Warum Neururer über MSV-Trainer Sasic herzieht

Nils Balke
Schießt verbal scharf gegen MSV-Trainer Milan Sasic: Peter Neururer. Foto: imago
Schießt verbal scharf gegen MSV-Trainer Milan Sasic: Peter Neururer. Foto: imago
Die Wortwahl hatte es in sich. Trainer Milan Sasic sei "ein ganz mieser Kollege", diskreditierte Peter Neururer seinen Nachfolger beim Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg. Nun begründet der 56-Jährige seine Verbalattacke im Detail.

Duisburg. "Er ist ein ganz mieser Kollege, der auf eine ganz schlimme Art und Weise versucht sich zu profilieren." Peter Neururer entschied sich im Interview mit der Hamburger Morgenpost für eine explizite Wortwahl. Seine Meinung über MSV-Trainer Milan Sasic schlägt derzeit hohe Wellen. Was dem 56-Jährigen aber keinen Anlass gibt, von seinem Standpunkt abzurücken. "Ich habe eine konkrete Aussage getroffen, zu der ich auch weiterhin stehe", sagt der frühere Duisburger Trainer im Gespräch mit DerWesten. Bei seiner Erklärung greift er vier Jahre zurück.

"Milan Sasic hätte eigentlich von Uwe Rapolder lernen sollen", verweist Neururer auf den Trainerwechsel bei der TuS Koblenz im April 2007. Die Vereinsführung reagierte mit Sasic' Entlassung nach knapp fünfjähriger Amtszeit auf die anhaltende Niederlagenserie und stellte Rapolder als neuen Cheftrainer in Koblenz vor. "Er hat nach seinem Amtsantritt ausdrücklich Milan Sasic für die Arbeit gelobt, die er zuvor bei der TuS geleistet hatte", sagt Neururer. Seine Verbalattacke gegen den derzeitigen Duisburger Trainer begründet er nun mit seiner Auffassung, Sasic habe "beim MSV ganz klar gegen einen Ehrenkodex verstoßen. Die Arbeit des Vorgängers zu kritisieren, das gehört sich einfach nicht."

Neururer fühlte sich von Sasic kritisiert

Der Sasic-Vorgänger in Duisburg war bekanntlich Neururer selbst. Nachdem ihn der MSV-Vorstand Ende Oktober 2009 vor die Tür gesetzt hatte, fühlte er sich von seinem Nachfolger offenbar ins schlechte Licht gerückt: "Er hat den Zustand der Spieler kritisiert und gesagt, es gebe vor allem im körperlichen Bereich noch viel zu tun. Daraufhin habe ich das Gespräch mit ihm gesucht." Der damalige MSV-Manager soll dabei eine Vermittlerrolle eingenommen haben: "Ich habe zunächst mit Bruno Hübner gesprochen, um mit Milan Sasic zu reden." Neururer erwartete eine Stellungnahme. Dieser Erwartung soll der kroatische Fußballlehrer aber nicht nachgekommen sein.

Woraufhin Neururer nach eigener Aussage noch einen Schritt weiter ging. "Ich habe den Bund Deutscher Fußball-Lehrer darüber informiert. Mir wurde gesagt, es gebe zwar einen Kodex, aber es wurden keine weiteren Maßnahmen ergriffen." Horst Zingraf, Vorsitzender des Fußball-Lehrer-Bundes, dementiert allerdings eine Beschwerde. "Mir ist nichts bekannt." Und schiebt nach: "Die Bezeichnung ,mieser Kollege’ ist nicht akzeptabel. Wir haben einen Verhaltenskodex, der sowas ausschließt."

Neururer, der das 1:2 der Zebras in St. Pauli für den TV-Sender Sport1 als Experte kommentierte, lässt nicht unerwähnt, dass er "eigentlich gar nichts öffentlich sagen wollte. Ich habe anderthalb Jahre geschwiegen, aber wenn ich konkret gefragt werde, gebe ich auch eine Antwort." Sasic, der mit den sieglosen Zebras im Tabellenkeller steckt, will sich in der Angelegenheit an seine Linie halten: "Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu dem, was andere Trainer über mich sagen."