keine nennenswerte Rolle. „Soweit ich das beurteilen kann, ist die Stimmung in der Mannschaft wirklich überragend“, sagte der Innenverteidiger. Und auch sportlich sei der Sieg gegen den belgischen Meister zufriedenstellend ausgefallen.

Schöner Abend für Bayern-Debütant Süle

Vielleicht muss man Süle die äußerst entspannte Sicht der Dinge nachsehen. Aus Hoffenheim ist der 22-Jährige im Sommer zum deutschen Branchenführer gekommen. Er hatte am Dienstagabend sein erstes Spiel auf Europas wichtigster Bühne des Vereinsfußballs bestreiten dürfen, sogar von Anfang an. Für ihn persönlich war es gewiss ein gelungener Abend, und hätte er nun noch im Trikot der TSG Hoffenheim nach einem 3:0 gegen Anderlecht gesteckt, wäre wohl auch sportlich wenig auszusetzen gewesen. Doch das Gespür für die Ansprüche des FC Bayern und für das Reizklima, das bei diesem gerade herrscht und sich schnell zu einer unheilvollen Gemengelage auswachsen kann, ging dem jungen Süle nun in Teilen durchaus verständlich ab.

Andere kennen das Münchener Innenleben schon seit vielen Jahren, und sie erkennen, wenn es bedrohlich rumort und rumpelt im Gefüge. Wie Arjen Robben, 33, seit 2009 beim FC Bayern und noch immer äußerst ehrgeizig im Herbst seiner Karriere, die er mit einem weiteren großen Titel versehen möchte. Er habe ja nicht mehr viel Zeit, sagte der Niederländer am Ende einer ziemlich wütenden Ruck-Rede. „Ich will genießen, ich will Spaß haben auf dem Platz – so geht das nicht.“

Es fehlt eine klare Leitidee

Trotz der frühen Führung durch Robert Lewandowskis Foulelfmeter (12.) habe die Mannschaft „ohne Tempo, ohne Rhythmus“ gespielt, erst spät sicherten Thiago Alcántara (65.) und Joshua Kimmich (90.) mit weiteren Toren jenen Pflichtsieg ab, der nach der jüngsten 0:2-Niederlage in der Bundesliga bei Süles früherem Klub über weite Strecken nicht überzeugend ausgefallen war und eher die Kritiker bestärkte, die eine klare Leitidee und Entwicklung unter Trainer Carlo Ancelotti vermissen.

Was bei den meisten Münchenern blieb, waren Frust und Fragen. Robben brachte dies in seinen Forderungen zum Ausdruck. „Da musst du Leidenschaft zeigen, da musst du geil sein, mehr Tore zu schießen“, sagte er. „Das Publikum verdient mehr. Da musst du Gas geben. Bei allem Respekt: Nach der Roten Karte musst du die aus dem Stadion schießen.“ Viel mehr „Bock, Ehrgeiz, Aggressivität und Überzeugung“ mahnte Robben an, zumal in der eigenen Arena. Und zwischendurch fiel jener Satz, der den Grund seiner Besorgnis enthielt: „Gegen stärkere Gegner bekommen wir so Probleme.“

Ribéry begründete seine wütende Reaktion nach der Auswechslung mit seinem leidenschaftlichen Einsatz. „Der Wurf meines nassen Trikots von letzter Nacht hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun oder irgendetwas anderem, das mir vorgeworfen wird von Leuten, die glauben, mich zu kennen“, teilte der 34 Jahre alte französische Fußball-Profi am Mittwoch über die sozialen Netzwerke mit.

Der nächste Gegner ist Paris

Das nächste Gruppenspiel steht am 27. September bei Paris Saint-Germain an – die Franzosen haben unter anderem mit dem 222-Millionen-Euro-Rekordtransfer von Neymar den Angriff auf Europas Thron ausgerufen. Mit dem 5:0 bei Celtic Glasgow untermauerte PSG seine Ansprüche. Bei den Bayern hingegen entsteht derzeit eher der Eindruck, dass sie sich von Europas Spitze schleichend entfernen. (mit dpa)

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