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Streitbares MSV-Urgestein

Manfred Sander mit seiner Frau Roswitha und Tochter Angelina in einem Vergnügungspark auf Gran Canaria. Foto: Frank Kaisler, Bilder aus alten Zeiten aus Manfed Sanders Privatarchiv.
Manfred Sander mit seiner Frau Roswitha und Tochter Angelina in einem Vergnügungspark auf Gran Canaria. Foto: Frank Kaisler, Bilder aus alten Zeiten aus Manfed Sanders Privatarchiv.

Duisburg. „Was? Du warst noch nie in Palmitos Park?“, wundert sich der kräftige Mann mit dem grauen Schnäuzer. Prompt zieht er eine Freikarte aus der Tasche. Der Spender heißt Manfred Sander – einst eine Größe im Duisburger Fußball.

Er sitzt in einem Cafe in Playa del Ingles auf Gran Canaria, vor ihm unzählige alte Zeitungsausschnitte und Fotos aus der Zeit, als Manfred Sander Stimmungskanone des altehrwürdigen FV Duisburg 08 war. Selbst bei Spielen in der vierten Liga feuerte Sander seinen FV 08 an – Schmählieder hatten allerdings keine Chance.

Zu diesem Zeitpunkt war Manfred Sander in weiten Kreisen nur „der Manni“ und bereits eine feste Größe in der Duisburger Fußballszene. Eine beachtliche Präsenz in den lokalen Printmedien war ihm sicher. „Wer diesen Sunny-Boy nicht kennt, der hat sicherlich gepennt. Ich will ihn mal zusammenfassen, den Manni Dampf in allen Gassen“, so dichtete die Deutsche Skatmeisterin Helga Kanies anlässlich der Neueröffnung seines Sportgeschäftes in der Duisburger City.

Kioskbesitzer im Schimanski-Tatort

Anfang der 80er Jahre holte Sander Fußballgrößen zu Freundschaftsspielen an den Rhein: Fenerbahce Istanbul, Bayern München oder Borussia Dortmund kickten bei Duisburg 08. Showgrößen führten den Anstoß aus. In einem Schimanski-Tatort wirkte Sander als Kiosk-Besitzer mit. Nachdem Sander zunächst bei den Amateurclubs Viktoria Buchholz und Duisburg 08 in die Vollen gegangen war, fokussierte sich sein Wirken bald auf das fußballerische Aushängeschild der Stadt. Der MSV kickte damals noch im zugigen Wedaustadion und lockte zu Bundesligaspielen mitunter gerade mal mickrige 9000 Augenzeugen.

Im Herbst 1981 ging’s dem Gründungsmitglied der Elite-Liga ziemlich dreckig: keine Stimmung im Stadion, wenig Zuschauer, kaum Werbung, sportliche Negativerlebnisse, Abstiegsplatz, das Image der „grauen Maus“. Die Herren in der Vorstandsetage holten Kuno Klötzer als Trainer, der bereits im tiefsten Winter seiner Trainer-Laufbahn angekommen war.

Mit 1000 Mann nach München

Als einfaches Vereinsmitglied stemmte sich Sander auf unkonventionelle Art dem drohenden Niedergang entgegen. Eine seiner spektakulärsten Fanaktionen war die quasi im Handumdrehen organisierte Bustour zum Bayern-Spiel nach München. Gut 1000 MSV-Anhänger konnten mobilisiert werden, zu damaliger Zeit eine sensationelle Resonanz.

Die „Krönung“ in negativer Hinsicht war seine Aktion mit dem türkischen Spieler Erhan Önal, den er in seiner Eigenschaft als Privatperson nach Meiderich lotsen wollte. Bei der Vereinsführung war der Tausendsassa fortan unten durch. Die Fronten waren völlig verhärtet; ein rechtliches Gezerre mit Vereinsausschluss folgte.

Und der MSV? Der stieg 1982 nach 19 Jahren Erstliga-Präsenz ab. Vier Jahre später waren die Zebras in der Oberliga Nordrhein angekommen und gastierten zum Meisterschaftsauftakt in der Hubert-Houben-Kampfbahn bei Viktoria Goch.

Derweil sank Sanders Stern. Vor seinem Sportgeschäft hatte sich eine Großbaustelle angesiedelt, und rote Zahlen waren die Folge. Auch privat stand’s nicht gerade zum Besten. 1989 verabschiedete er sich Richtung Gran Canaria, wo der mittlerweile 59-jährige im Süden der Insel mit seiner Schweizer Ehefrau und der 16-jährigen Tochter lebt.

Nach Anfängen in der Immobilienbranche trägt er seit einigen Jahren für ein deutschsprachiges Urlaubsmagazin Verantwortung. Die Strände kennt er fast nur vom Hörensagen. Denn verschnaufen, zur Ruhe kommen – dafür hat das Energiebündel nichts übrig. Höchstens mal den Schwiegereltern zuliebe macht er eine Ausnahme.

Sein letztes größeres Engagement in Sachen Fußball liegt etliche Jahre zurück und war ein Rohrkrepierer namens Marco Haber. Denn beim Transfer des ehemaligen Nationalspielers zum damaligen Erstligisten UD Las Palmas hatte Sander erheblich mitgewirkt. Doch der Kicker kam mit dem Trainer nicht zurecht, hatte wenige Einsatzzeiten. Zu allem Überfluss residierte der Herr im Wolkenkuckucksheim. Am Ende sagte Las Palmas der Primera Division „Adios“, und für Haber hatte sich das Thema ohnehin erledigt.

Sehr gerne würde Manfred Sander wieder etwas für den MSV machen. Sein inneres Motivationsfeuer ist immer noch vorhanden. Doch das Ober-Zebra Walter Hellmich sträubt sich beharrlich. Zuletzt war Sander im Frühjahr 2007 in der alten Heimat und erlebte den lockeren 4:0-Sieg des MSV über Kickers Offenbach im Stadion. Dabei kam es auch zu einem Treffen mit MSV-Marketingleiter Björn Scheferling. Ohne Ergebnis.

Der streitbare Dampfmacher von einst blickt trotz seines unrühmlichen MSV-Abgangs keineswegs zurück im Zorn. „Es war eine schöne Zeit. Es hätte aber viel mehr daraus gemacht werden können, wenn die richtigen Leute da gewesen wären und ich dauerhaft die nötige Unterstützung gehabt hätte. Die Endphase war sehr schlecht und hat viel Geld gekostet.“