MSV-Spieler Exslager ärgert sich über unberechtigten Platzverweis

Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann
Gut bewacht: „Rotsünder“ Maurice Exslager verfolgte die Partie nach seinem Platzverweis inmitten einer Polizeikohorte.
Gut bewacht: „Rotsünder“ Maurice Exslager verfolgte die Partie nach seinem Platzverweis inmitten einer Polizeikohorte.
Foto: imago sportfotodienst
Mit der engagierten Leistung beim 2:2 in Düsseldorf versöhnte der MSV Duisburg die meisten der knapp 6000 mitgereisten Fans, die im Saisonverlauf so manchen Tiefpunkt erlebt hatten. Stürmer Maurice Exslager ärgerte sich über einen unberechtigten Platzverweis.

Düsseldorf. Der Ordner packte den „Hooligan“ nach dem Schlusspfiff am Kragen, versuchte ihn mit aller Gewalt davon abzuhalten, von den Zuschauerrängen auf den Rasen der Düsseldorfer Arena zu rennen. Dort hatten Hunderte Fans schon längst die Sperren und Zäune überwunden. Letztlich durfte MSV-Stürmer Maurice Exslager, Spitzname „Hooligan“, dann doch noch zu seinen Kollegen aufs Feld laufen.

Exslager hatte beim 2:2 (2:2) im Fußball-Zweitliga-Derby zwischen Fortuna Düsseldorf und dem MSV bereits in der 23. Minute die gelb-rote Karte kassiert und verfolgte die Partie fortan von den Zuschauerrängen aus – „Exe“ hatte sich ausgerechnet einen Platz inmitten einer Polizeikohorte ausgesucht.

Exlagers Platzverweis war eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Knut Kircher. Eine gelbe Karte handelte sich sich der Stürmer wegen Meckerns nach der Freistoß-Entscheidung, die den 2:1-Führungstreffer der Fortunen durch Lukimya nach sich zog (21.) , ein. Zwei Minuten später schickte Kircher den MSV-Stürmer vom Platz. Erneut wegen Meckerns. Doch diesmal hatte sich Jürgen Gjasula im Ton vergriffen, Kircher bestrafte den falschen Mann.

Fürsprache von Rösler

Dabei hatte sich ausgerechnet noch das Düsseldorfer „Enfant terrible“ Sascha Rösler für Exslager ausgesprochen. „Ich habe dem Schiedsrichter erklärt, dass es nicht Maurice Exslager war. Duisburgs Jürgen Gjasula hat irgendetwas zum Unparteiischen gesagt. Und Herr Kircher meinte dann, es sei Exslager gewesen.“ In der folgenden hitzigen Diskussionsrunde wirkte der als Heißsporn bekannte Rösler beruhigend ein: „Ich habe zu Exslager gesagt: Das bringt nichts, der Schiri wird die Karte nicht zurücknehmen, also geh’ besser vom Feld.“

Goran Sukalo, der beim MSV grundsätzlich knifflige Schiedsrichter-Entscheidungen als Erster hinterfragt: „Der Referee durfte Maurice niemals Gelb-rot geben. Der Schiri war nicht gut genug für das Derby. Dadurch ist unnötig Hektik aufgekommen.“

„Der Schiedsrichter sollte sich bei einem Platzverweis hundertprozentig sicher sein. Ansonsten sollte er es lassen“, so Trainer Oliver Reck, der gerne gesehen hätte „wie wir uns mit elf Mann verkauft hätten.“ Der MSV war in kompletter Formation auf einem guten Weg, den Düsseldorfern ein Alptraum-Finale zu bereiten. Angst und Schrecken verbreitete die Reck-Mannschaft auch noch in Unterzahl, bis zum Schlusspfiff lief die Fortuna Gefahr, die Relegationsspiele gegen Hertha BSC Berlin doch noch zu verpassen.

Reck überraschte mit einer taktischen Variante, bot mit Exslager/Brosinski eine Doppelspitze auf. Schon in der achten Minute traf Exslager nach Brosinski -Zuspiel zum 0:1. Den Düsseldorfer Fans in der mit 51 000 Zuschauern ausverkauften Arena stockte der Atem. Zwar drehten die Gastgeber durch Fink (18.) und Lukimya (21.) das Spiel. Aber der MSV war trotz Platzverweis noch schlagfertig. Jürgen Gjasula glich mit einem abgefälschten Freistoß zum 2:2 aus (27.) und Fortuna wandelte fortan auf einem Drahtseil.

MSV-Spieler fliegen am Montag nach Mallorca

Weil der FC St.. Pauli im Fernduell nach dem Seitenwechsel zeitig komfortabel gegen Paderborn vorne lag, war in der zweiten Halbzeit früh absehbar, dass Düsseldorf für Platz drei ein Remis genügen würde. Das Team von Norbert Meier gab den Ton an, kam aber nicht mehr zum Führungstreffer. Der MSV versetzte die Düsseldorfer nur noch einmal in Schockstarre. Daniel Brosinski verpasste aus kurzer Distanz den Ball. In der Schlussphase, als Düsseldorf zusehends vorsichtiger agierte, beschränkte sich auch die Duisburger Mannschaft auf die Verteidigung des Punktgewinnes.

Mit der engagierten Leistung versöhnten die Zebras auch die meisten der knapp 6000 mitgereisten Fans, die im Saisonverlauf so manchen Tiefpunkt erlebt hatten. Vor dem Spiel feuerten MSV-Fans zahlreiche Knallkörper ab und zündeten bengalische Feuer. MSV-Manager Ivo Grlic hofft, dass sich die Bestrafung durch den DFB in Grenzen halten wird. Grlic: „Ich denke nicht, dass wir ein Geisterspiel bekommen werden.“

Die MSV-Spieler kehren übrigens schon am Montag nach Düsseldorf in Arena-Nähe zurück. Um 6 Uhr startet der Flieger nach Mallorca – natürlich ohne Trainer.