Wie der TSV Bockum den MSV Duisburg im Niederrheinpokal ärgern will

Ingmar Kreienbrink
In der Krefelder Grotenburg will der Bezirksligist TSV Bockum den Drittligisten MSV Duisburg im Niederrheinpokal fordern.
In der Krefelder Grotenburg will der Bezirksligist TSV Bockum den Drittligisten MSV Duisburg im Niederrheinpokal fordern.
Foto: WNM
Der Krefelder Bezirksligist TSV Bockum fiebert dem Niederrheinpokal-Spiel gegen den MSV Duisburg entgegen. Am Mittwochabend will der Siebtligist die Profis ärgern und hat einige wenige Schwächen beim MSV ausgemacht. Der Bockumer Trainer weiß übrigens, wie Pokal-Sensationen funktionieren - einst zum Leidwesen von Jürgen Klopp.

Krefeld. „Zehner“ Christian Hackfurth verzieht keine Miene: „Das ist doch ein Spiel wie jedes andere“, sagt der 26-Jährige trocken – und erntet schallendes Gelächter aus der anderen Ecke der Kabine. „Ja, sicher“, tönt es von seinen Mitspielern. Dabei gibt es beim Krefelder Bezirkligisten TSV Bockum seit Wochen tatsächlich nur noch ein Thema: das Spiel gegen den MSV Duisburg am 21. August in der ersten Runde des Niederrheinpokals.

Für den Siebtligisten, dessen größter Erfolg bislang ein einjähriges Gastspiel in der Landesliga war, ist das Pflichtspiel gegen den Ex-Erstligisten das Spiel des Jahrhunderts. „Es gibt keine bessere Bühne, sich zu präsentieren“, weiß Bockums Trainer Tino Reucher (40). „Einige Spieler werden wohl nur diese eine Chance in ihrem Fußballer-Leben haben, in einem Pflichtspiel gegen einen Traditionsverein wie den MSV Duisburg vor so einem großen Publikum zu kicken“.

Gastgeber erwarten einige tausend Fans des MSV Duisburg

Die Zuschauerzahl ist die große Unbekannte, die den Verantwortlichen gleichermaßen Freude als auch Sorgen bereitet. „Uns war klar, dass wir das Spiel auf unserer Platzanlage nicht durchführen können“, erzählt der stellvertretende Vorsitzende des TSV Bockum, Reiner Hohn. Mit der Grotenburg – dem Stadion des Regionalligisten KFC Uerdingen – war schnell Ersatz gefunden.

Nachdem die Schätzung der erwarteten MSV-Fans bei dem aktuellen Hype in Duisburg von 1000 bis zu 5000 variiert, musste der Verein mit Stadt und Polizei ein teures Sicherheitskonzept auf die Beine stellen. „Das ist ein großes finanzielles Risiko für so einen kleinen Verein, aber wir hoffen, dass trotzdem etwas übrig bleibt“, sagt Hohn.

Bockumer verrät die Schwächen in der MSV-Abwehr

Was definitiv bleiben soll, ist die Erinnerung an ein großartiges Erlebnis. „Die Jungs sollen das einfach genießen“, so Trainer Reucher und stellt eines klar: „Ich erwarte aber auch, dass sich jeder auf dem Platz für die Mannschaft zerreißt und wir es dem MSV Duisburg so schwer wie möglich machen“.

Für Philipp Alker dürfte es sogar das Match seines Lebens werden. Der 18-Jährige ist durch und durch MSV-Fan. „So oft wie möglich gehe ich ins Duisburger Stadion – Stehplatz Nordkurve natürlich“, sagt Alker stolz. Vor Ehrfurcht will er trotzdem nicht erstarren. „Ich werde Vollgas geben und versuchen, den einen oder anderen Spieler auszuspielen“, sagt der Flügelflitzer. „Der Bajic ist ja nicht der Schnellste“, fügt Alker mit einem Grinsen hinzu. Nach dem Spiel will er sich übrigens ganz fix das Trikot des neuen MSV-Stürmers Onuegbu schnappen: „Der ist bärenstark“.

"Hauptsache Stimmung" in der Krefelder Grotenburg

Trotz des großen Klassenunterschiedes gehen die Bockumer davon aus, dass sie sich nicht von den MSV-Profis abschießen lassen: „Wir müssen so lange wie möglich dagegen halten“, fordert Kiki Lenz. „Und bei einem Gegentor nicht direkt die Köpfe hängen lassen“, ergänzt Daniel Vollmer. Lenz und Vollmer gehören zu den wenigen erfahrenen Spielern in einer jungen von Euphorie getragenen Truppe, die sonst in Meisterschaftsspielen teils vor nur 30 Zuschauern spielen.

Beide sind gespannt, wie sie in den Zweikämpfen mit den Profis abschneiden. „Ich hoffe, dass ein paar Zuschauer auch uns bei gelungenen Aktionen zujubeln“, sagt Kiki Lenz. „Und wenn nicht, ist es auch egal – Hauptsache es herrscht Stimmung“, so der 31-Jährige, der unter sein Bockum-Trikot eines seines Lieblings-Vereins 1. FC Köln anziehen will – „falls ich doch ein Tor mache“, flachst Lenz.

Der kleine Funke Hoffnung gegen den MSV Duisburg

Insgeheim malen sich die Amateurfußballer schon aus, wie es wäre, wenn sie den MSV tatsächlich ein wenig ärgern könnten. „Wir haben im Mittelfeld einige Spieler, da werden sich die Profis wundern“, orakelt Reiner Hohn. Und der vereinsinterne Beini-König Maurice Kreutz verspricht grinsend: „Wenn einer den Tunnel aufmacht, ist der Ball durch“. Kreutz bekommt es auf seiner Seite wohl mit dem erfahrenen MSV-Spieler Sascha Dum zu tun: „Natürlich habe ich Respekt und will so wenig Fehler wie möglich machen.“

Ganz besonders wird es in dem Spiel auf den Bockumer Torwart und Kapitän Dennis Haefs (28) ankommen, der seinen Kasten unbedingt dicht halten will: „Wenn es im Fußball Sensationen gibt, dann im Pokal. Und warum nicht auch wir gegen den MSV Duisburg?“

Bockums Trainer schmiss Jürgen Klopp aus dem DFB-Pokal

Einer weiß übrigens, wie man einen „Großen“ rausschmeißt: Bockums Trainer Tino Reucher hat als aktiver Spieler bei der SSVg Velbert nicht nur einst im Finale des Niederrheinpokals das Siegtor in der 90. Minute gegen den Wuppertaler SV geschossen, womit sein Verein in den DFB-Pokal einzog. In der ersten Runde des DFB-Pokal kegelte er mit Velbert den FSV Mainz 05 (damals noch Zweitligist) mit einem Trainer namens Jürgen Klopp im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb.