Verbleib von Trainer Runjaic beim MSV Duisburg gilt nicht als sicher

Dirk Retzlaff
MSV-Trainer Kosta Runjaic feierte nach dem letzten Saisonspiel mit den Fans.
MSV-Trainer Kosta Runjaic feierte nach dem letzten Saisonspiel mit den Fans.
Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Trainer Kosta Runjaic ist der Vater des Erfolgs beim Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg. Ob der 41-Jährige beim MSV bleibt, ist hingegen noch offen. Runjaic möchte seine Co-Trainer Ilia Gruev und Sven Beuckert behalten. Zudem gehört er in Bremen und Köln zum erweiterten Kandidatenkreis.

Duisburg. Es war der Moment des Trainers. Kosta Runjaic kletterte am Sonntag auf den Zaun. Kurz drauf hielt der 41-Jährige ein Megafon in der Hand. Ein bekanntes Bild. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren feierte Milan Sasic – kurioserweise ebenfalls nach einem erfolgreichen Saisonfinale gegen den SC Paderborn 07 – mit den Fans. Damals schien der MSV, das Pokalfinale vor der Brust, vor einer guten Zukunft. Und jetzt? Nach dem 3:2-Erfolg über Paderborn kann niemand verlässlich beurteilen, wohin der Weg der Zebras führt. Runjaic bedankte sich am Zaun für die Unterstützung der Anhänger. Vielleicht war es auch mehr. Vielleicht war es gar der Abschied des Mannes, der den MSV aus einer tiefen Depression herausholte und in der 2. Fußball-Bundesliga vor dem Abstieg rettete.

Robert-Enke-Biograf Ronald Reng, mittlerweile ein Freund des Duisburger Trainers, schrieb unlängst in dieser Zeitung, dass die Erfolgsgeschichte des MSV-Coaches vor neun Jahren in Barcelona begann. Als erster deutscher Trainer hospitierte Runjaic bei Barça. Er sah den Fußball aus einem anderen Blickwinkel, entwickelt nun beiläufig Ideen, die auf dem ersten Blick verrückt erscheinen. In dieser Saison warf er vor der Partie gegen Hertha BSC Berlin die Frage auf, bei einem Freistoß von Ronny keine Mauer stellen zu lassen. Weil gegen den Fußball-Künstler keine Mauer der Welt etwas ausrichten kann.

Bei Ibertsberger und Dum zog eine leistungsbezogene Option

Als der MSV Ende August bei der Heimniederlage gegen Dresden seinen Fans nicht einmal die Kraft ließ, die blutleere Vorstellung mit Protesten zu kommentieren, suchte Manager Ivica Grlic, nach einem Mann, der das vermeintlich Unmögliche möglich machen konnte.

„Kosta hat eine tote Mannschaft zum Leben erweckt. Ihm gebührt der größte Respekt“, sagte am Sonntag der frühere Flügelflitzer Ferry Schmidt. Doch es wäre falsch, die MSV-Rettung allein an Runjaic festzumachen. Das MSV-Trainerteam war als Kollektiv erfolgreich. An der Seite des Chefs waren Assistent Ilia Gruev und Sven Beuckert wichtige Säulen. Ein Spieler sagte kürzlich, er hätte den Eindruck, als würden Runjaic und Gruev schon seit 20 Jahren zusammenarbeiten. Tatsächlich kennen sich die Herren erst seit dem letzten September.

Dieses Trainerteam droht nun auseinander zu brechen. Runjaic’ Kontrakt läuft noch ein Jahr, die Verträge von Gruev und Beuckert laufen hingegen aus. Vor allem bei Gruev scheinen beide Seiten derzeit zu weit auseinander, um wieder zusammen zu kommen. Dabei geht es wohl gar nicht um das große Geld. Wieder droht eine Insolvenz. Auch wenn Geschäftsführer Roland Kentsch am Sonntag eine leise Entwarnung gab: „Ich bin guter Dinge, dass wir das bis zum Donnerstag hinbekommen“ – auf dem Spielermarkt kommt der MSV keinen Schritt voran. Symptomatisch: Selbst Tanju Öztürk und Markus Bollmann, zwei Spieler, die nicht zum Stammpersonal der Zebras gehörten, zuckten bei der Frage nach ihrer Zukunft am Sonntag nur mit den Schultern. Bei Andreas Ibertsberger und Sascha Dum zog hingegen eine leistungsbezogene Option – und das nach überschaubaren Vorstellungen in der Rückrunde.

MSV nimmt am 13. Juni die Vorbereitung auf

Die Runjaic-Zukunft beim MSV Duisburg könnte sich nun mit der Co-Trainer-Frage entscheiden. Vor zwei Wochen sagte Runjaic nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli nach der Pressekonferenz im kleinen Kreis: „Der Verein weiß, dass es mich nur zusammen mit meinen Co-Trainern hier gibt.“ Darauf angesprochen sagte Runjaic nun am Sonntag nach der Partie gegen Paderborn: „Die Aussage, die ich da getätigt habe, habe ich nicht umsonst so gemacht.“ Und verließ daraufhin den Raum.

Schon am 13. Juni nimmt der MSV die Vorbereitung auf die nächste Saison auf. „Stand heute werde ich dann in Meiderich auf dem Trainingsplatz stehen“, so Coach Kosta am Sonntag

Runjaic gehört bereits in Bremen und Köln zum erweiterten Kandidatenkreis. Gut möglich, dass weitere Vereine hinzukommen. Fortuna Düsseldorf etwa, oder Eintracht Braunschweig, wenn Torsten Lieberknecht trotz Dementi doch noch nach Bremen geht. Nicht nur für die Fans hinter dem Zaun wäre es bitter.