Situation beim MSV wie erwartet schwierig

Dirk Retzlaff

Duisburg. Das ist freilich eher unwahrscheinlich, vielmehr Sorgen bereitet den MSV-Verantwortlichen die Post der Deutschen Fußball-Liga aus Frankfurt. Der MSV erhielt am Samstag die Lizenz, erwartungsgemäß mit Bedingungen und unter Auflagen. Fest steht: Der MSV wird sich strecken müssen, um das Lizenzierungsverfahren unbeschadet zu überstehen. Schätzungsweise zwei Millionen Euro fehlen dem MSV.

Bis zum 24. Mai hat der MSV Zeit, die Bedingungen der DFL zu erfüllen. 13 Seiten umfasst das Schreiben der Fußball-Liga, MSV-Chef Andreas Rüttgers verbrachte den gestrigen Sonntag mit dem intensiven Studium der Papiere. „Am Montag werden wir im kleinen Kreis die Sache besprechen, am Dienstag im größeren“, so Rüttgers.

Keine Transfererlöse

Dass der Kampf um die Lizenz hart wird, hat derweil Geschäftsführer Roland Kentsch am Wochenende formuliert. „Ich will nicht verhehlen, dass die Punkte, die wir abzuarbeiten haben, auch wenn sie nicht überraschend kommen, doch eine Herausforderung für uns darstellen“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung des Vereins. Im Gespräch mit der Redaktion verdeutlichte Kentsch, dass es allein um den wirtschaftlichen Bereich geht, die weiteren Anforderungen der DFL konnte der MSV erfüllen. Kentsch: „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, die sich bieten.“

In erster Linie wird der MSV neue Geldgeber an Land ziehen müssen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Einen Teil kann die Mannschaft noch dazu beitragen, indem sie bis zum Saisonende Platz zehn verteidigt und somit höhere Fernsehgelder einspielt. Laut Kentsch würde dies die Last des MSV um rund 500 000 Euro verringern.

Andreas Rüttgers erklärte bereits anlässlich der Vertragsauflösung mit Hellmich Marketing, dass er nun darauf setze, dass der Verein neue Sponsoren gewinnen könne, da der viel kritisierte Marketing-Vertrag nicht mehr bestehe.

Der Personalbereich scheidet weitgehend aus, um frisches Geld zu erzielen. Transfers müssten bis zum 24. Mai über die Bühne gegangen sein, spätere Wechsel würden sich nicht mehr auswirken. Ohnehin wäre der Kreis der Kandidaten begrenzt – Andre Hoffmann könnte vielleicht Geld bringen. Beim Aufsteiger Felix Wiedwald sähe das schon anders aus, der Torhütermarkt gilt als schwierig. Spieler wie Florian Fromlowitz und Emil Jula, die in der Gehaltsliste ganz oben stehen, aber zuletzt nur noch Reservisten waren und damit die Kasse belasten, wird der MSV kurzfristig auch nicht bei anderen Klubs unterbringen können.

Auch eine Senkung der Stadionmiete wird wieder ein Thema sein. In der laufenden Saison war eine entsprechende Einigung mit den Gesellschaftern, dem Land und der HSH-Nordbank möglich.

Der neue Fernsehvertrag, der den Vereinen mehr Geld einbringen wird, hilft dem MSV Duisburg noch nicht, er gilt erst zur Saison 2013/14. Andreas Rüttgers glaubt, dass der MSV dann für die Lizenzierung besser aufgestellt sein wird als im aktuellen Verfahren. „Wenn wir das aktuelle Verfahren überstehen, werden wir einen sehr großen Schritt geschafft haben. Im nächsten Jahr werden viele Dinge, die wir jetzt eingeleitet haben, greifen.“ Roland Kentsch gibt sich demonstrativ optimistisch: „Sonst wäre ich hier am falschen Posten.“