Duisburg

MSV-Manager Ivica Grlic im Interview: „Man kann die Pfiffe auch nachvollziehen“

Dominik Hamers
MSV-Manager Ivica Grlic (rechts).
MSV-Manager Ivica Grlic (rechts).
Foto: dpa
  • Der MSV Duisburg steckt nach fünf Ligaspielen ohne Sieg in einer Mini-Krise
  • Zuletzt gab es „Gruev raus“-Rufe gegen Duisburgs Trainer
  • Jetzt bezieht Sportchef Ivica Grlic Stellung

Duisburg. Drittligist MSV Duisburg ist in einer denkwürdigen Situation. Die Zebras sind Tabellenführer, haben nach dem elften Spieltag jedoch nicht mehr gewonnen. Im Heimspiel gegen den VfR Aalen gab es neben wütenden Pfiffen auch „Gruev raus“-Rufe.

Wir sprachen mit Sportdirektor Ivica Grlic über die Ergebniskrise des Spitzenreiters, die Unmutsbekundungen gegen Mannschaft und Trainer sowie die Gründe für die schwache Leistung der Meidericher in der Offensive.

Ivica Grlic, haben Sie schon Kontakt mit Dresdens Sportdirektor Ralf Minge aufgenommen?

Grlic: Warum?

Die Dynamo hat es in der letzten Saison vorgemacht und mit fünf Spielen in Folge ohne Sieg den Aufstieg geschafft...

Grlic: Wir haben es ja vor zwei Jahren auch ohne den Kontakt nach Dresden schon geschafft, aufzusteigen. Aber Spaß beiseite: Ich kenne Ralf Minge ganz gut, er war auch mal mein Trainer. In der 3. Liga geht es extrem eng zu.

Wir haben jetzt fünf Spiele in Folge nicht gewonnen, stehen aber immer noch auf dem ersten Platz. Also gilt es, an die Leistung aus den ersten elf Spielen anzuschließen, um wieder Siege einzufahren.

Es gibt neben den fünf sieglosen Spielen noch eine andere Bilanz, die etwas seltsam aussieht: Nur zwei Mannschaften haben in der Liga weniger Tore geschossen als der MSV. Aber die „Zebras“ stehen trotzdem aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Platz eins. Ist das nicht alles etwas kurios?

Grlic: Ja, aber wir haben auch die wenigsten Gegentore bekommen. Wir haben 16 Tore geschossen, das ist sicher nicht viel. Aber wir haben die meisten Siege in der Liga, die wenigsten Niederlagen. Also stehen wir zu Recht da oben. Ich glaube, dass fast alle Mannschaften in der Liga unsere Probleme gerne hätten.

Werfen wir trotzdem einen Blick auf die Offensive. Woran hapert es da?

Grlic: Am Anfang hatten wir das Problem, dass wir unsere Torchancen nicht genutzt haben In zwei Spielen – gegen Halle und gegen Großaspach haben wir uns wenige Chancen herausgespielt. Die Mannschaft hat in den ersten elf Spielen überzeugt. Permanent in dieser Liga auf so einem Niveau zu spielen, ist sehr schwierig.

Kann man von einem Kopfproblem sprechen?

Grlic: Nein. Es ist nichts Neues, dass Stürmer mal nicht treffen. Das gibt es in jeder Liga. Die Mannschaft hat sich selber in die Situation gebracht, dass sie zum Favoritenkreis zählt und damit hohe Erwartungen erzeugt.

Wie sieht es mit dem Selbstvertrauen aus? Ist das ein Grund?

Grlic: Wenn man mehrmals hintereinander nicht trifft und nicht gewinnt, dann wird der Druck ein bisschen größer. Dann kann es passieren, dass man etwas verunsichert ist, auch wenn man Tabellenführer ist. Das kann ich nachvollziehen.

Aber wenn man oben steht, muss man eine breite Brust haben. Egal, wer zu uns nach Hause kommt oder wo wir hinfahren – wir wollen das Maximum rausholen. Das ist aber auch ein Lern- und Reifeprozess, durch den die Mannschaft gehen muss.

