MSV-Trainer Gruev über Eigentor: "Egal, wer es war"

Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann
Setzte die Kugel ins eigene Netz: MSV-Kicker Fabian Schnellhardt.
Setzte die Kugel ins eigene Netz: MSV-Kicker Fabian Schnellhardt.
Foto: firo
  • Der MSV Duisburg ist im DFB-Pokal durch ein kurioses Eigentor susgeschieden
  • Trainer Ilia Gruev bemängelte die Verteidigung
  • Er schert sich nicht darum, wem das Eigentor unterlaufen war

Duisburg. Unmittelbar nach Abpfiff gab es aufmunternden Beifall für die abgekämpften Profis des MSV Duisburg. Nach 120 Minuten musste sich der Fußball-Drittligist in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals dem Zweitliga-Vertreter Union Berlin 1:2 (1:1, 0:0) beugen. „Es war kein Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften zu erkennen. Leider haben wir im Pokal ein zu kurzes Gastspiel gegeben. Die zweite Runde hätte uns sehr gut getan“, trauerte Duisburgs Geschäftsführer Peter Mohnhaupt den über 300 000 Euro, die im Falle des Weiterkommens gewunken hätten, sichtlich nach.

SpielberichtSo blieb am Ende die Erkenntnis, dass die Zebras den Berlinern das Leben richtig schwer gemacht hatten – und die Feststellung, „dass wir immer noch ungeschlagen sind, wenn man von der regulären Spielzeit ausgeht“, wie Klubchef Ingo Wald zwinkernd anmerkte. In der 3. Liga stehen zwei Siege und zwei Unentschieden zu Buche. Und nun kommt so eine Art moralischer Erfolg im Cup-Wettbewerb hinzu. Manager Ivica Grlic: „Wir haben einen großen Kampf geliefert und Werbung für mehr gemacht. Ich fand Unions Sieg eher unverdient.“

Simon Brandstetter hätte die Pokalnummer auf eine noch spannendere Stufe hieven können. Doch der Joker setzte in der 119. Minute einen Kopfball neben den Kasten. Der sehr starken Vorbereitung mit insgesamt sechs Treffern folgten mittlerweile einige Pflichtspiel-Enttäuschungen. Ivica Grlic: „Ich hoffe, dass Brandi sich bald selbst belohnt.“ Und Ingo Wald merkte an: „In Punkt- oder Pokalspielen ist der Druck halt ein anderer, als wenn du in einem Vorbereitungsspiel aufläufst. Das kommt sicherlich noch mit dazu.“

MSV hatte starke Anfangsphase

In der ersten Hälfte hätte der unkundige Zuschauer am ehesten den Duisburgern die Rolle des Zweitligisten zugesprochen. 5:1 zugunsten des MSV lautete das Chancenverhältnis im ersten Durchgang. Am Ende war es für den MSV, bei dem Baris Özbek mit einer Knöchelverletzung kurz nach der Pause raus musste, fahrlässig und verhängnisvoll zugleich, die guten Möglichkeiten ausgelassen zu haben.

Schon in den ersten zwölf Minuten hätte es mehrfach im Gästetor klingeln müssen. Kingsley Onuegbu scheiterte per Kopf an Union-Keeper Jakob Busk (2.). Kurz danach lenkte Busk den Ball nach einem Schnellhardt-Schuss aus 18 Metern mit der Faust über die Latte (12.). Kevin Wolze (38.) und Thomas Bröker (40.) verfehlten mit Schüssen das Ziel.

Auf der Gegenseite überraschte Christopher Trimmel mit einem 30-Meter-Schuss von der Seitenlinie aus. Der ansonsten starke MSV-Torwart Mark Flekken hatte sich ein wenig verschätzt, der Ball knallte gegen die Latte. Nach der Pause wurde Union stärker. Beim Führungstreffer der Gäste durch Collin Quaner (62.) gab die Duisburger Abwehr ein Bild zahlreicher Irrungen und Wirrungen ab.

Schnellhardts Eigentor bringt die MSV-Niederlage

Am Ende war Enis Hajri viel zu weit vom Torschützen entfernt. Doch die Zebras kamen wieder. Nur fünf Minuten später traf Stanislav Iljutcenko – der Mann ist auf Ausgleichstreffer gegen Eisern Union offenbar spezialisiert – zum 1:1. Im März hatte Iljutcenko in der Liga per Fallrückzieher zum 1:1 getroffen. Iljutcenko: „Auf solche Statistiken gucke ich nicht. Wir haben alles rausgehauen, sind aber leider raus.“

In der Verlängerung unterlief Fabian Schnellhardt ein Pressschlag – die Kugel wählte genau den Weg zum 1:2 ins Duisburger Netz (95.). „Ich dachte erst, Unions Steven Skrzybski hätte das Tor gemacht. Egal, wer es war: Wir haben in der Szene nicht gut verteidigt“, befand Zebra-Coach Ilia Gruev. Union-Kaderchef Jens Keller musste sich ob des knappen Weiterkommens kritische Fragen gefallen lassen. Keller konterte: „Duisburgs Torwart ist nicht umsonst ,Man of the Match’ geworden.“ Das lag aber weniger am Berliner Dauerbeschuss, sondern am erarbeiteten Status des neuen MSV-Publikumslieblings. Zustande kam diese Auszeichnung durch eine Fan-Abstimmung per Handy-App.