MSV-Platzwart ist in der Duisburger Arena der Herr der Halme

Thomas Richter
Seit acht Jahren wacht Johann de Haas über den Fußballrasen beim MSV Duisburg.
Seit acht Jahren wacht Johann de Haas über den Fußballrasen beim MSV Duisburg.
Foto: WAZ FotoPool
Nicht nur die Spieler brauchen eine Sommerpause. Auch der Fußballrasen muss sich erholen. Beim MSV Duisburg wacht seit acht Jahren Johann de Haas über das "heilige Grün". Mit 63 Jahren spielt er seine ganze Erfahrung aus.

Duisburg. Der Rasen ist auf 25 Millimeter getrimmt. „Exakt die Höhe, die sich Trainer Oliver Reck für das Spiel gewünscht hat“, berichtet Johann de Haas. Der 63-Jährige ist Platzwart in der MSV-Arena. Und rechtzeitig vor dem Start in die neue Zweitligasaison am Sonntag gegen Aufsteiger VfR Aalen hat der Herr der Halme das Spielfeld professionell in Schuss gebracht.

Nicht nur die Fußball-Profis nutzen die Sommerpause zur Regeneration. Auch das rund 8000 Quadratmeter große Grasgeläuf kommt endlich zur Ruhe. In dieser Zeit wird etwa neuer Rasen eingesät. „Der hat eine Liegezeit von zehn Wochen“, sagt de Haas, der in der Werthacker-Siedlung in Duissern lebt und seit acht Jahren als Angestellter des MSV für die Pflege des Grüns verantwortlich ist.

Kalium stärkt das Gras

In der Phase des Aufpäppelns verteilen er und sein Platzwartkollege Frank Wasserkamp – 45 Jahre alt, aus Neudorf, MSV-Fan seit er denken kann – zudem Stickstoff und Kalium auf dem Rasen. Ersteres ist gut fürs Wachstum, letzteres dient der Stärkung der Halme. Auch die Mäh-Intervalle reduzieren sich in der Sommerpause: Da tuckert de Haas nur alle zwei Tage mit seinem fahrbaren Rasenmäher übers Spielfeld. Zweieinhalb Stunden benötigt er für eine solche Kürzungstour. Zwei Kubikmeter geschorenes Gras kommen dabei stets zusammen. Das wird auf einem am Spielfeldrand abgestellten Hänger entsorgt und danach per Traktor aus dem Stadion gekarrt.

In der vergangenen Woche, nach der Generalprobe gegen den niederländischen Topklub Twente Enschede (0:1), hatten de Haas und Wasserkamp reichlich zu tun: mit Ausbesserungsarbeiten. Die robusten Grätschen der mit Stollenschuhen bestückten Fußballerfüße hatten sichtbare Spuren hinterlassen. „Diese Spielschäden flicken wir mit exakt demselben Rasentyp, den wir hier in einem benachbarten Garten ziehen“, sagt de Haas. Diesen Job übernimmt das Duo aber nicht nur nach den Spielen, sondern bereits in der Halbzeitpause, wenn es gilt, zumindest die größten Macken auszubessern.

Wenig Freude über Sprintübungen nach dem Schlusspfiff

Etwas angesäuert waren die Grünpfleger, dass die niederländischen Gäste nach dem Schlusspfiff noch einige Sprintübungen auf dem Platz absolvierten. „Da haben die uns noch einmal richtig schöne Macken reingehauen“, sagt de Haas, der früher selbst im Amateurbereich beim SV Duissern kickte, und zeigt auf die entsprechenden Stellen. Doch auch die tiefste Furche können de Haas nicht schocken. Er lässt einfach Gras über die Sache wachsen. . .