MSV ohne Lizenz - eine Festnahme bei Fan-Randale in Duisburg

Hunderte MSV-Anhänger stürmen am Mittwochabend nach dem Entzug der Lizenz für den MSV das Stadion in Duisburg-Wedau.
Hunderte MSV-Anhänger stürmen am Mittwochabend nach dem Entzug der Lizenz für den MSV das Stadion in Duisburg-Wedau.
Foto: Stephan Eickershoff/WAZ FotoPool
Kurz nach der Horror-Nachricht vom Lizenzentzug versammelten sich Hunderte Fans des MSV Duisburg am Mittwochabend vor der Arena. Die Stimmung war äußerst aggressiv. Einige Anhänger drangen ins Stadion ein, es flogen Mülltonnen und Bengalos. Die Polizei rückte mit mehreren Hundertschaften an.

Duisburg. Die Nachricht vom Entzug der Lizenz für die zweite Fußball-Bundesliga für den MSV Duisburg hat am Mittwochabend in Duisburg Tumulte ausgelöst. Mehrere Hundert Fans haben sich an der Schauinsland-Arena versammelt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an Kräften an. Nach Auskunft aus der Leitstelle der Polizei in Duisburg wurden auch Kräfte aus umliegenden Städten angefordert. Die Stimmung war geladen. MSV-Fans sind gefrustet.

Neben lautstarken Protesten gegen Geschäftsführer Roland Kentsch richtete sich der Zorn der MSV-Fans vor allem gegen Ex-Präsident und MSV-Mäzen Walter Hellmich. Drei Fahnenmasten mit dem Emblem des Baulöwen waren am Abend bereits gefallen, die Flaggen wurden verbrannt. Blaue Fahnen brennen in Kreuzform vor Protestplakaten, auf denen Hellmich und Kentsch angegangen werden.

Polizei hatte nicht mit diesem Fan-Andrang gerechnet

Nachdem einige Anhänger drei Masten mit den Fahnen der Firma Hellmich aus der Verankerung gehoben und umgeworfen hatten, entlud sich auch der Ärger anderer Demonstranten: Sie brachen gegen etwa 20 Uhr den Eingang zur Nordkurve mit Gebrüll auf. Den wütenden Randalierern standen zu diesem Zeitpunkt Polizistinnen und Polizisten aus lediglich drei Streifenwagen gegenüber. Als die Beamten versuchten, das Stadiontor wieder zuzudrücken, wurden sie heftig beschimpft, provoziert und vereinzelt bedroht. In der Folge setzten die Ordnungshüter Schlagstöcke gegen die tobenden MSV-Fans ein.

Etwa 50 MSV-Anhänger – darunter Hooligans, Ultras und Fans anderer Gruppen – ließen sich jedoch nicht davon abhalten, ins Stadion, auf die Nordtribüne zu stürmen. In der Arena zündeten sie minutenlang einen Böller nach dem anderen, bis die Hundertschaft der Polizei von der anderen Seite in die Nordkurve eilte. Die mit Helm und Schild geschützte Einheit im Rücken, rannten die Eindringlinge hinaus auf den Parkplatz an der Haupttribüne. Auch die vielen Fans, die nicht ins Stadion eingedrungen waren und vor den Toren gewartet hatten, spurteten daraufhin aufgeschreckt und verängstigt von der Arena weg, um nicht in die Ausschreitungen verwickelt zu werden. Auch Senioren und Kinder flüchteten sicherheitshalber vor dem Mob und dessen Verfolgern.

Polizei sicherte Stadtion vor wütenden Fans

Die Hundertschaft sicherte indes im Blaulicht den Eingang der Nordkurve und den Zugang zur Haupttribüne in der Folge mit einer Polizeikette. Zu diesem Zeitpunkt trafen immer mehr Streifenwagen, auch aus benachbarten Städten, an der Arena ein. Die Einsatzleitung schickte aus Angst vor Krawallen zudem Einsatzkräfte zur Geschäftsstelle der Zebras in Meiderich.

Die Kamerateams von Sky und der "Bild"-Zeitung hatten sich nach massiven Beleidigungen bereits zurückgezogen, berichteten Augenzeugen. Nach Schätzung der Polizei hielten sich gegen 21 Uhr etwa 600 MSV-Anhänger am Stadion auf. Nach Auskunft aus der Polizeileitstelle, hatte die Polizei alle Mühe, die Masse zu beruhigen: "Wir versuchen, die Lage in den Griff zu kriegen", sagte ein Polizist.

Vorläufige Bilanz des Abends: Einer der Randalierer sei vorübergehend festgenommen worden, berichtete die Polizei. Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es. (pw/dae/WE)

 
 

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