Streit um Hellmichs Erbe beim MSV

Vorstandsvorsitzender Dieter Steffen (l.) und Vereins-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Werner Tomalak (r.) streiten sich. Ex-Chef Walter Hellmich hält im Hintergrund die Fäden in der Hand.   Montage: Gerd Bertelmann / WAZ FotoPool
Vorstandsvorsitzender Dieter Steffen (l.) und Vereins-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Werner Tomalak (r.) streiten sich. Ex-Chef Walter Hellmich hält im Hintergrund die Fäden in der Hand. Montage: Gerd Bertelmann / WAZ FotoPool
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Beim MSV Duisburg herrscht Zoff zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Am Dienstag, 22. November, treffen sich Hans-Werner Tomalak und Dieter Steffen zum Gespräch. Dabei soll es nicht um Eitelkeiten alter Männer gehen.

Duisburg.. Um mit einer Fehleinschätzung aufzuräumen: Es geht nicht um Eitelkeiten alter Männer, um Sitzplätze beim Pokalfinal-Bankett, nicht um Fahrtkosten, nicht um den Rücktritt eines Vorstandsmitglieds oder um Parkberechtigungen. In der aktuellen Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat des MSV Duisburg 1902 e.V. geht es darum, wer im Verein das Sagen hat: Der Aufsichtsrat des MSV Duisburg e.V. oder des MSV Duisburg KGaA bzw. der Vorstand.

Zwischen den beiden Gremien herrscht eine Kontroverse darüber, wie künftig mit dem Erbe der acht Jahre währenden Ära Walter Hellmich umgegangen werden soll, ob die Gremien auf Konflikt- oder Kompromisskurs zum Ex-Boss gehen. Obwohl Hellmich kein Mandat mehr beim MSV Duisburg bekleidet, mischt der Bauunternehmer an zwei Stellen munter mit. So entscheidet er als größter Anteilseigner in der Stadionprojekt GmbH über die Miete, die der Verein für die Nutzung der Schauinslandreisen-Arena zahlen muss. Das sind derzeit 4,6 Millionen Euro pro Jahr. Eine Summe, die einmalig um 500 000 Euro reduziert wurde, aber nach Aussagen von MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch in der 2. Fußball-Bundesliga nicht zu erwirtschaften ist. „Wir müssen noch weiter runter mit den Kosten“, so Kentsch jüngst auf der Bilanzpressekonferenz.

Ein weiterer Punkt, an dem sich die Geister zwischen Aufsichtsrat und Vorstand scheiden, ist der Marketing-Vertrag mit der Firma von Hellmich-Sohn Marc. Den will der Aufsichtsrat gerne überprüfen bzw. auflösen. Pikant: Die vier Aufsichtsratsmitglieder Robert Philipps, Peter Dahmen, Edgar Kaspers und Wolfram Weber wurden im Oktober 2007 von Tomalaks Vorgänger bei der Sparkasse und beim MSV, Artur Grzesiek, über die vorzeitige Verlängerung des seit 2002 gültigen Vertrags informiert und haben ihr zugestimmt. Bis 2017 ist der Verein jetzt an Hellmich-Marketing gebunden und hat dafür zwischen 2005 und 2007 sogenannte „Signing Fees“ (Geld gegen Unterschrift) kassiert.

„Wir müssen ‘runter mit den Kosten“

Ebenfalls brisant: Thomas Kretschmer, der mit seinem Rücktritt die Führungskrise beim MSV Duisburg provoziert hatte, unterschrieb 2006 mit Gebag-Geschäftsführer Dietmar Cremer die Vertragsverlängerung. Angeblich soll er damals nur die letzte Seite gesehen haben.

Bei der Lektüre des gesamten Vertrages, wird deutlich, dass Hellmich-Marketing 20 Prozent Provision und zudem noch zehn Prozent der Einnahmen aus den Fernsehgeldern kassiert. Sollte der MSV 2012 nicht aufsteigen, was wahrscheinlich ist, darf sich der Hellmich-Sohn trotzdem freuen: Dann steigt sein Anteil an den TV-Einnahmen auf satte 15 Prozent. Als branchenüblich bezeichnen Insider wie Kentsch solche Verträge.

Die Leistungen der Marketinggesellschaft können sich allerdings durchaus sehen lassen. Rund 8,3 Millionen Euro erwirtschaftete das Team von Hellmich jr. 2009/10. Für die 2. Fußball-Bundesliga ein ordentlicher Wert, der sich mit vergleichbaren Vereinen wie Alemannia Aachen, Karlsruher SC oder TSV 1860 München messen lassen kann.

Trotzdem wollen Teile des MSV nichts wie ‘raus aus diesem Vertrag: „Der MSV muss das Marketing selbst übernehmen. Nur so können wir sparen“, sagt Ex-Aufsichtsratsmitglied Andreas Peters im Interview mit dem Blog: „Zebra in der Achterbahn.“ Das allerdings dürfte gegen den Willen der Hellmichs schwer durchsetzbar sein: „Die Forderungen von Hellmich Marketing gegenüber dem MSV Duisburg belaufen sich auf rund drei Millionen Euro“, betont der Vorstandsvorsitzende Dieter Steffen, der den Vertrag ebenfalls geprüft hat und für wasserdicht hält.

Deshalb dürfte es auch nichts mit dem geplanten Einstieg des Hamburger Investors Jürgen Uhlemann werden, der sein Engagement vor einem Jahr davon abhängig gemacht hatte, dass die Hellmichs dem Verein das Geld weiter stunden. Das haben Vater und Sohn damals abgelehnt. Es ist nicht bekannt, dass sie in der Zwischenzeit ihre Auffassung geändert hätten.

Ob der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 6. Dezember sogar einen neuen Vorstandsvorsitzenden benennen muss, hängt davon ab, ob der nächste Kandidat, den Steffen vorschlägt, erneut vom Aufsichtsrat abgelehnt wird. So erging es schon Edmund Baer, Duisburger Stadtwerke-Vorstand. Hinter den Kulissen hat es deshalb ordentlich gekracht. Oberbürgermeister Adolf Sauerland hatte sowohl Stadtwerke als auch Sparkasse zum Gespräch gebeten und in aller Freundschaft deutlich gemacht, was er von städtischen Töchtern erwartet: keine öffentlichen Auseinandersetzungen.

„Es liegt nicht im Interesse des Vereins, nicht miteinander zu reden“

Trotzdem: Kippt der nächste Kandidat, ist der Vorstand weg. Und die Farce wäre komplett. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass ein solches Szenario von Beginn an geplant war: Schon Stunden nach dem Rücktritt Kretschmers kursierte in einem Internet-Forum zum MSV diese Variante, einen ungeliebten und angeblich untätigen Vorstand los zu werden. Hans-Werner Tomalak und Dieter Steffen treffen sich heute zu einem weiteren Gespräch, um einen Ausweg aus der Führungskrise zu finden. Steffen: „Es ist nicht im Interesse des Vereins, nicht miteinander zu reden.“ Ob ein Kompromiss im Streit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat möglich ist? Tomalak: „Ich will nichts ausschließen, auch wenn es nach den jüngsten Äußerungen nicht einfacher geworden ist. Aber das entscheide ich nicht alleine, sondern das Gremium.“

Was die Spieler von dem Theater halten? MSV-Talent Maurice Exslager: „Als das rauskam, habe ich eine halbe Seite durchgelesen, danach wurde es mir zu kompliziert. Ich dachte mir: Konzentriere dich lieber auf Fußball.“ Angesichts der sportlichen Situation ist das mit Sicherheit nicht die schlechteste Lösung.

 
 

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