Haben Sie das Gefühl, dass die Geduld für diesen Prozess von den Fans mitgebracht wird? Es gab in den Heimspielen gegen Halle und Aalen Pfiffe gegen die Mannschaft.

Grlic: Wie ich schon sagte: Die Mannschaft hat sich das alles selber erspielt. Die Fans, wie wir alle, haben gesehen, wozu die Spieler in der Lage sind. Gegen Halle zum Beispiel haben wir kein gutes Spiel gemacht und uns extrem schwer getan, Torchancen herauszuspielen.

Dann kann man Pfiffe auch nachvollziehen. Ab und zu sind Pfiffe unserer Fans auch hilfreich. Damit rütteln sie uns wach und sagen uns, dass wir mehr machen sollen. Wenn man dann gegen Aalen 1:0 führt, am Ende nur 2:2 spielt und sogar noch verlieren kann, dann ist das für unsere Ansprüche einfach zu wenig.

Gegen Aalen hat sogar eine kleine Gruppe lautstark gefordert, dass Trainer Ilia Gruev gehen soll. Was würden Sie diesen Fans entgegnen?

Grlic: Wir sind Tabellenführer. Und dann nach fünf Spielen ohne Sieg den Trainer rauswerfen? Nein...

Es hat aber etwas damit zu tun, wie die Mannschaft wahrgenommen wird. Sehen die Fans solche Dinge wie die Ausgeglichenheit der Liga und die Stärke von Teams wie Halle, Aalen, Frankfurt und Lotte nicht?

Grlic: Ich glaube, dass unsere Fans ein feines Gespür haben – auch was die 3. Liga angeht. Wir haben das vor zwei Jahren auch gemeinsam gemeistert. Die Fans wissen auch, dass es harte Arbeit ist und dass jeder Gegner jeden schlagen kann.

Das macht die Liga aus. Natürlich kann man dann nachvollziehen, dass Pfiffe kommen, wenn es mal nicht so läuft. Ich habe immer mit unseren Fans kommuniziert und gesagt, dass es den Jungs mehr hilft, wenn sie unterstützt und nach vorne gepeitscht werden. Das machen unsere Anhänger ja auch.

Wie werden die Unmutsbekundungen in der Mannschaft diskutiert?

Grlic: Natürlich werden die Pfiffe registriert, gerade wenn man zuhause spielt. Aber die Jungs sind selbstkritisch genug, dass sie die Leistungen in Spielen, wie zum Beispiel gegen Halle, einschätzen können.

Gegen Aalen haben die Fans zum Schluss großen Anteil daran gehabt, dass die Mannschaft in den letzten 15 Minuten wieder die geforderte Leistung abgerufen hat.

Grlic: Die Fans haben bei uns schon immer einen entscheidenden Anteil daran. Nicht nur in dieser Saison, sondern auch in den Jahren davor. Sie haben auch einen entscheidenden Anteil daran, dass es diesen Verein nach dem Lizenzentzug vor drei Jahren überhaupt noch gibt. Wenn man sieht, wie sie uns in der Schlussphase unterstützt haben – das war super.

Sie haben mit dazu beigetragen, dass wir noch das 2:2 geschossen und fast noch das 3:2 erzielt haben. So eine Leistung erwarten wir alle aber über 90 Minuten.

Wie wichtig ist die Rückkehr von Fabian Schnellhardt?

Grlic: Er ist ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er hat gute Qualitäten und ist sehr kreativ. In den letzten Spielen hat man gesehen, dass er gefehlt hat.

In den Spielen, in denen er nicht dabei war, war zu erkennen, dass die Kreativität im Mittelfeld fehlte. Denken Sie daran, in der Winterpause noch einen Spieler zu holen, der ebenfalls viel Kreativität ins Spiel bringt?

Grlic: Wir haben Qualität im Kader. Ich bin mir sicher, dass wir das auch wieder zeigen werden. Wir sind überall doppelt gut besetzt und das Vertrauen ist da. Stand jetzt wird es keinen Zugang im Winter geben. Es sei denn, jemand verlässt den Kader oder verletzt sich, was ich nicht hoffe.

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