MSV-Manager Grlic sah in Leipzig „schlechteste Saisonleistung“

Dirk Retzlaff
Sah einen überlegenen Gegner in Leipzig: MSV-Manager Ivica Grlic.
Sah einen überlegenen Gegner in Leipzig: MSV-Manager Ivica Grlic.
Foto: imago
Nach dem 1:1 bei RB Leipzig könnten die Spieler des MSV Duisburg einen speziellen Energietrunk gut gebrauchen. Denn am vierten Drittliga-Spieltag wirkten die Zebras trotz solider Defensivarbeit erstmals müde. MSV-Manager Ivica Grlic stellte fest: „Leipzig hat uns 90 Minuten lang beherrscht.“

Leipzig. Der Profifußball in Leipzig definiert sich in erster Linie über Brause, deren Markenname allgegenwärtig ist, offiziell aber keine Verwendung finden darf. Aber vielleicht benötigen die Drittliga-Fußballer des MSV Duisburg nach dem 1:1 (1:1) bei Rasenball-Sport Leipzig nun genau den speziellen Energietrunk, der ihnen neue Kräfte verleiht. Ein Zaubertrank a la Miraculix vielleicht, um es eher traditionell zu formulieren. Die Zebras erscheinen nach dem vierten Spieltag müde. Das überrascht kaum jemanden. „Irgendwann musste das kommen, nun ist es passiert“, so Innenverteidiger Markus Bollmann.

Der MSV hätte in Leipzig gut und gerne gewinnen können. Sturmtank Kingsley Onuegbu erzielte nach 26 Minuten das 0:1. Pierre De Wit verlängerte einen langen Ball per Kopf zu Michael Gardawski, der den Keeper ausspielte und Onuegbu mustergültig bediente. Der MSV hatte Glück, dass der Schiedsrichter die Abseitsstellung von Gardawski nicht ahndete. Noch zweimal trafen die Zebras ins Leipziger Tor – beide Male hatte der Schiri zurecht wegen Abseits abgepfiffen.

Ausgleich durch Anthony Jung

Sieben Minuten nach der Duisburger Führung glich Leipzig aus. Ausgerechnet Anthony Jung, der beim MSV im Sommer einen Zweitliga-Vertrag unterschrieben hatte, zirkelte den Ball aus 22 Metern über die Mauer ins Duisburger Tor. Immerhin: Der Mann verkniff sich einen ausgelassenen Jubel – offenbar haben ihn zehn Tage Duisburg ein wenig emotional geprägt.

In Leipzig dürfte nach dem Remis die Luft rauer werden. Die Ansprüche in der Messestadt sind hoch, ein Punkt gegen Duisburg ist da zu wenig. „Duisburg hat nur verteidigt“, erschien RB-Coach Alexander Zorniger fast schon beleidigt, dass der Gegner mit spielerischen Elementen geizte.

Mehr als Verteidigen war diesmal aus Meidericher Sicht nicht drin. Im zweiten Durchgang fand das Offensivspiel abgesehen von einem Feisthammel-Schuss beim MSV nicht statt. Ansonsten saugten und klopften die Duisburger vor ihrem Strafraum mit Bravour und versuchten so, diese wichtige Zone sauber zu halten.

Mit Erfolg: Aus dem Spiel heraus ließ der MSV, bei dem Matthias Kühne für den erkrankten Phil Ofosu-Ayeh hinten rechts verteidigte, nichts zu, Leipzig sorgte nur mit Standards für Gefahr.

„Das war unsere schlechteste Saisonleistung. Leipzig hat uns 90 Minuten lang beherrscht“, so MSV-Manager Ivica Grlic nach dem Spiel. Der Sportdirektor schimpfte nicht, er traf nur eine Feststellung. Den Punktgewinn hätte er vorher unterschrieben – im Gegensatz zu Markus Bollmann. „Ich wollte hier gewinnen“, wie der Innenverteidiger bekräftigte. Vielleicht wäre ein Sieg möglich gewesen, wenn Schiedsrichter Christian Dietz den Leipziger Matthias Morys in der ersten Halbzeit vom Platz gestellt hätte. Der Schiri ahndete nur ein Foul an Bollmann und zückte Gelb. Zu wenig. Der Leipziger hatte Bollmann mit einem Ellbogencheck gegen den Hals niedergestreckt. Bollmann: „Mehr Rot geht nicht.“

MSV braucht Regeneration

Da ein Zaubertrunk nicht in der Duisburger Pipeline fließt, sucht MSV-Trainer Karsten Baumann nun nach anderen Regenerationsmöglichkeiten. Viele Optionen hat er dabei nicht. „In der Kabine hat ein Spieler gesagt, dass sieben Punkte zum Ende der Vorbereitung doch gar nicht so schlecht sind“, verriet Baumann nach dem Spiel. Das Ende der Vorbereitungszeit ist indes noch nicht in Sicht. „Wir werden das Defizit der ausgefallenen Vorbereitung mit in den Winter nehmen“, so Baumann.

Auch Torschütze Kingsley Onuegbu fühlt sich noch lange nicht bei 100 Prozent. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so der Ex-Fürther, dessen Quote kaum besser sein könnte: drei Tore in vier Ligaspielen. Die MSV-Fans in Leipzig belohnten den Angreifer unmittelbar nach dem Spielende. Sie setzten dem „King“ eine blau-weiße Papierkrone auf.