MSV-Profi Wolze war Schuhputzer für Anelka

Thomas Tartemann
Kevin Wolze erlebte mit 16 Jahren das Abenteuer in England bei den Bolton Wanderers. (Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool)
Kevin Wolze erlebte mit 16 Jahren das Abenteuer in England bei den Bolton Wanderers. (Foto: Christoph Reichwein / WAZ FotoPool)

Duisburg. Schon mit 16 Jahren erfüllte sich Kevin Wolze, Neuzugang des MSV Duisburg, seinen persönlichen Traum. Als Schüler wechselte er nach England zu den Bolton Wanderers. Der heute 21-Jährige musste dort Nationalspieler Nicolas Anelka die Schuhe putzen.

Schon mit 16 Jahren erfüllte sich Kevin Wolze, Neuzugang des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg, seinen ganz persönlichen Traum. Als Schüler wechselte er nach England zu den Bolton Wanderers, lebte bei einer Gastfamilie fünf Kilometer vom Trainingsgelände des Traditionsklubs entfernt. „Das hat mich unheimlich weitergebracht. Ich habe eine neue Kultur, ein neues Land kennengelernt. Ich mag den Fußball auf der Insel. Da geht es schnell, robust zur Sache, das Spiel hat eine unheimliche Dynamik. Englischer Fußball macht richtig Spaß“, schwärmt Wolze.

Der heute 21-Jährige musste sich als Jungspund bei Bolton quasi „hochdienen“. Wolze: „Bei den englischen Klubs ist es üblich, dass die Jugendspieler gewisse Aufgaben übernehmen. Der eine kümmert sich um die Kabine, der andere um den Fitnessraum. Ich musste Nationalspieler Nicolas Anelka die Schuhe putzen.“ Und wie war der Kontakt zum französischen Nationalspieler? Wolze lacht: „Nicolas hat nicht viel geredet. Manchmal wirkte er auf dem Platz lustlos, aber er hatte einen unglaublich schnellen Antritt.“

Schnelligkeit zählt auch zu den Stärken des neuen Zebras. Wolze hinterließ in der Vorbereitung gute Eindrücke und lieferte sich mit dem ebenfalls aus Wolfsburg verpflichteten Sergej Karimow spannende Duelle um die linke Position in der Vierer-Abwehrkette. „Hinten links habe ich beim VfL schon öfter gespielt, als Sergej verletzt war. Wir verstehen uns gut, belegten im Trainingslager ein Zimmer. Ich sehe Sergej nicht unbedingt als Konkurrenten, zumal ich auch im Mittelfeld spielen kann. Linksverteidiger ist nicht unbedingt mein Wunsch, aber ich stelle mich natürlich in den Dienst der Mannschaft.“

Schwierig für den Kopf

Der ehemalige U-20-Nationalspieler sah keinen Sinn mehr darin, weiter bei den „Wölfen“ auf eine Beförderung zu warten. Wolze: „Der Zeitpunkt zum Wechsel war einfach da. Es war in den letzten Jahren immer das gleiche: Vorbereitung bei den Profis mit der Vorgabe, sich zu präsentieren. Danach landete man wieder unten in der Nachwuchstruppe.“ Der Linksfuß gibt zu: „Für den Kopf ist so etwas unheimlich schwierig. Man macht sich Hoffnungen, gilt als Talent, bringt Leistung, aber man bekommt keine Chance. Der 15-Millionen-Mann hat die Einsatzgarantie. Du selbst hast sie nicht.“

Auch beim MSV darf sich Wolze nicht über einen Garantieschein freuen, sondern muss sich seine Perspektive erarbeiten. „Julian Koch hat beim MSV im letzten Jahr eine tolle Saison gespielt und den Sprung in die U 21 geschafft. Das war auch ein Grund, nach Duisburg zu kommen, weil es hier junge Leute schaffen können. Zudem war das Gespräch mit Trainer Milan Sasic positiv. Ich will meine Leistung zeigen. Dann entscheidet der Coach, ob es für einen Platz im Team reicht.“