"Wir können froh sein" - MSV Duisburg kippt Vertrag mit Sportfive

Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann
MSV-Aufsichtsratschef Jürgen Marbach: „Vertrag mit Sportfive hätte den MSV in Bedrängnis gebracht.“
MSV-Aufsichtsratschef Jürgen Marbach: „Vertrag mit Sportfive hätte den MSV in Bedrängnis gebracht.“
Foto: WAZ FotoPool
Der MSV Duisburg treibt die Planungen für die 3. Liga weiter voran. Auf der Tagesordnung: Sponsorenverträge. Alle Verträge wurden nur für die 2. Liga abgeschlossen. Die Verhandlungen beginnen von vorne. Der Vertrag mit Sportfive ist bereits geplatzt - zur Freude von Aufsichtsratschef Jürgen Marbach.

Duisburg. Am Dienstag-Nachmittag saß Ex-MSV-Trainer Kosta Runjaic noch mit seinem – ehemaligen – Assistenten Ilia Gruev in der Duisburger Innenstadt in einem Straßencafé. Ende der Woche will der Fußball-Lehrer seine Zelte in Duisburg endgültig abbrechen. Die Nachricht, ob der MSV Duisburg die Lizenz für die 3. Fußball-Liga erhält, wird Runjaic vermutlich auf der Heimfahrt in den heimischen Rheingau erfahren.

Fehlkalkulationen bei Abschluss der Sponsorenverträge

Weiterhin arbeiten die Gremien des MSV fieberhaft, um die Bedingungen für die Lizenzerteilung zu erfüllen. Fortschritte gab es am Mittwoch beim Sponsoring der Stadtwerke (unter anderem Trikotwerbung, Banden und Logen). Die Stadtwerke-Marke „Rheinpower“ soll auch in der 3. Liga die Trikotbrust der Zebras zieren, allerdings zu einem deutlich geringerem Preis als in der 2. Bundesliga.

Dass alle Sponsorenverträge nur für die 2. Bundesliga abgeschlossen waren, erschwert die Arbeit des MSV-Marketing-Teams. Mit der Lizenzverweigerung für die 2. Liga musste der MSV bei Null anfangen und mit allen ehemaligen Geldgebern neu verhandeln. „Die 3. Liga komplett auszublenden, war sehr blauäugig“, zeigt der neue MSV-Aufsichtsratschef Jürgen Marbach kein Verständnis für die Situation. Immerhin musste der MSV auch aus sportlicher Sicht im Frühjahr den Abstieg in die 3. Liga mit einkalkulieren. Offenbar hatte sich die Vereinsführung darauf verlassen, dass der MSV den Abstiegskampf gewinnen würde.

MSV-Aufsichtsratschef froh über Sportfive-Aus

Endgültig geplatzt ist der Marketingvertrag mit der Hamburger Agentur Sportfive. Der MSV hatte am 23. Mai den Sportrechtevermarkter mit ins Boot genommen, um auf den letzten Metern des Zweitliga-Lizenzierungsverfahren die nötige Liquidität zu erzielen. Sportfive sollte über eine Signing Fee in Höhe von zwei Millionen Euro kurzfristig helfen. Laut Marbach hätte der MSV so zwar schnelle Hilfe erhalten, hätte sich langfristig jedoch durch diesen Kontrakt in die Bredouille gebracht. Marbach: „Ich hätte diesen Vertrag, der mit der heißen Nadel gestrickt wurde, nicht unterschrieben. Er war gut für Sportfive, aber auf lange Sicht schlecht für den MSV. Im Prinzip können wir froh sein, dass die Vereinbarung jetzt hinfällig ist.“

In der vergangenen Woche war Sportfive auch noch für einen Drittliga-Kontrakt im Rennen, davon nehmen beide Parteien nun allerdings Abstand. „Sowohl Sportfive als auch wir haben gesagt, dass es keinen Sinn macht“, so Marbach. Die Verpflichtung einer Marketing-Agentur könnte später noch einmal auf der Agenda landen. Laut Marbach wäre Sportfive dann ebenso Ansprechpartner wie Infront mit Günter Netzer als Geschäftsführer.

In den aktuellen Lizenzkampf fließen die Duisburger Vermarkter-Gedankenspiele nicht mit ein. Marbach setzt darauf, dass die Anstrengungen der letzten Tage zum Erfolg führen. Der Ex-Wolfsburger: „Der DFB hat bei seiner Entscheidung einen gewissen Ermessensspielraum.“